Same abging , schon keimend und mit Wurzeln an nach dem langen Wege und umgekehrt Blüten als trockner Same ; und jedes Blatt ist eine Doppelgeburt von zwei fernen Zeiten , der schreibenden und der lesenden . So wurde jetzt Albano unter diesem hellern Himmel , auf diesem Boden einer größern Vorzeit und mit dem Geiste voll neuer Triebfedern weniger von Rabettens Brief , durch welchen die nordischen Winternebel zogen , erreicht und verfinstert . Die redliche Rabette , die linde Albine kamen ihm nur sanft über die fremden Berge und Lüfte nach und legten an seine heiße Stirn die kühlende Hand ; sein alter Schoppe stand in alter Würde vor ihm , und Liane schwebte wieder durch das hohe Blau . Gegen den verwitterten Roquairol fühlt ' er nicht einmal Mitleid , sondern eine harte Geringschätzung ; und Lindas standhafter Sinn war recht nach seinem , wie der stolze Blick und Gang der Römerinnen . Jetzt dacht ' er über manches heiterer als sonst und wünschte sogar , einmal jener Heroine ins Zauber-Gesicht zu schauen . In Fondi fing der neapolitanische Weltgarten an , und sie fuhren auf dem Wege nach Mola in immer dichtere Blüten und Blumen . In fliegenden Blättern - vielleicht an seinen Vater , noch wahrscheinlicher an seinen Schoppe - sprach sich sein Glück und seine Seele aus ; sie bewahrten gleichsam einige entfallne Orangenblüten des schnell durchflognen Edens auf . Hier sind sie : » Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir am Himmelfahrtstag in Mola an , der eingeborne Dian war ebenso überwunden von der grünenden Herrlichkeit , die er lange nicht gesehen , wie ich , und ich glaub ' ihm noch nicht , daß es um Neapel schöner blühe und dufte . Ich ging gar nicht in die Stadt , denn die Sonne hing schon gegen das Meer . Um mich quillt der Blumenrauch aus Zitronenwäldern und Jesmin- und Narzissen-Auen - zu meiner Linken wirft der blaue Apennin seine Quellen von Berg zu Berg , und zu meiner Rechten dringt das gewaltige Meer an die gewaltige Erde an , und die Erde streckt den festen Arm aus und hält eine glänzende Stadt185 , mit Gärten behangen , weit ins Wogen-Gewimmel hinein - und ins unergründliche Meer sind hohe Inseln als unergründliche Berge186 hineingeworfen - tief in Süden und Osten greift ein schimmerndes Nebelland , die Küste von Sorrento , wie ein gekrümmter Jupiters-Arm um das Meer , und hinter dem fernen Neapel steht der Vesuvius mit einer Wolke im Himmel unter dem Mond . Fall auf deine Knie , Glückseliger , ( sagte Dian ) vor der kostbaren Weite ! O Gott , warum nicht ernstlich es tun ? Wer kann denn im Abendscheine das ungeheuere Wellen-Reich anschauen , wie dort das Regen sich in der Ferne stillt und nur glänzt und endlich blau und golden mit dem Himmel verschwebt , und wie hier die Erde das weiche schwebende Feuer mit ihren langen Ländern in einen rosigen festen Erdschatten einschließet , wer kann den Feuerregen des unendlichen Lebens , den webenden Zauberkreis aller Kräfte im Wasser , im Himmel , auf der Erde erblicken , ohne niederzuknien vor dem unendlichen Natur-Geiste und zu sagen : wie bist du mir so nahe , Unaussprechlicher ! - O hier ist er in der Nähe und Ferne , die Seligkeit und die Hoffnung schimmert von der Nebel-Küste her , und auch aus den nahen Quellen , die das Gebürge in das Meer heruntergießet , und in der weißen Blüte über meinem Haupt . O rufet denn nicht diese Sonne , von brennenden Wellen umflattert , und das Blau droben und drüben und die erglühenden Menschen-Länder , die Welten in der Welt , rufet nicht diese Ferne das Herz und alle seine stolzen Wünsche heraus ? Will es nicht schaffen und in die Ferne greifen und seine Lebensblüte vom höchsten Gipfel des Himmels reißen ? Wenn es aber sich umsieht auf seinen Boden , auch da wieder ist der Gürtel der Venus um den blühenden Umkreis geworfen , hell grünt der hohe Myrtenbaum neben seiner kleinen dunkeln Myrte , die Orange schimmert im hohen kalten Grase , und oben duftet ihre Blüte , der Weizen weht mit breiten Blättern zwischen dem Mandel- und Narzissen-Schmelze , und ferne ist die Zypresse und die Palme stolz ; alles ist Blume und Frucht , Frühling und Herbst . Soll ich hin , soll ich her , das fragt das Herz in seinem Glück . So ging mir die Sonne unter die Wellen hinab - die roten Küsten flohen unter ihre Nebel - die Welt erlosch von Land zu Land , von einer Insel zur andern - der letzte Goldstaub auf den Höhen wurde verweht - und die Gebetglocken der Klöster führten das Herz über die Sterne hinauf . - O wie war meines so froh und so sehnend , zugleich ein Wunsch und ein Feuer , und in meinem Innersten sprach ein Dankgebet fort , dafür , daß ich war und bin auf dieser Erde . Nie vergess ' ich das ! Wenn wir das Leben wegwerfen als zu klein gegen unsere Wünsche : gehören nicht diese zu jenem und kamen von ihm ? Wenn die bekränzte Erde solche Blüten-Ufer , solche Sonnen-Gebürge um uns zieht , will sie damit Unglückliche einschließen ? Warum ist unser Herz enger als unser Auge , warum erdrückt uns eine kaum meilenlange Wolke , die doch selber unter unermeßlichen Sternen steht ? Ist nicht jeder Morgen ein Frühlingsanfang und jede Hoffnung ? Was sind die dichtesten Lebensschranken anders als ein Rebengeländer , zum Reifen der Weinglut aufgebauet ? - Und da das Leben sich immer in Viertel zerhackt , warum sollen es lauter letzte sein , nicht ebensoofterste , auf welche ein vollstrahlender Mond nachfolgt ? - O Gott , sagt ' ich , als ich durch die grünende Welt zurückging , die am nächsten Morgen eine glühende wird , nie lasse mich deine Ewigkeit irgendeiner Zeit leihen , ausgenommen der seligsten ; die