Herrn nicht gekannt , der Dir Dein Kind abkaufte . Wenn ' s nun ein Schuft war , ein Spion ? He ! « » Hol ' ihn der Teufel oder die Cholera ! « » An den Galgen kann er Dich bringen , ich kenne das ! « » Geld hilft von Galgen und Rad ; und - ich glaube nicht dran . « » Für Dolch und Pistolen , alter Molch , laß Dich ' s nicht gereuen , viel Geld auszugeben ! « » Du hast mehr Kenntniß davon , sorge Du also dafür . Hier ist Geld ! « Klütken-Hannes warf sechs Louisdor auf den Tisch , die Blutrüssel mit zufriedener Miene einsteckte . » Und ist das Geschäft abgethan , « sagte der Trödler , » und es gefällt uns nicht mehr in der Haide , so kehren wir wieder hierher zurück oder gehen in die weite Welt oder - « » Gründen eine famose Wirthschaft , « schloß Blutrüssel . » Mit einem Schilde , drauf in ellenlangen Buchstaben geschrieben steht - na was denn ? « » Zum goldenen Wallfisch ! « schrie der Gauner . » Pfui ! Verbrauchte Phrasen ! - Nein , ' was ganz Neues , ' was Unerhörtes muß drauf gemalt sein , das zugleich verlockt und entsetzt und den Gästen die Haare zu Berge treibt . « » Zum Höllenpfuhl ! « grinste Blutrüssel schwankend . » Zur Rache ! klingt besser , « lachte Klütken-Hannes . » Meinethalb auch . Aufs Gedeihen der neuen Sündenwirthschaft : Zur Rache ! « Die beiden verlorenen Söhne der Welt wiederholten , immerfort trinkend , wohl hundertmal diese Worte , bis sie in völlige Bewußtlosigkeit versanken . Als sie mit gläsernen stieren Blicken in dumpfen Schlaf fielen , rauschten wieder die Accorde des Glockenspieles über Stadt und Strom und verkündeten den noch wachen Bewohnern Hamburgs den Beginn des neuen Jahres . Sechstes Kapitel . Neujahrsgeschenke . Auf den Fittichen des Windes , der die melancholischen Melodien der Glocken Hamburgs nach allen Himmelsgegenden verwehte , enteilen wir abermals in die Haide . Noch ist es tiefe finstere , kalte Nacht , aber der vor Mitternacht klar gestirnte Himmel hat sich über diesen unermeßlichen Wäldern jetzt mit schweren grauen Wolken bedeckt . Auf den fernen dunkleren Schichten der Haide liegt es wie Nebel , der rasch sich verdichtet und gleich einem weißgrauen Mantel von ungeheurer Ausdehnung über die Gegend fortrollt . Ein Schneesturm zieht herauf von Norden und durchrast mit namenloser Wuth die Haiden . Im Spinnerdorfe am See hatten viele Bewohner das neue Jahr unter Seufzern und Thränen erwartet . Es erschien , die erste Stunde dieses Jahres verging , aber das Geschick der Armen blieb dasselbe trostlose , verzweiflungsvolle . Wir wollen unsere Leser nicht in die Hütten dieser Unglücklichen führen , nur eine Scene wollen wir schildern , die in jener Nacht sich dort zutrug . Bald nach Mitternacht waren die ersten Zeichen des nahenden Schneesturmes wahrgenommen worden . Dennoch sah man um diese Stunde mehrere Bewohner des Dorfes ihre baufälligen Hütten verlassen und dem See zueilen . Sie trugen alle etwas auf ihren Armen , das , in Lumpen gehüllt oder mit einem Mantelfetzen umwickelt , in den Wirbeln des rieselnden Schnees sich nicht erkennen ließ . Am Ufer des Sees , da , wo in der guten Jahreszeit die Fähre landete , sammelten sich die vereinzelt aus dem Dorfe hervorschreitenden Gestalten . Es waren fünf Männer und eine Frau . Vereint traten diese sechs schweigenden Menschen den Weg über den See an , der jetzt mit fußdickem Eise bedeckt war und eine gefahrlose Brücke bis zur Felseninsel bildete . Vor dem bald auf- bald abwärts treibenden sandfeinen Schnee konnte man die hohen Gebäude der Fabrik nicht erkennen , nur die zwei braunrothen Schornsteine schimmerten wie die hohen Masten eines Kriegsschiffes durch das niederfallende Gewölk . Zuweilen , wenn der Sturm über die Häupter der nächtlichen Wanderer dahin fuhr und fern am schwarzen Wall der Haide verbrauste , ließ die Glocke auf der Fabrik schrillende Töne hören , die wie das Wimmern Verunglückter in der Einsamkeit der Nacht erklangen . Nach mehrmaligem Rasten mitten auf dem öden Schneefelde des See ' s erreichten die sechs Meister endlich sehr erschöpft und trotz der schneidenden Kälte erhitzt das schützende Ufer der Felseninsel . Sie gingen schnurstracks nach dem modernen Wohnhause des Herrn am Stein . Vor der Thür desselben bildeten sie einen Kreis , traten den angehäuften Schnee etwas nieder und legten dann , ohne ein Wort zu wechseln , die Lasten , welche sie trugen , behutsam so auf die Schwelle nieder , daß sie zur Hälfte sich gegen die Thür anlehnen mußten . Wäre die Nacht nicht so finster , der Schneesturm nicht so überaus heftig gewesen , so würde ein heimlicher Zuschauer die starren Leichen von fünf Kindern erkannt haben ! - Sie hatten alle mit dem hinsterbenden Jahre ihre Augen für immer geschlossen ; sie waren - arme , schuldlose Opfer der Speculation eines herzlosen Tyrannen - vor Hunger gestorben ! Ihre bejammernswerthen Aeltern hatten den furchtbaren Entschluß gefaßt , ihrem gemeinsamen Peiniger mit den kleinen Leichen der Geopferten ein Neujahrsgeschenk zu machen . Die bleichen , kalten Lippen ihrer Kinder , aus denen noch jetzt die gelblichen Zähne wie um Brod bittend hervorsahen , sollten dem Manne des Goldes ein glückliches Neujahr wünschen . Als die Leichen mit den Gesichtern nach Osten gewandt an die Thür des reichen Fabrikherrn niedergelegt waren , sprachen die Männer ein Vaterunser , wie über dem Grabe eben Beerdigter . Nur die Frau , die einzige , welche von allen Müttern der übrigen Verhungerten den Muth gehabt hatte , ihr Kind , ein Mädchen von sieben Jahren , auf diesem Schmerzenswege zu begleiten , brach jetzt in lautes Schluchzen aus . Der Kälte und des tiefen Schnees nicht achtend , stürzte sie nieder auf ihre Knie , umschloß nochmals mit mütterlichem Arm den entschlafenen Liebling und drückte Kuß auf Kuß