schönes Beispiel von Vaterlandsliebe unser Herr Prediger gegeben hat ! Ich machte ihm den sehr vernünftigen Plan , er solle uns als Feldprediger in diesen heiligen Kampf begleiten . So lange er die Sache für Scherz hielt , ging er darauf ein , und da er mit verstellter Ernsthaftigkeit darüber sprach , so glaubte ich seinen trügerischen Worten . Denken Sie sich mein zürnendes Erstaunen ; als es nun zum Aufbruch kam , und ich ihm dieses bekannt machte und ihn aufforderte , sich uns anzuschließen , da antwortete mir der Schalk , indem er die dünnen Lippen zu einem spöttischen Lächeln verzog : Sind Sie denn so thöricht gewesen im Ernst zu glauben , daß ich meine Gemeinde verlassen werde ? Ich war ganz erstarrt über diese Falschheit , nahm mich aber zusammen und sagte : Auch ich habe hier gleichsam eine Gemeinde , an die meine Pflicht mich bindet . Es kann sein , daß während meiner Abwesenheit Mancher meine Hülfe entbehren und darunter leiden wird , dieß ist ein möglicher Fall : aber mich ruft die Pflicht dahin , wo ich , wie ich gewiß kann , Hunderten , ja vielleicht Tausenden nützlich sein werde . Eben so ist es mit Ihnen . Ein bejahrter Amtsbruder , dem man nicht mehr zumuthen darf , die Beschwerden eines Feldzuges zu theilen , der mag Ihre hiesigen Pflichten mit versehen ; darum auf ! rüsten Sie sich , und folgen Sie wie ein Mann dem Ruf der Ehre ! Sind Sie denn ganz besessen von Ihrer Thorheit ? antwortete er mit beißiger Grobheit auf meine wohlgemeinte Rede . Könnte ich es vor meiner zahlreichen Familie verantworten , wenn ich sie wie ein Unsinniger verlassen wollte ? Da der Arzt im Laufe seiner Erzählung immer heftiger wurde , so suchte der junge Thorfeld ihn zu unterbrechen , der sichtlich bei der Anklage des Predigers litt , und sagte : Aber zu berücksichtigen ist es doch gewiß , wenn ein Vater für eine zahlreiche Familie zu sorgen hat . Weil Sie in die Tochter verliebt sind , antwortete der Arzt ohne schonende Rücksicht , so wollen Sie Ihre falsche Ansicht zur allgemeinen erheben . Der junge Mann schwieg erröthend , und der Arzt fuhr triumphirend fort : Was hat das Vaterland mit seiner großen Anzahl Kinder zu schaffen , und hätten sie nicht alle nützlich beschäftigt werden können ? Die erwachsenen Söhne hätten mit in ' s Feld rücken müssen und die jüngeren hätten mit den Töchtern Charpie bereiten können , wie ich diese heilsame Einrichtung mit meiner Braut und künftigen Schwiegermutter getroffen habe . Die Stimme des Arztes wurde sanfter , als er dieser Personen gedachte , und er fuhr zwar mit Selbstgefühl , aber mit einer Art von Wehmuth fort : und habe ich denn nicht größere Opfer gebracht , als ich ihm zumuthete ? Ich habe eine schöne Braut verlassen , die in Schmerz bei unserer Trennung vergehen wollte , aber doch mit Stolz auf mich blickte , daß ich im Stande war , das Vaterland selbst meiner Liebe vorzuziehen . Meine Verwandte und künftige Schwiegermutter weinte , daß sie im Schluchzen die Sprache verlor , und winkte mir noch tausend Grüße vom Balkon unseres Hauses herab , so lange wir uns sehen konnten . Alle meine Studien müssen unterbleiben , ausgenommen die praktischen , die ich täglich an Verwundeten mache , die mir unter die Hände kommen , und vergeblich ist meine Bibliothek in schönster Ordnung aufgestellt . Mein botanischer Garten wird in meiner Abwesenheit zu Grunde gehen . Den Jammer kann ich mir schon denken , denn die gute Frau , meine Base , versteht nichts davon , und der Schloßgärtner wird nachlässig werden , wenn er sich selbst überlassen bleibt . Und was wäre vergangen oder verloren , wenn der Prediger mit uns gezogen wäre , wie es seine Pflicht war ? Würde er nicht Alles wieder gefunden haben , wie er es verließ ? Und ist es nicht unendlich schwerer , sich von einer Braut als von einer Frau zu trennen ? Das kommt auf die Ansicht an , sagte der Graf besänftigend . Und wenn Sie auch darin Recht haben , daß es im Allgemeinen nur ein Vorwand der Selbstsucht ist , die keine Opfer bringen will , wenn die Pflichten für die Familie vorgeschoben und als ablehnende Antworten die Redensarten gebraucht werden : ich bin meiner Familie diese Rücksicht schuldig , oder , ich kann dieß vor meiner Familie nicht verantworten , so müssen Sie doch auch bedenken , daß nicht Jedermann mit solchem Heldenmuth geboren wird , daß es ihm , wie Ihnen , möglich ist , der Pflicht jedes Opfer zu bringen . Der Arzt wurde durch die Anerkennung seines Verdienstes besänftigt , und die wenigen Worte des Grafen , die ihm schmeichelhaft waren , machten ihn mehr zur Versöhnung mit dem Prediger geneigt , als alle Versuche Thorfelds , der den Geistlichen zu vertheidigen und so die Vereinigung der alten Freunde zu bewirken suchte ; und als der Graf im Laufe des Gesprächs noch die Bemerkung machte , daß eine Gemeinde , die von ihrem Prediger verlassen sei , Gefahr laufe , moralisch zu verwildern , so gab der Arzt zu , daß sein Freund andere Pflichten zu erfüllen habe als er , und die Versöhnung ward in seinem Gemüthe beschlossen . Unter andern kleinen Begebenheiten , die der Arzt bei der nun ruhiger fortgesetzten Unterhaltung erwähnte , theilte er auch die Nachricht mit , daß der alte Lorenz wenige Tage vor seiner Abreise völlig kindisch gestorben sei , und fragte , ob der Pfarrer nicht die schuldige Anzeige gemacht habe . Der Graf erwiederte , daß er seit der ersten Bewegung der Truppen gar keine Briefe erhalten habe , und man ging leicht über das Ende eines Menschen hinweg , der durch sein Leben weder Achtung noch Theilnahme verdient hatte . Adele fragte den Arzt , warum er sich so kriegerisch gerüstet habe , da doch sein Beruf