koketten Ernst ihre Schritte tat , kicherte die andere und errötete über Ohr und Hals . Nun kletterten sie die Wandung des Hohlweges hinauf und liefen waldeinwärts . Als wir sie wiederfanden , stand die jüngere auf einem steilabfallenden Bergeck und hielt sich mit der linken Hand an einem Wachholderbusch , während sie mit der rechten in die Tiefe zeigte . Unten lag der Baasee , das ersehnte Ziel unserer Wanderung . Wir traten heran und hielten Umschau . Aber das Bild des Mädchens war schöner als der See ; die Staffage ging über die Landschaft . Was den Baasee zu keiner tieferen Wirkung kommen läßt , ist wohl das , daß er jener Mischgattung von Seen angehört , die zu finster sind , um zu erheitern , und doch wieder zu heiter , um den vollen Eindruck des Schauerlichen zu machen . Viel freilich hängt dabei von der Beleuchtung und noch mehr vielleicht von der Jahreszeit ab . Wir sahen ihn bei Sonnenschein . Ein Boot mit zwei Jägerburschen fuhr über den See ; der eine ruderte , während der andere von Zeit zu Zeit Hornsignale in den Wald blies . Ungleich schöner muß es an dieser Stelle sein , wenn das Laub hin ist und statt der grünen Kronen die grauverzweigten Buchen ihr Bild in den See werfen . Am schönsten aber in Sturm- und Winternächten , wenn der Mond grell-eisig am Himmel steht und statt des Jagdhorns des Jägerburschen , das eben verklingt , das Hallo des wilden Jägers über Wald und See zieht . 6. Hans Sachs von Freienwalde 6. Hans Sachs von Freienwalde Ich habe schon wieder auf Lieder gedacht , Ich fühle so frisch mich , so jung . Chamisso Die Straßen in Freienwalde sind Hügelstraßen und führen bergauf und bergab . Die belebteste derselben , die Berliner Straße , haben wir eben ihrer ganzen Länge nach passiert und noch immer nicht gefunden , was wir suchen . Aber das muß es sein – es ist das letzte Haus . Ein Berg und eine Kirche bilden den Hintergrund , nach der Straße zu stehen drei Linden und inmitten dieser Landschaftsrequisiten erhebt sich ein alter Fachwerkbau , an dem ein erkerartig vorspringendes Fenster und zwei Rosenbäume so ziemlich das Beste sind . Die Rosenbäume fassen das Fenster ein , aber sie müssen den schmalen Raum mit zwei Aushängebrettern teilen , auf denen wir im Lapidarstil lesen : » Schirme repariert ; Drechslerarbeit in Holz und Horn . « Dazu eine große , in Holz geschnittene Tabakspfeife , die als Ornament deutungsreich über dem Ganzen schwebt . Das ist allerdings , was wir suchen . Hier wohnt Karl Weise , Poet und Drechslermeister von Freienwalde , Drechselt Pfeifen in guter Ruh Und macht auch wohl ' nen Vers dazu . Das Ganze hat das Anheimelnde einer Poetenwohnung alten Stils und wir treten guten Mutes ein . Eine Türklingel – nicht eine von den geräuschvollen , die , einmal in Bewegung gesetzt , wie ein bellender Dorfspitz gar kein Ende finden können , sondern eine von den leisen , wohlerzogenen – kündigt unser Eintreten an und eh wir uns noch in dem Halbdunkel , für das die draußenstehenden drei Linden ausgiebig sorgen , zurechtgefunden haben , erscheint aus der Werkstatt her , wo wir eben noch das Schnurren des Rades hörten , ein stattlicher Mann , hemdsärmlig , in Arbeitskostüm , und sieht uns freundlich fragend an . Er ist brünett , groß , breitschultrig , in seiner ganzen Erscheinung von südslawischem Typus , und nach Teint , Haltung und Schnurrbart viel eher ein Seressanerhauptmann , als ein Drechslermeister oder Poet . Nichtsdestoweniger ist er beides und in dem friedliebendsten Dialekt der Welt , im reinen Hallensisch , erkundigt er sich nach unsrem Begehr . Wir reichen ihm die Hand , sagen ihm , daß wir als gelegentlich ebenfalls Versbeflissene gekommen wären , » um das Handwerk zu grüßen « und daß wir vorhätten , wenn irgend möglich , den Abend mit ihm draußen zu verplaudern . Unser Poet schlägt ein , die eben untergehende Sonne mahnt ohnehin an Feierabend , und sich auf Minuten bei uns entschuldigend , führt er uns zunächst in das nebenan gelegene Zimmer , das mit seinen geschmückten Wänden die Honneurs des Hauses macht . Wir benutzen diese Pause , uns in dem Putz- und Empfangszimmer neugierig umzusehen , und sind überrascht von der Sinnigkeit der Anordnung . Wenn das ganze Haus ein Poetenhaus ist , so ist dies das Poetenstübchen . Blumen und Bilder wechseln untereinander ab ; Geranium und Primel blicken schüchtern zu einer gipsernen Flora auf , Efeutöpfe spannen ihren grünen Bogen über Schrank und Spiegel und zwischen allermodernste Farbendrucke drängen sich , in breiten Ebenholzrahmen , ein paar altfranzösische Stiche : » Vue des Environs de Saverne ; dedié a Madame la Marquise de Vilette , Dame de Ferney-Voltaire . « Das scheint nicht zueinander zu passen , aber es paßt alles sehr gut . Was unsere modernen Zimmereinrichtungen so langweilig macht , das ist das Schablonenhafte und das Beziehungslose . Hier hat alles eine Beziehung , eine Geschichte , wäre diese Beziehung oft auch keine andere , als innerhalb der Kleinwelt eine mühevolle Eroberungsgeschichte . Unser Poet hat sich inzwischen reisefertig gemacht und bietet uns freundlich seine Führerdienste an . Wer wäre dazu geeigneter , als er , der nicht nur alle Wege und Stege der Umgegend kennt , sondern auch die schönsten Punkte in Berg und Tal besungen hat ; die vorgeschrittene Stunde aber macht es uns wünschenswert auf entferntere Touren zu verzichten , und unsere Wünsche bescheidentlich in ein » je näher , je besser « kleidend , schreiten wir dem unmittelbar vor der Stadt gelegenen Schloßgartenberg zu , dessen bauliche Anlagen ( Schloß , Pavillon usw. ) wir schon in einem früheren Kapitel kennenlernten . Aber heute lassen wir Schloß und Pavillon am Abhange des Berges liegen und steigen höher hinauf , wo schmale , durchs Parkholz geschlagene Wege in endlosen Windungen die obere