Jahr hinter den Mauern der Bastille geschmachtet . Luft ! Luft ! - eine Wiese - ein Baum - eine Blume nur ! seufzte seine schmachtende Seele . Jetzt sollte er fort - diese Mauern verlassen - aber zu welchem Zwecke ? Sollte sein Todesurtheil vollstreckt werden ? Sollte eine neue Festung ihn umschließen ? Fenelon hatte seinen Schüler in dieser schweren Zeit nicht verlassen ; er hatte das Gefühl der Unschuld in ihm verstärkt , da er das Gefühl des Unglücks nicht aus seiner Seele nehmen konnte . Er stellte ihn klar zum Leben , in der geheimen Hoffnung , ihn für dasselbe wieder zu gewinnen . Von der Jugend unterstützt , konnte er in freier Thätigkeit , im Fleiße , in nützlicher Bestrebung , nach und nach das Leben sich ihm erhalten denken . » Ihr Prozeß ist entschieden , « erwiederte der Herr - » und ich bin Ihnen hoffentlich keine feindliche Erscheinung . « Reginald erkannte Herrn von Mauville . » O , nein ! « rief er lebhaft - » Sie waren vom ersten Augenblick an mein guter Engel ! « - » So folgen Sie mir auch jetzt voll Vertrauen ! « - In kurzer Zeit war Reginald zur Abreise gerüstet ; Beide bestiegen den Wagen . Die Thore von Paris lagen weit hinter ihnen , als der Morgen anbrach . Da erblickte Reginald bei den ersten Strahlen der Morgensonne die lang ersehnte Natur . Der Eindruck war überwältigend ! Mit trunkenen Blicken sog er einige Minuten die Gegenstände ein ; dann wendete er sich zu Herrn von Mauville , der mit antheilvollem Ausdrucke der Züge den schönen blassen Jüngling betrachtete . Den liebevollen , väterlichen Blick erkennend , warf Reginald sich laut weinend an seine Brust . Fremde Arme umschlangen den Jüngling ! Er hatte von allen reichen Liebesbanden , die ihn seit seiner frühesten Jugend umgaben , Nichts behalten , als seinen Richter , der ein Mensch war ! In einer Hafenstadt machten die Reisenden Abends Halt . Reginald schlief einen langen , erquickenden Schlaf . Am anderen Morgen fand er Herrn von Mauville in besonders feierlicher Stimmung . » Bis hierher , « sprach dieser , » habe ich mich verpflichtet , Sie zu begleiten , theurer junger Mann ! Man hat mich durch das Vertrauen geehrt , mit dem man mir die Vollziehung dieser Maaßregel überließ . Der König hat Sie begnadigt ! Sie sind frei ! Der Erzbischof von Cambray hat mir diesen Brief für Sie mitgegeben ; er wünscht , daß Sie von Ihrem Vaterlande , bis auf die Erinnerung , Abschied nehmen mögen ! Er fordert Sie auf , keine Verbindung mit demselben zu unterhalten , selbst der brieflichen Mittheilungen zu entbehren . Nur so , glaubt er , kann es Ihnen gelingen , ein neues Leben zu beginnen . Ihr Vater - « » Mein Vater ? « rief Reginald , und eine glühende Wallung zeigte sich auf seiner Stirn . » Mein Vater wird den Wunsch meiner gänzlichen Vernichtung , der Beraubung aller Bande , die dem Menschen heilig und theuer sind , und ihn an sein Vaterland knüpfen , unterstützen ! Er hat von mir Nichts mehr zu fürchten ! Da ich es aufgeben mußte , für meine heilige Mutter Gerechtigkeit zu fordern , so hört für mich jeder Anspruch an ihn auf ! « Wehmüthig blickte Herr von Mauville den Jüngling an . Er wußte ihm wenig zu sagen und fürchtete sein zürnendes Gefühl durch Widerspruch noch heftiger zu erregen . » Der Graf Crecy war es , « fuhr er sanft fort - » der , durch die Vermittelung des Erzbischofs von Cambray , dem Könige das ganze Geheimniß Ihrer Geburt , Ihres traurigen Geschickes entdeckt ; - und so dürfen Sie sagen , ist Ihrer Mutter Recht geschehen ! « Reginald ' s erglühtes Auge ruhte einen Augenblick voll Befriedigung auf Herrn von Mauville . » So mag ihm Gott verzeihen , wie ich ihm verzeihe ! « rief er plötzlich tief bewegt . » Darum sollte ich Sie bitten ! « sagte Herr von Mauville ; - » der unglückliche Vater fühlte keinen Muth , dem tief beleidigten Sohne selbst zu nahen . « Reginald verhüllte sein Gesicht mit beiden Händen ; Fennimor ' s Sohn weinte über den unglücklichen Vater . » Sagen Sie meinem Vater - sagen Sie ihm « - » Daß Sie ihm verziehen haben ! « ergänzte Herr von Mauville die schluchzend herausgestoßenen Worte des Erschütterten . » O , welch ' ein Wort gegen einen Vater ! « seufzte Reginald . » Sagen Sie ihm , daß ich gedenken wolle , er habe einst meine Mutter geliebt ; - daß ich ewig gedenken will , wie er mich mit Sorgfalt erziehen ließ und wie viel Liebe er mir bewiesen . Aber wenn ich voll Schmerz zugleich behalten muß , wie er den Lockungen der vornehmen Welt mit ihren empörenden Anforderungen und erlogenen Rechten erlag , so sagen Sie ihm , daß ich ihr einen tiefen , unversöhnlichen Haß geschworen ; daß ich seine unnatürliche , entmenschte Familie hasse , und daß es mein Stolz sein soll , sie zu verläugnen und mich nicht mehr zu ihr zu zählen ! « » Ich darf Sie nicht fragen , wohin Sie zu gehen gedenken , « entgegnete Herr von Mauville ; - » meine Bestimmungen lauten , dies nicht wissen zu wollen . Aber ich bin ein alter Mann ; Sie sollen ihr Vaterland nicht verlassen , ohne den Segen eines Herzens , das Sie lieb gewonnen hat , wie einen Sohn . « Reginald stürzte an seine Brust ; Herr von Mauville segnete ihn in tiefer Rührung mit einer erschütternden Fülle hochherziger Worte . Dann entriß er sich plötzlich seiner Umarmung und enteilte dem schmerzlich bewegten Jünglinge . Lange blieb Reginald regungslos auf seinem Platze . Wir können sagen , er erlebte einen großen Entwickelungs-Moment . Von allen Seiten nahete sich das Vorbereitete und ward