zweiter Knall , ganz deutlich von einem Feuergewehre , den Lauschenden überzeugte , daß er sich nicht getäuscht . Muthig und seiner athletischen Stärke vertrauend zögerte er keinen Augenblick , nach der Gegend hinzustürzen , wo er jetzt einen Ueberfall fürchten mußte , dessen Abweisung allein von ihm selbst das unvermeidliche Verderben abwenden konnte . - Doch kehren wir lieber zu Lady Maria zurück , welche bei dem tiefen Gefühle ihres harten , unverschuldeten Geschicks jene Innerlichkeit zu finden wußte , welche das Vertrauen auf uns selbst als eine Stütze erkennen läßt , die uns erhalten wird , und den Würdigen uns zugesellet , von deren geistiger Gemeinschaft kein Druck der äußeren Welt uns zu trennen vermag . Unter dem zerrissenen , düstern Gewölke des weiten Nachthimmels , der mit der lauten Stimme des Sturmes , mit dem Brausen des aufgewühlten Meeres ein zürnendes Wechselgespräch zu führen schien , schritt die verlassene Jungfrau dahin . Ihre Gedanken waren Gebete , und ihr Haupt hing auf der Brust mit dem heiligen Ausdrucke innern Friedens . Hoch hob der Wind den Schleier , als wollten Himmel und Wellen das schöne Antlitz betrachten , welches , zur Lilie erblaßt , in dem Glanze der Unschuld zu leuchten schien . Ihre Begleiter folgten zwar , aber sie näherten sich ihr nicht , als ahneten sie den erhabenen Zustand von Einsamkeit , in den sie sich versenkt hatte , als trügen sie Scheu vor einem Wesen , welches sie nicht verstehn konnten , das aber den Zauber einer hohen und vollendeten Individualität um sich verbreitete . So mit jedem Schritte sich äußerlich mehr dem trostlosen Ziele nähernd , stieg innerlich reiner und reiner , geschieden von Furcht und Bangen , ihre Seele freier empor . Das Ringen mit der Außenwelt hörte auf , sie fühlte sich auf der Welt allein , aber im selben Augenblicke wendete ihr ganzes Innere sich ungetheilt auf die ausreichende Fülle göttlicher Gemeinschaft ; die Blüten ihres Geistes , die welk hernieder hingen , richteten sich auf ; und sie bedurfte nichts mehr , weder Glück , noch Tod . So innerlich gesichert , kehrte sie mit der stillen Theilnahme nach Außen zurück , die am ersten da eintrifft , wo wir uns selbst nicht mehr darin suchen . Sie hörte bald hinter sich zwei bekannte Stimmen , die zusammen klagten und in diesem Zusammenklagen wohl den süßesten Trost für ihre Klagen fanden . Auch täuschte sie sich nicht , es war Lanci ' s und Margariths Stimme . Wie , Lanci ? sagte sie , sanft zurückblickend , sollst Du mit uns entführt werden ? Hat man die Gruft des Meeres für sicherer gehalten , als die Haft des Schlosses ? Armer Schelm ! Dich hat Dein treuer Eifer für mich ins Verderben gestürzt , und ich kann nichts thun , als leiden , wie Du und Deine Margarith , und damit ist Euch wenig gedient . Brixton , mein theurer Lehrer , Du wirst in unserm Verschwinden eine traurige Antwort empfangen ! Ach , theure Lady ! rief Lanci , lieber sterbe ich mit Euch und Margarith , als getrennt von Euch zu leben und nichts zu Eurer Rettung thun zu können . Die uns verfolgen , haben mir einen größeren Dienst geleistet , als sie dachten und wollten . Gott behüte , fuhr Lady Maria fort , daß Master Brixton sich zu Schritten verführen lasse , die seiner Sicherheit nachtheilig würden . Auch dies , fügte sie hinzu , muß ich ergehen lassen , wie Gott es verhängt ; es wird Alles ein Ziel haben , auch sein Schmerz , seine Leiden um mich . Sie hatten jetzt den Punkt erreicht , wo sich der Weg nach dem Ankerplatze herum zog , und da sie zugleich sich den Fischerhütten näherten , die hier zerstreut hinter dürftigem Gestrüppe versteckt lagen , trat der von Pater Johannes bezeichnete Führer , welcher Lanci mitgebracht hatte , hervor und nöthigte die Lady , in eine der kleinen Hütten einzutreten , aus deren niedern Fenstern ein mattes Licht von dem nassen Torffeuer drang , das vom Heerde aus den winzigen Raum erhellte , wohin sie jetzt dem Führer folgten , Bleibt hier einen Augenblick , sprach er , bis ich sehe , ob Alles zur Abfahrt bereit ist . Ihr könnt ein wenig Wärme sammeln zur Reise , es wird Noth thun . Er zog sich zurück , die beiden Bootsknechte an die Thür zur Wache stellend . Gedankenvoll setzte Maria sich auf einen kleinen Schemmel am Heerde der Hütte nieder , deren abwesende Bewohner ihre geringe Habe ohne Aufsicht zurückgelassen hatten , da sie auf die langsamen Fortschritte des Feuers an den nassen Torfstücken sich verließen . Nicht lange saß sie so in sich gebückt , da hörte sie Hufschlag von Pferden , gleich darauf aber einen heftigen Wortwechsel vor der Thür der Hütte , welcher eben so schnell damit endete , daß der Eingang erzwungen ward und Lady Maria einen Mann gewahrte , der mit der größten Kraft die Bootsleute zurückstieß , die sich an ihn hängten , um seinen Eintritt zu hindern . Bewegt sprang sie auf , eine unbestimmte Ahnung erschütterte sie , und im selben Augenblicke stürzte sich Lanci aus dem Winkel der Hütte in die Gruppe der Ringenden und unterrannte den einen der Schiffer mit solcher Wuth , daß er strauchelte und von seinem Gegner abließ . Mit der größten Gewandtheit verfolgte dieser den nun wieder gleich gewordenen Kampf und schleuderte den andern Schiffer fort , während er sein Pistol zog , welches zu gebrauchen ihm bisher unmöglich gewesen war . Indem er es auf den Schiffer , der , von Lanci nur augenblicklich abgehalten , sich nun zum neuen Anfall anschickte , abdrückte , streckte er diesen , an der Schulter verwundet , zur Erde nieder . Rettet Euch , Mylady ! rief er im selben Augenblick , gegen Maria gewendet , die , nunmehr Lord Richmond erkennend , eine Schwäche und Betäubung fühlte , die