und lächelte dem Maler auf eine eigenthümliche Art zu . Der Abschied des Herrn von Dankwart bestand darin , daß er mit zwei Fingern zum Wagenschlag hinaus winkte . Arthur blieb trotz des strömenden Regens noch einen Augenblick an der Thüre stehen und sah dem Wagen nach , bis er um die Ecke verschwunden war . Dann schlug er eine laute Lache auf und sprach zu sich selbst : » Nun , heute habe ich gezeigt , daß ich bereitwillig den linken Backen hinhalte , wenn man mich auf den rechten geschlagen . - Sogar Onkel Tom müßte mit mir zufrieden sein . « Oben in seinem Atelier angekommen , zog er seinen leichten Morgenrock aus ( es war dies ein kostbares Gewand , aus einem seinen Shawl gemacht ) , der jetzt von dem Regen draußen ganz durchnäßt war . Er warf ihn verächtlich in eine Ecke und nahm sich alsdann eine frische Cigarre , die er ruhig anzündete . » Sie sind ärgerlich ? « sagte freundlich Herr Beil ; » haben auch alle Ursache dazu . Es ist das von diesen vornehmen Herren eine eigene Art , mit renommirten Künstlern umzugehen . « Der Maler betrachtete , ohne augenblicklich eine Antwort zu geben , die holden Züge , die ihm von der Leinwand auf der Staffelei entgegen lachten . Nach einer längeren Pause sagte er erst : » Ah ! da kann von vornehmen Herren eigentlich gar nicht die Rede sein ! Der Herr von Brand hat allerdings eine anständige Tournure ; mit wirklich vornehmen Herren ist es angenehm umzugehen . - Aber der Andere ! - Wissen Sie , lieber Herr Beil , solches Volk , das sich aus dem Staube und dem Dreck herauf geschmeichelt , das , wenn es auch jetzt einen seinen Frack und gute Handschuhe trägt , doch die freche Bedientenseele nie verleugnen kann , das es wagt , im ekelhaftesten Hochmuth auf uns herum zu tappen , weil es begnadigt ist , sich als moralischer Spucknapf seines Herrn gebrauchen zu lassen , - das sind ja oft leider die Geschöpfe , an die wir arme Künstler gewiesen sind , das sind die Zwischenträger zwischen der reinen heiligen Kunst und den Großen der Erde , denen persönlich zu nahen so Wenige von uns gewürdigt werden . - Was ich vorhin von der Sklaverei sagte , ist ganz richtig : all ' diese armen Maler und Bildhauer , die mit Herrn von Dankwart und ähnlichem Gelichter zu thun haben , sind arme unglückliche Sklaven , welche die Arbeit ihrer Tage , die Träume ihrer Nächte für ein elendes Honorar verkaufen . Und da das Bild bezahlt ist , soll der Künstler zufrieden sein ; jene hohen Herrschaften aber fühlen nicht , daß ihm , so nothwendig er auch die paar Thaler gebrauchen kann , doch ein freundliches anerkennendes Wort ein schönerer Lohn wäre und ihn anspornen müßte zu noch besseren Werken . - Nein , sie fühlen das nicht , sonst würden sie nicht solche Dankwarte schicken und uns die Schmach anthun , daß wir aus solchem Munde vernehmen müssen : Seine Hoheit sind mit Ihnen zufrieden , Seine Hoheit haben Ihr Bild für etwas Vortreffliches erklärt . « - Damit schwieg er und wischte auf der Leinwand herum . » Doch , Gott sei Dank ! « fuhr er nach einer Pause fort , » es hat mich ordentlich beruhigt , daß ich mich gegen Sie ein wenig aussprechen konnte . Ich versichere Sie , mich hatte da unten eine unbeschreibliche Wuth erfaßt : Herr von Dankwart schwang da eine artige Geißel gegen mich armen Künstlersklaven ; er verlangte nämlich , ich solle zeigen , ob ich auch in der That etwas verstände , und als Probe soll ich sein Gesicht abconterfeien . « » Brrr ! « machte Herr Beil , der unterdessen den nassen Morgenrock Arthurs aus der Ecke des Zimmers hervorgeholt . - » Und für alles das haben Sie Ihr allerliebstes Kleid hier total verdorben ? « » Das geht zum Uebrigen in den Kauf , wenn man eine vornehme Kundschaft hat , « entgegnete lachend der Maler . » Aber wissen Sie , was mich im Umgange mit solchen Menschen , wie der Herr von Dankwart ist , am meisten ärgert ? - Das sind die Anreden , mit denen sie uns begnadigen : Mein lieber Herr ! Mein Freund ! und dergleichen . Ich weiß nicht , ob Sie mich verstehen , aber das kann mich zur Wuth bringen ; es soll das herablassend sein , freundlich und gnädig . - Mein lieber Freund ! - Es ist aber wie das Du , mit dem ich meinen Bedienten anrede . Und wehe diesem , wenn er sich unterstände , ebenso zu antworten ! und wehe uns , wenn wir auf eine solche Anrede ebenfalls antworten würden : Mein lieber Freund ! - Diese Dankwarte müssen sich absolut etwas Apartes gegen uns heraus nehmen . Würden sie einfach unsern Namen nennen , so ständen wir ihnen ja gleich , indem wir auch den ihren aussprechen ; aber nein ! Da reichen sie ihre Hand tief hinab in den Staub und sagen , indem sie weit - weit über uns hinweg sehen : mein lieber Freund ! « Vierundfünfzigstes Kapitel . Am Neujahrstage . Wie immer , so lange wir nach unserem christlichen Kalender rechnen , war das alte Jahr acht Tage , nachdem die Weihnachtsbäume gebrannt , zu Ende gegangen . - Es ist das für die Menschen eine angenehme Periode : viel Festtage , Geschenke , Lust und Freude aller Art , namentlich in der Sylvesternacht , wo Jeder so viel als möglich sich bemüht , vom alten Jahre fröhlich Abschied zu nehmen und das neue jubelnd zu empfangen . Trotz den erneuerten Verordnungen einer hochpreislichen Polizei hatte es auch dieses Mal wieder an allen Ecken der Stadt geknallt , ja selbst in der Nähe der Polizeidirektion , wo sich einige Mordschläge mit unerhörtem Spektakel entladen