Scherz und Lachen die Hauptwirkung der Komödie bleiben soll , so braucht sie sich nur , mit Verzichtthuung auf alle persönliche Satyre , auf sinnreiche und lebhafte Darstellung allgemeiner lächerlicher Charaktere einzuschränken , um eine neue Gattung hervorzubringen , welche gewiß Beifall erlangen und vielleicht nicht ohne Nutzen seyn würde . Ich zweifle nicht , daß die Zeit im Anzug ist , wo Athen , die noch immer in allen Arten von Kunstwerken die ersten und vollkommensten Muster aufgestellt hat , auch in dieser Gattung den Ton angeben , und die Scene mit lebendigen Sittengemälden beschenken wird , an welchen auch unsre Frauen Gefallen finden können . Denn in Cyrene sind die Frauen von Besuchung der Schauspiele nicht ausgeschlossen146 wie bei euch ; und dieß ist ein wesentlicher Grund mehr , warum unsre Komödie ohne Vergleichung bescheidener und anständiger als die eurige seyn muß ; ja warum selbst die Tragödie sich unvermerkt in einen mildern Ton herabstimmen , und , ohne dem Wesentlichen ihres Charakters zu entsagen , mehr sanfte Rührungen , süße Wehmuth und zärtliches Mitgefühl als Schrecken , Entsetzen und peinliches Mitleiden zu erregen suchen wird . Da dieser Brief bestimmt ist , dir einen genugthuenden Bericht über meine dermalige Lage und Lebensweise zu geben , so erwartest du vermuthlich , daß ich dir auch ein Wort von den staatsbürgerlichen Obliegenheiten sage , durch welche meine weltbürgerliche Freiheit vielleicht enger eingeschränkt werden könnte , als sie in die Länge zu ertragen geneigt seyn möchte . Zu gutem Glück kommt meiner politischen Trägheit ein altes Gesetz zu Statten , vermöge dessen zwei Brüder niemals weder im Senat noch andern höhern Stellen , zu gleicher Zeit Sitz haben können . Dagegen gibt es mancherlei mehr und weniger bedeutende , mit der innern Polizei der Stadt beschäftigte Aemter und Aemtchen , denen wohlhabende Bürger , wenn die Reihe an sie kommt , sich nicht entziehen dürfen , zumal da diese Ehrenstellen mit keinem Einkommen verbunden und von eingeschränkter Dauer sind . - Aemter dieser Art werde ich , ihrer vielfältigen Unannehmlichkeiten ungeachtet , desto williger übernehmen , da sie , um wohl verwaltet zu werden , Uneigennützigkeit , Besonnenheit und Geschicklichkeit die Menschen verständig zu behandeln voraussetzen , und andern hierin ein Beispiel zu geben von gutem Nutzen seyn kann . Uebrigens bin ich der Meinung , daß in jedem großen oder kleinen Staat ein Bürger aus derjenigen Classe , zu welcher ich in Cyrene gehöre , sich um das Gemeinwesen schon verdient genug mache , wenn er seinem Hause wohl vorsteht , seine Güter zu verbessern und zu verschönern sucht , Künste und Gewerbe durch einen nicht unbescheidenen , aber seinem Vermögen angemessenen Aufwand unterhalten und beleben hilft , und durch eine edle Gastfreiheit seiner Stadt auch im Auslande Ehre macht . Noch ein kleines Verdienst hoffe ich mir um Cyrene dadurch erworben zu haben , daß ich ein zu meinem Gute gehöriges Lustwäldchen , das mit Schattengängen und Lauben , und einem Saal mit einer bedeckten Halle versehen ist , den Musen geheiligt , und zu einer Art von öffentlichem Versammlungsort für Gelehrte und Künstler bestimmt habe , wo auch bloße Liebhaber von Wissenschaft und Kunst , Fremde , und überhaupt alle rechtlichen Leute den Zutritt haben . Die Halle ist mit Gemälden und Bildsäulen , der Saal mit Bücherschränken versehen , wo keines der Werke der Griechischen Dichter , Geschichtschreiber und übrigen Schriftsteller , die in einigem Ruf stehen , leicht vermißt werden soll . Beide sind täglich zu gewissen Stunden offen , und einer meiner Hausgenossen ist immer gegenwärtig , um den Liebhabern die Bücher , worin sie lesen wollen , hervorzulangen , und wenn der Saal geschlossen wird , wieder an ihren Ort zu legen . Dieses Museon kostet mich vielleicht den vierten Theil des baaren Geldes , das mein Oheim mir hinterlassen hat : aber wer mit so weniger Mühe zu einem beträchtlichen Vermögen kommt , hat , meiner Meinung nach , eine besondere Obliegenheit auf sich , es auf eine edle und gemeinnützliche Art zu verwenden . Auf den Fall , lieber Eurybates , daß dir dieser vielleicht allzu weitläufige Bericht über einen so wenig bedeutenden Gegenstand , als mein kleines Cyrenisches Ich ist , etwas lange Weile gemacht haben sollte , ist es nicht mehr als billig , daß ich dich mit einer kurzweiligen Zugabe dafür entschädige . Hättest du dir wohl einfallen lassen , daß der Abderit Onokradias ( der zu unvergeßlich ist , als daß du dich nicht erinnern solltest , ihn mehrmals bei mir und bei dir selbst gesehen zu haben ) meiner Person einen so großen Geschmack abgewonnen haben könnte , um mich bis in Cyrene aufzusuchen ? Das Eigentliche an der Sache ist : daß er , da er jetzt auf seiner großen Reise begriffen ist , und , von Aegypten aus , den Tempel des Jupiter Ammon besucht hat , » nicht umhin konnte ( wie er sagt ) einen Abstecher nach Cyrene zu machen , um seinen Freund und Gönner Aristipp zu besuchen , « und ihm seine Dankbarkeit dafür zu bezeugen , daß er ihn zu Athen - seinen Tischgesellschaftern so oft zum Besten gab . Dem sey wie ihm wolle , genug , an einem schönen Morgen , da ich mich eher alles andern versehen hätte , kommt der hoffnungsvolle Sohn Onolaus des Zweiten auf mich zugerennt , und erdrückt mich beinahe in seinen Herculischen Armen . Es gab ( wie du denken kannst ) eine rührende Erkennungsscene , die noch rührender gewesen wäre , wenn sie nicht so nah ans Lächerliche gegränzt hätte . Es versteht sich , daß ich ihn sogleich in mein Haus führte , und daß von Stund ' an eine ewige Gastfreundschaft zwischen mir und meiner Nachkommenschaft und den edeln Sprößlingen des Onogelastischen Geschlechtes in allen seinen Aesten und Zweigen errichtet wurde . Der gute Mensch konnte sich , als ich ihn Kleonen vorstellte , nicht genug verwundern , wie ich zu einer so schönen Frau gekommen sey ,