Brücke passirt hatten und am Ufer des Fanarioten-Quartiers hinfuhren , deutete Geurgios auf den Sack und fragte : » Was machen wir damit ? werfen wir die Last in das Horn ? Hier sind wir sicher vor Spähern . « Aber Gregor faßte abwehrend seinen Arm . » Um der Heiligen willen , laßt uns nicht unmenschlicher handeln , als diese Moslems . Es scheint ein Weib in dem Sack zu sein und wir wollen die Unglückliche retten . « » Bah , irgend eine alte Hexe , die im Harem gekeift und sich unnütz gemacht hat ! Aber wie Ihr wollt - bei Sanct Demeter , Ihr mögt das Geschenk der schwarzen Burschen dafür zu eigen nehmen und Euch mit der Last beladen . « - Unweit der Kirche von St. Basil , zwischen dem Balat-Kapussi ( Palastthor ) und dem Haivan-Seraï-Kapussi - dem Thor der Menagerie , - von dem benachbarten Amphitheater so genannt , wo die Kämpfe der wilden Thiere stattzufinden pflegten , - und berühmt als die Stelle , wo im letzten Heldenkampfe gegen die Osmanlis und Genuesen Daralla und der Großherzog Notaris fochten , - landete das Boot unter einem überhängenden Kaïkschuppen , und Geurgios geleitete den Befreiten durch den Ausgang , der am Ende desselben hinauf in ein ziemlich großes griechisches Haus führte , wohin die beiden Ruderer auf seinen Befehl das geheimnißvolle Bündel ihnen nachtrugen . Man schien sie erwartet zu haben , denn auf der Veranda waren , trotz des stürmischen kalten Wetters , mehrere Männer versammelt , und in dem oberen wohlerleuchteten Gemach , wohin man Caraiskakis führte , brannten wärmende Kohlenpfannen und ein Tisch war mit dem lieblichen Brussawein und dem feurigen schwarzen Rebensaft vom Olymp , den man selbst in Constantinopel nur selten echt bekommt , nebst Speisen und Erfrischungen besetzt . Hierhin , in einen Winkel des Gemaches , legten die Bootsleute auch ihre Last , über die Geurgios gegen die Augen der Neugierigen seinen Mantel gebreitet hatte , worauf ihnen derselbe bei der eigenen Gefahr ihres Lebens anbefahl , auch gegen die Hausbewohner das strengste Schweigen über die Art und Weise zu beobachten , wie jene ihnen aufgebürdet worden . Dann , als sie allein waren , machte er mit Gregors Hilfe sich daran , den Sack mit einem Dolch aufzuschneiden . Der Anblick , der sich ihnen zeigte , war überraschend . Ein junges bildschönes Mädchen , die in reiche türkische Pracht gehüllten Glieder mit einem kostbaren Shwal zu einem Klumpen zusammengeschnürt , lag vor ihnen . Der Mund war ihr durch einen Knebel geschlossen , und die Unglückliche offenbar von der lang andauernden Todesangst in Ohnmacht gefallen . Während Geurgios die Knoten des Shwals löste , befreite sie Gregor von dem Knebel und rieb ihr , nachdem man sie auf ein Ruhebett gestreckt , Stirn und Schläfe mit Wein . Endlich schlug die Schöne die Augen auf , tiefe Seufzer hoben ihren Busen und ihr Blick fuhr wirr und ängstlich umher über die fremden Männer und die unbekannte Umgebung . Dann schrie sie laut auf und warf sich auf die Kniee . » Mordet mich nicht , « rief sie ; - » für was habe ich meinen Glauben abgeschworen und Alles hingegeben , was meiner Jugend theuer war , wenn ich so jung schon geopfert werden soll ? Was hab ' ich gethan - bin ich nicht die gehorsame Tänzerin des Padischah , die Gefährtin seiner Freuden ? hab ' ich nicht treu der Sultana gedient , meiner Herrin ? O , habt Erbarmen , laßt mich leben - es ist so süß und schön , zu leben im Glanz der Herrlichkeit , die ich nie gekannt ! « Die schöne Nausika - denn sie war es , die durch den Sultan als Sühne für die geopferte Mariam aus dem Harem verbannt und von dem Kislar-Aga für seinen Gönner Chosrew bestimmt , durch eine zufällige Verwechselung und den Irrthum seiner Untergebenen in die Hände der Griechen gekommen war , - sah in der reichen Tracht der Odaliske und in der Blässe der Todesfurcht , die ihre Wangen bedeckte und das große blaue Auge aus dem Antlitz zu drängen schien , kaum weniger reizend und verlockend aus , wie damals , als wir im kurzen Gazegewand der Tänzerin ihr vor dem Sultan begegneten . Die weichen feinen Hände mit den hennahgefärbten Nägeln über der wogenden halbentfesselten Brust gekreuzt , lag sie vor den beiden Männern , und flehte für ein Leben , das stürmisch dein Genuß in jeder Fiber entgegenklopfte . Erst als Gregor ihr wiederholt betheuert hatte , daß sie Nichts mehr zu fürchten habe , daß sie gerettet sei vor der schrecklichen Execution des Harems , - daß aber Verborgenheit und Geheimniß das Werk der Rettung vollenden und sichern müsse , gewann sie Glauben daran , umfaßte seine Kniee und beschwor ihn , sie nicht zu verlassen , indem sie versprach , jedem seiner Winke Folge zu leisten . Eine kurze Berathung zwischen Caraiskakis und seinem Wirth führte den Beschluß herbei , die Odaliske auch ferner vor den Augen der Hausbewohner verborgen zu halten , und sie zu dem Zweck in dem Zimmer , in dem man sich befand , zu lassen , bis es gelungen sei , ihr weniger auffällige Kleidung zu verschaffen , um sie an einen noch verborgeneren Ort zu bringen . Geurgios erklärte dem Landsmann , daß , da besonders auf seinen Wunsch die Fremde gerettet worden , er auch die Pflicht übernehmen möge , für sie zu sorgen , und gern war Caraiskakis dazu bereit , denn das Mädchen hatte schnell einen so wunderbaren Eindruck auf sein bisher nur von andern Gefühlen entflammtes Herz gemacht , daß er sich jeder Gefahr für sie unterzogen hätte . Er beschloß , den Baron von Oelsner für seinen Schützling zu interessiren , und als er jetzt auf die Aufforderung seines Wirthes diesem folgte , nachdem er einige Erfrischungen genommen , versprach er dem Mädchen , so bald wie möglich wiederzukommen und