. Dritter Band 1 In Amt und Gut . Als an dem Tage , an welchem die Scharen des Fürsten Wratislaw durch die Schäfte des Waldes zurückgedrängt worden waren , der Abend heran kam , erreichten die Männer des Waldes die Anhöhe , welche ihnen von dem Herzoge Wladislaw als Nachtlagerungsplatz bestimmt worden war . Sie breiteten sich auf der Höhe aus , und suchten die Stellen , welche sich zur Nachtruhe eigneten . Witiko ließ Sifrid von Milnet zu sich rufen , und sagte zu ihm : » Sifrid , bist du von dem Kampfe so ermattet , daß du in der heutigen Nacht nicht noch einen Dienst tun könntest , und ist dein Pferd noch im Stande , einen mäßigen Ritt von einigen Stunden zu ertragen ? « Sifrid antwortete : » Ich habe gesagt , daß meine Glieder sind wie die eines andern Mannes , und daß ich tun will , was ich kann : und da nun der andere Mann den Dienst täte , so tue ich ihn auch , und oft haben wir den ganzen Tag gearbeitet , und in der Nacht getanzt . Und was das Pferd anlangt , so habe ich dir ja erzählt , Witiko , daß ich die Pferde des alten Roder Peter warte , und ich warte sie sehr gut , und weiß , was sie ertragen , und habe mir das beste ausgesucht , da ich fort geritten bin . « » Also wirst du reiten ? « fragte Witiko . » Ich werde reiten « , sagte Sifrid . » Also , höre . Hast du dir alles gemerkt , was heute in dem Kampfe geschehen ist ? « fragte Witiko . » Ich habe es mir gemerkt « , antwortete Sifrid . » Wie heißt der Führer der Scharen , die gegen uns gekommen sind ? « fragte Witiko . » Es ist Wratislaw , der Herzog von Brünn , ein nichtsnutziger Vetter unseres erleuchten Herzoges Wladislaw « , antwortete Sifrid . » Gut , und wie viele Stunden sind wir seitwärts nach rechts in der Verfolgung gegangen , und wie viele wieder links zu unserem Wege , und wohin sind die meisten der Feinde geritten , und wie heißt der Berg , auf dem wir jetzt stehen ? « sagte Witiko . » Wir sind vielleicht drei Stunden gegen Sonnenuntergang hinter den Feinden her gewesen , und sind dann vier oder fünf Stunden wieder in der Richtung gegen Sonnenaufgang gezogen , und die Feinde sind zerstreut gegen Sonnenuntergang geritten , und der Berg , auf dem wir stehen , heißt Branis « , antwortete Sifrid . » Es ist , wie du sagst « , entgegnete Witiko , » reite nun zu dem Herzoge , und berichte ihm das alles genauer als meine ersten Boten konnten , und erzähle ihm , was du von dem Kampfe der Wahrheit nach weißt , sage , daß ich dich sende , und daß wir wenige Männer verloren haben . Ich werde dir noch vier Begleiter mitgeben . Stärket euch und die Pferde durch Nahrung und etwas Ruhe . Dann reitet zu Bolemil , Bolemil wird euch einen Boten zu dem nächsten Führer geben , dieser gibt euch wieder einen , und so jeder , bis ihr zu dem Herzoge kommt . Zu Bolemil werde ich auch noch einen andern Boten schicken . « » Es wäre mir lieb , wenn ich selber meine Begleiter auslesen dürfte « , sagte Sifrid , » ich kenne Genossen , die den Ritt gut vollbringen werden . « » So wähle sie « , entgegnete Witiko , » und wenn ihr bei dem Herzoge gewesen seid , dann reitet wieder an den Scharen rechts herüber , und sehet , daß ihr morgen wieder bei unserem Zuge seid . « » Ich werde alles genau tun , wie du gesagt hast « , antwortete Sifrid , » und meine Genossen werden in jedem folgsam sein . « » So gehe , und sei an der Sache « , sprach Witiko . Sifrid ging . Als dieses geschehen war , ließ Witiko die Obmänner der Abteilungen zu sich rufen . Und ehe diese dem Rufe des Hornes von ihren Stellen her folgen konnten , wurde das große rosenrote Banner vor Witiko aufgerichtet , und es wurde ein Gezelt für ihn zu Stande gebracht . Als die Obmänner vor dem Gezelte und vor dem rosenroten Banner erschienen waren , sprach Witiko zu ihnen : » Ehrenvolle Männer ! Wir sind auf dem Boden der Feinde , und schon unter den Feinden , und es tut not , daß wir alle Vorsicht üben , welche der Krieg gebietet . Wir werden zu allen Zeichen gehen , um ihre Anstalten für die Nacht zu betrachten . « » Wir werden dir folgen « , sagte einer der Männer . Witiko ging nun mit den Führern rechts von seinem Gezelte zu dem weißen Banner mit der dunkelroten Waldrose , welches die Fußgänger von Plan in den Boden gesteckt hatten . Er sah den Lagerplatz der Männer an , und die Wachen , welche sie ausgestellt hatten . Dann ging er wieder weiter rechts zu dem grünen Banner der Männer von der Mugrauer Heide , und betrachtete ihr Lager und ihre Wachen . Dann ging er zu dem weißen Banner der Männer von dem schwarzen Bache , dann zu dem blauen Banner der Männer von der unteren Moldau , dann zu dem weißen Kreuze der Männer vom Rathschlage , dann zu der Stange , auf welche die Männer vom Eckschlage Geierfedern gebunden hatten , und überall betrachtete er die Lagerung und die Wachen . Dann ging er wieder zurück bis zu seinem Gezelte , und ging von demselben links zu dem weißen Banner mit der dunkelroten Waldrose , welches die Männer von dem Wangetschlage hatten , und dann weiter links zu dem rosenroten Banner der Männer von Friedberg , und dann zu dem roten Kreuze der Männer von der Steinleithe