mit der größten Zuversichtlichkeit . Melanie lachte laut auf . Fränzchen ! rief sie , was bist du für ein armer Tropf ! Gesteh ' es nur , du bist mit dem philosophischen Spiegelrahmenmacher viel weiter , als du sagen willst und der Bösewicht , der des Nachts nicht nach Hause kommt , macht dir Windbeuteleien vor . Sag ' ihm in meinem Namen : Mein lieber Herr ... Wie heißt Er ? Louis ! Louis ? Also schon beim Vornamen ? Fränzchen ! Du bist ein rechter Duckmäuser ! Eine Putzmacherin ! Wie kann man auch glauben , daß eine Putzmacherin mit einem Franzosen nicht weiter kommen wird als bis zum ersten Capitel der Liebe , bis zur Philosophie ! Er heißt Louis Armand , sagte Fränzchen , geängstigt über die Art , wie ihr diese beiden Mädchen zusetzten . Also sag ' ihm nur ! fuhr Melanie fort , die diesen Namen doch schon einmal von Bartusch gehört , aber vergessen hatte ; Monsieur Armand , Das sind Flausen ! Wer ist Ihr Freund ? Ihr vornehmer Freund ? Vertheidigen Sie sich , mein Herr ! Sie bleiben des Nachts aus ! Daran ist eine Nebenbuhlerin , Ihre Untreue , Ihr Wankelmuth Schuld ! Schämen Sie sich ! Er hat ihn mir schon genannt , den Freund ! sagte Fränzchen kopfschüttelnd . Es ist Jemand , den er in Paris kennen gelernt hat und noch in einer andern Stadt , die ich nicht behalten habe . Diesem zu Gefallen ist er nach Deutschland gegangen . Ich wollt ' ihn nicht gern nennen , weil ich dabei an meine Cousinen denken muß , aber es ist Niemand anders als der junge Prinz Hohenberg . Nun werden Sie nicht sagen , daß es Flausen waren ! Denn nach dem Prinzen Egon könnt ' ich mich bei meinen Cousinen leicht erkundigen und Armand wußte ja auch Alles , was ich mit diesen schon vorgehabt hatte ! Kaum hatte Fränzchen den Namen des Prinzen Egon ausgesprochen , als Melanie blutroth wurde und von Jeannetten , die ihre rasch aufgeschossene Neigung kannte , scharf fixirt , aufsprang . Das Kleid , an dem Fränzchen arbeitete , hatte halb auch auf ihrem Schooße gelegen . Sie streifte es rasch von sich , ungeduldig und überrascht den Namen : Prinz Egon ! wiederholend . Der Prinz ist gestern Abend spät von einer Reise zurückgekehrt ? sagte sie . Armand erwartete ihn mit Ungeduld schon seit einigen Tagen , antwortete Fränzchen . Er war in Hohenberg , auf dem Schlosse seines Vaters und hat auch mit Eurem Onkel , dem Förster Heunisch , gesprochen ? O Das wäre ein Glück für den Onkel , fiel Fränzchen lebhaft ein . So wird er in seinem Amte bleiben ! Da er nicht verheirathet ist , der gute Onkel , so hat er mir versprochen , mich zu seiner Erbin zu machen . Doch mag er noch lange leben ! Zu jeder Weihnacht schickt er mir einen Dukaten . Wußte Armand nicht , ob der Prinz in Hohenberg war ? wiederholte Melanie mit großer Dringlichkeit . Davon hat er nichts gesagt , erwiderte Fränzchen . Wo sollt ' er aber anders gewesen sein ? Ich denk ' es mir so . Er ist vor vierzehn Tagen hier von Paris angekommen , hat sich ganz still in einem Gasthofe eingemiethet ... Armand suchte einen Meister seines Gewerbes auf , bei dem er zwei Zimmer miethete , eins zum Wohnen , eins für seine Muster und Proben ... Aber warum wohnt er nicht bei dem Prinzen in seinem großen und prächtigen Palais ? fragte Melanie . Das hab ' ich im Scherz ihn auch gefragt . Aber ganz ernst gab er mir die Antwort : Der Prinz ist mein Gönner ! Vielleicht sind wir sogar Freunde ! Aber es ist besser , daß Jeder in seiner Sphäre bleibt . Die Fürsten wohnen in Palästen und die Tischler in Werkstätten ! Und doch blieb er die Nacht dort ? Vielleicht , weil der Prinz spät ankam . Er wird schon wieder in die Wallstraße No. 14 eine Treppe hoch zurückkommen . Melanie machte jetzt ihrem Besuche im Garderobezimmer ein Ende . Fränzchen , sagte sie zum Abschied , dein Franzos ist ein Phrasenmacher ! Die philosophischen Schwätzer wollen Alles , nur keine ordentliche , gerichtlich bescheinigte , priesterlich eingesegnete Heirath . Sei auf deiner Hut ! Wenn er wieder einen Rosenstrauß aus seinem Hute zieht und nicht wenigstens von Liebe spricht - falls du so großmüthig sein willst , ihm das Heirathen zu schenken - so sag ' ihm nur , solche verblümte Magister hätten wir in Deutschland genug und überhaupt bei einer Putzmacherin müsse man sich mit Winkelzügen in Acht nehmen . Die wüßten sehr bald , was echt und was Flitter ist ! Den Besatz da , Kindchen , setz mir etwas höher ! Wenigstens drei Finger breit ! Verstehst du ? Und nun Adieu und vertragt Euch besser ! Damit ließ Melanie die beiden Arbeiterinnen allein . Fränzchen wird Jeannetten wahrscheinlich den Vorwurf der Indiscretion machen und diese wahrscheinlich einen neuen Beweis ihrer Plauderhaftigkeit dadurch geben , daß sie ihr über den Prinzen Egon und seine hohenberger Abenteuer mancherlei zuflüstern wird , was sie besser thäte , im Interesse ihrer von Sehnsucht und Zärtlichkeit für Dankmar gefolterten Herrin zu verschweigen . Melanie , haltlos , schwankend , aufgelöst , ging in die vorderen Zimmer zurück . Auf allen Uhren des Hauses sah sie , daß es gegen Eins war . Noch immer kein Lebenszeichen von Dem , was in diesen Tagen sie so gewaltig erregt hatte ! Sie litt furchtbar . Sie hatte sich längst darauf gefaßt gemacht , daß irgend eine Verwechselung stattgefunden und dennoch kamen immer wieder neue Anzeichen zum Vorschein , daß jener junge Mann , der sich für den Bruder des Malers Wildungen ausgab , nur Prinz Egon war . Und wenn er es nicht war , so stand er in nächster Beziehung zum Prinzen