auch in das Rothmoor , wo sie das Arbeiten in Marmor betrachten konnte . Wir blieben länger in dem Ahornhause , als wir im Seehause gewesen waren , und alle Menschen waren hier noch freundlicher , zutraulicher und hilfreicher als dort . Die Wirtin war unerfüllte in Dienstanerbietungen gegen meine Schwester . Zu Ende unseres Aufenthaltes traten hier kühle und regnerische Tage ein . Wir verbrachten sie still in der heitern Wohnlichkeit des Hauses . Aber aus der Beschaffenheit des Laubes an den Bäumen und dem Aussehen der Herbstpflanzen auf den Matten , aus dem Verhalten der Tiere und aus der Beschaffenheit des Pelzes derselben erkannte ich , daß die dauernde kalte und unfreundliche Zeit noch nicht gekommen sei , und daß noch warme und klare Tage eintreten müssen . Als daher das Wetter sich wieder aufheiterte , verließ ich mit Klotilden das Ahornhaus und schlug den Weg in das Kargrat ein . Ich hatte mich in meinen Voraussetzungen nicht getäuscht . Nachdem zwei halb heitere und kühle Tage gewesen waren , die wir mit Fahren zugebracht hatten , zog wieder ein ganz heiterer , zwar am Morgen kalter , in seinem Verlaufe aber sich schnell erwärmender Tag über die beschneiten Gipfel herauf , dem eine Reihe schöner und warmer Tage folgte , die den Schnee auf den Höhen und den , welcher das Eis der Gletscher bedeckt hatte , wieder weg nahmen , und das letztere so weit sichtbar machten , als es in diesem Sommer überhaupt sichtbar gewesen war . Wir hatten am zweiten dieser schönen Tage das Kargrat erreicht . Die Reise war darum von so langer Dauer gewesen , weil wir kleine Tagefahrten gemacht hatten , und weil wir die Berge hinan und hinab recht langsam gefahren waren . Wir zogen in die Ärmlichkeit unserer Wohnung , die durch die Größe und Öde der Gegend , von welcher sie umgeben war , noch mehr herabgedrückt wurde , ein . Am zweiten Tage nach unserer Ankunft , da alles vorbereitet worden war , folgte mir Klotilde auf das Simmieis . Es waren Führer , Träger von Lebensmitteln und von allem , was auf einer solchen Wanderung notwendig oder nützlich sein konnte , und endlich auch solche , die eine Sänfte hatten , mitgegangen . Wir waren am ersten Tage bis zur Karzuflucht gekommen . Dort waren wir in dem aus Holzblöcken für die Besteiger der Karspitze gezimmerten Häuschen über Nacht geblieben , hatten aus mitgebrachtem Holze Feuer gemacht und uns unser Abendessen bereitet . Mit Anbruch des nächsten Tages gingen wir weiter und kamen im Glanze des Vormittages auf die Wölbung des Gletschers . Daß an eine Besteigung der Karspitze nicht gedacht werden konnte , war natürlich . Wir betrachteten hier nun , was zu betrachten war , und als sich Kälte in den Gliedern einstellen wollte , traten wir den Rückweg an . In der Zuflucht wurden wieder Speisen bereitet , und dann gingen wir vollends hinab . Als wir zurückgekehrt waren , sank mir Klotilde fast erschöpft an das Herz . Ich legte am andern Tage Klotilden mehrere Zeichnungen , die ich von Gletschern , ihren Einfassungen , Wölbungen , Spaltungen , Zusammenschiebungen und dergleichen gemacht hatte , vor , damit sie in der frischen Erinnerung das Gesehene mit dem Abgebildeten vergleichen konnte . Ich machte auf vieles aufmerksam , führte manches in ihr Gedächtnis zurück , und erwähnte hier auch als an der geeignetsten Stelle , wie sehr die Abbildung hinter der Wirklichkeit zurück bleibe . In den nächsten zwei Tagen besuchten wir noch verschiedene Stellen , von denen wir das Eis und die Schneegestaltungen dieser Berge betrachten konnten . Auch einen Wassersturz von einer steilrechten Wand zeigte ich Klotilden . Hierauf aber begann ich , auf unsere Rückreise zu den Eltern zu denken . Die Zeit war nach und nach so vorgerückt , daß ein Aufenthalt in diesen hochgelegenen Räumen besonders für ein der Stadt gewohntes Mädchen nicht mehr ersprießlich war . Ich schlug daher Klotilden vor , nun auf dem nächsten Wege durch das ebenere Land unsere Heimat zu gewinnen zu suchen . Sie war damit einverstanden . Von dem nächsten größeren Orte her wurde ein Fuhrwerk bestellt , welches uns auf die erste Post bringen sollte . Wir nahmen von unserer Wirtin und ihrem Manne so wie von unsern Trägern und Führern , die noch zum Empfange eines kleinen Geschenkes herbei gekommen waren , Abschied , wir verabschiedeten uns von dem Pfarrer , der uns zuweilen besucht und uns auf Schönheiten , von seinem kleinen Gesichtskreise aus , aufmerksam gemacht hatte , und fuhren auf unserem Karren , der nur mit einem Pferde bespannt war , auf dem schmalen Wege von dem Kargrat hinab . Das letzte , was wir von dem kleinen Örtchen sahen , war die mit Schindeln bedeckte Wand des Pfarrhofes und die gleichfalls mit Schindeln bedeckte Wand der schmalen Seite der Kirche . Ich sagte Klotilden , daß diese Bedeckungen notwendig seien , um die in diesen Höhen stark wirkende Gewalt des Regens und des Schnees von dem Mauerwerke abzuhalten . Wir konnten nur noch einen Blick auf die zwei Gebäude tun , dann trat eine Höhe zwischen unsere Augen und sie . Wir glitten mit unserem Fuhrwerke sehr schnell abwärts , wilde Gründe umgaben uns , und endlich empfing uns der Wald , der die Niederungen suchte , in ihnen dahin zog , und schon wohnlicher und wärmer war . Wir kamen unter Wiegen und Ächzen unseres Wägleins immer tiefer und tiefer , Fahrgeleise von Holzwegen , die den Wald durchstrichen , mündeten in unsere Straße , diese wurde fester und breiter , und wir fuhren zuweilen schon eben und behaglich dahin . Als wir den Ort erreicht hatten , an welchem sich die nächste Post befand , lohnte ich den Führer meines Wägleins ab , sendete ihn zurück , und nahm Postpferde . Wir fuhren in gerader Richtung auf dem kürzesten Wege aus dem Gebirge gegen das flachere Land , um die Heerstraße zu gewinnen