selbst auf dem Schlachtfelde nur friedlich und heilbringend sei . Meine Absicht ist , erwiederte der Angeredete , Wunden zu heilen und , wenn ich es vermeiden kann , keine zu schlagen , aber , setzte er hinzu , indem er stolz um sich blickte und den Griff seines Schwertes faßte , es ziemt sich in Zeiten der Gefahr , daß der Mann gewaffnet ist , und muß es sein , so werde ich mein Leben theuer verkaufen . So sehr es dem Arzte mit diesen Gefühlen Ernst war , so hatte doch sein ganzes Thun etwas so Komisches , daß , als er nach seiner Meinung wie ein Held in der Mitte seiner Freunde stand , Niemand eines leichten Lächelns sich erwehren konnte . Die vorgerückten Stunden der Nacht erinnerten endlich Alle an die Nothwendigkeit einen kurzen Schlummer zu suchen , denn mit dem frühesten Morgen mußte der Graf Robert mit seinen Begleitern aufbrechen , um zur gehörigen Zeit an dem ihm bestimmten Vereinigungspunkte einzutreffen , und man trennte sich mit erneuerten Gefühlen der Freundschaft und des Wohlwollens . Am andern Morgen war der Arzt der erste , der sich vom Lager erhob , und nachdem er den fremden Wundarzt geweckt hatte , der in der Nacht angekommen war , führte er ihn zum General Clairmont und ließ ihn in seiner Gegenwart den Verband um dessen verwundeten Arm erneuern , um sich von seiner Geschicklichkeit zu überzeugen . Als das Geschäft zu seiner Zufriedenheit beendigt war , fragte der General finster : Werden Sie mit Ihren Freunden heute noch weiter rücken ? In einer halben Stunde , antwortete der Arzt . So empfehlen Sie mich dem jungen Grafen und seinem Freunde , und entschuldigen Sie es , so gut Sie vermögen , daß ich sie nicht vor ihrer Abreise zu sehen wünsche . Es ist nicht Mangel an Achtung , fuhr der General fort , als er die Verwunderung des Arztes bemerkte , es ist meine finstere Stimmung , die mich eine völlige Einsamkeit wünschen läßt , deßhalb entschuldigen Sie mich , ohne Jemanden zu beleidigen . Der Arzt versprach seinen Auftrag auf die beste Art auszurichten , und der General fuhr fort : Da ich großmüthigen Feinden in die Hände gefallen bin , so besitze ich die Mittel Ihnen ein Andenken anzubieten . Er reichte dem Arzte einen werthvollen Ring , und auf dessen ablehnende Gebehrden setzte er hinzu : Beleidigen Sie mich nicht , indem Sie diese Kleinigkeit ausschlagen ; ich will Sie nicht damit belohnen . Es soll Sie dieser Ring nur erinnern , wenn Ihnen andere Franzosen in die Hände fallen , daß ich Sie bitte , diese eben so menschlich als mich zu behandeln . Der General hatte die letzten Worte mit bewegter Stimme und abgewendetem Gesicht gesprochen , und der Arzt nahm den Ring mit dem großmüthigen Gefühl , einen besiegten Feind nicht kränken zu wollen . Er erhob seine Stimme , um dem General zu versichern , daß jeder Hülfsbedürftige aufhöre sein Feind zu sein . Doch eine unmuthige Gebehrde des französischen Kriegers verschloß ihm die Lippen , und er entfernte sich , als dieser kurz und trocken sagte : Und nun leben Sie wohl , Herr Doktor , und überlassen Sie mich der Ruhe , die ich vielleicht noch durch einige Stunden Schlaf finde . Auf dem Gange vor den Zimmern des Generals konnte sich der Arzt nicht enthalten , die blinkenden Steine des Ringes zu betrachten und zu berechnen , wie er sie zum Schmuck für seine Braut verwenden wolle , als er in diesen angenehmen Gedanken durch Dübois gestört wurde , der ihn hier erwartet hatte , um ihm dieselbe Bitte für die verwundeten Franzosen an ' s Herz zu legen , die der General mit einem so ansehnlichen Geschenk begleitet hatte . Aber , lieber alter Freund , rief der Arzt halb beleidigt , was quälen Sie sich und mich mit so unnützen Sorgen ? Ich habe Ihnen ja den Beweis , wie ich handle , recht eigentlich in die Hand gegeben ; ich habe Ihnen ja einen verwundeten Franzosen selbst in ' s Haus gebracht , nachdem ich auf ' s Beste für ihn gesorgt hatte . Sie haben sich also selbst davon überzeugen können , wie großmüthig ich unsere heillosen Feinde behandle . Dafür wird Gott Sie segnen , sagte Dübois mit bewegter Stimme , denn wenn der Krieg auch ein nothwendiges Uebel ist , so ist die Grausamkeit doch gewiß nie zu entschuldigen . Der Arzt reichte dem Greise zum Abschiede die Hand und drückte dabei dessen Hand so heftig , daß er den Schmerz wieder von Neuem aufregte , der sich bei dem alten Manne seit der nachdrücklichen Begrüßung des vorigen Abends noch nicht aus diesem Gliede verloren hatte . Als sich der Arzt von Dübois getrennt hatte , suchte diesen der junge Thorfeld auf , um in der Stille von seinem väterlichen Freunde Abschied zu nehmen . Der alte Mann hatte den jungen Krieger nicht mehr Du nennen wollen und ihn mit Sie angeredet ; doch Gustav Thorfeld forderte alle Rechte der Liebe zurück , und man sah , daß es dem Greise erfreulich war , sich wie ein Vater geehrt zu fühlen und das Verhältniß früherer Vertraulichkeit zu erneuern . Ich kann es nicht tadeln , sagte er beim Abschiede dem jungen Mann , daß Du Dein Vaterland zu vertheidigen strebst ; aber bedenke , daß Frankreich das meinige ist , wenn Du seinen Boden betreten solltest , und sorge dafür , daß Deine Krieger menschlich verfahren . Thorfeld versprach dieß um so bereitwilliger , da sein eigenes Gefühl ihn aufforderte , Schonung zu üben , wo es sich irgend mit seiner Pflicht vereinigen ließe . Der Graf Robert hatte von den Frauen Abschied genommen , die noch kaum Zeit gefunden hatten , alle Fragen nach seiner Gattin und seinen Kindern an ihn zu richten , die ihnen am Herzen lagen . Er umarmte noch ein Mal seinen Oheim , der ihn