Herbstestag ist heute . Hoch in der Luft , über die Berge hin , zieht der Wind und mitunter ist es , als kläng ' er bis ins Tal hernieder . Aber wir hören nur den Streit hoch oben , die Luft unten steht unbewegt . Die Vögel singen nicht mehr oder sind schon fort , nur noch das Sonnenlicht hüpft in den Zweigen . Die Tannenäpfel fallen nieder auf den Kiesweg des Parks , aber nicht losgelöst von der Schüttelhand des Windes , nur losgelöst von Alter und eigner Schwere . Die Quellen rauschen , die Sommerfäden ziehen , Bilder kommen und gehen . Dem Ohre klingt es wie leise Musik . Von wannen kommt sie ? Ist es die Luft , die klingt , oder ist es das eigene Herz ? 5. Der Rosengarten . Der Baasee 5. Der Rosengarten . Der Baasee Und wo der Rosengarten war , Da soll der Liliengarten werden . Uhland Das Brunnental ist still und windgeschützt , aber in seinem Rücken liegt eine stillere Stelle – der Friedhof . Es ist ein kleiner , von einer niedrigen Steinmauer eingefaßter , mitten im Wald gelegener Begräbnisort , so recht ein Platz , wo – jeder eitle Kummer , Dir wie ein Traum zerfließt , Und dich der letzte Schlummer Im Bienenton begrüßt , – ein Platz , der uns mit dem Gedanken des Scheidens versöhnt und uns im Tiefsten empfinden läßt : Die Ruh ' ist wohl das beste Von all dem Glück der Welt . Die Tür , einladend , steht immer offen , die Waldblumen blühen draußen und drinnen , und die Buchen legen von außen her ihre grüne Hand auf die Gräber , als wollten sie den Schlummer derer , die drunten ruhn , noch ruhiger machen . Es ist dies die Begräbnisstätte nicht für Freienwalde selbst , sondern für die , die als Gäste kamen , um Genesung zu suchen und sie schließlich an dieser Stelle zu finden . Dieser Friedhof heißt der Rosengarten . Er heißt so , nicht aus Laune oder Einfall , vielmehr führte der ganze Fleck Landes diesen Namen , lange bevor der erste Gast in diesen Garten einzog . Es hat das folgenden Zusammenhang . Die weiten Waldreviere , die Freienwalde nach Westen hin umgeben und alle Talschluchten mit Laubholz füllen , waren in alten Zeiten schon mit weiß und rot und gelb blühenden Wildrosen dicht überwuchert , und wer um die Johanniszeit durch diese Schluchten hinschritt , dem war es , als flögen bunte Schmetterlinge vor ihm her . Die Stelle aber , wo die Rosensträucher am dichtesten standen und einen kleinen Wald im Walde bildeten , diese Stelle lag im Rücken des Brunnentals und hieß der » Rosengarten « . Die Sträucher verschwanden allmählich , das erste Grab erhob sich , andere folgten , die Steinmauer wurde gezogen , – aber der Name blieb , und von den Gestorbenen heißt es sinnig und ungezwungen : » Sie schlafen im Rosengarten . « Weiter in den Wald hinein , etwa eine halbe Meile im Rücken des Rosengartens , liegt der Baasee , der Liebling und der Stolz der Freienwalder . Sie überschätzen ihn offenbar , vielleicht weil er das landschaftlich einzig in Betracht kommende Wasserstück ihrer schönen aber etwas monotonen Landschaft ist , vielleicht auch weil er Versteckens spielt und nach Art vielumworbener Schönen sich dem Werber entzieht . Auch wir suchten ihn , ohne ihn finden zu können , und ermattet warfen wir uns nieder ins Moos und schlossen die Augen . Als wir wieder aufblickten , wurden wir waldeinwärts , aber dicht hinter uns , zweier Mädchengestalten gewahr , die tief in Farnkraut standen und nur mit Kopf und Brust über das grüne Blattwerk hinwegragten . Ein Bild wie aus den fleurs animées ! Wir schwankten noch , ob wir sie nach dem Wege fragen sollten , als sie von selbst schon , barfuß und hochgeschürzt , aus dem grünen Gestrüpp heraustraten und uns zuriefen : » Der See liegt da hinauf ! « Dabei machten sie eine Handbewegung nach rechts und zeigten auf die Schlucht , durch die wir , auf unsern Irrfahrten , eben herabgestiegen waren . Beide Mädchen waren noch jung , die jüngere , hübschere , noch ein halbes Kind , und nachdem wir Begrüßungsworte mit ihnen gewechselt und uns an dem bescheiden-kecken Ton beider gefreut hatten , wurden wir einig , daß sie uns bis zum Baasee hin als Führer begleiten sollten . Es ist immer schwer , mit jungen Dirnen in ein ein fach Gespräch zu kommen und den klaren , sprudelnden Ton zu treffen , in dem ihrer Seele wohl wird , wie der Forelle im Quellwasser ; aber es ist doppelt schwer mitten im Wald , über dem die Mittagsschwüle brütet und in dem nichts vernehmbar ist als der Specht im Tann und dann und wann das Rufen des Pfingstvogels . Zu der Scheu der Geister kommt eine Scheu der Natur . Wir versuchten ein Geplauder , aber es scheiterte . Die Einsamkeit , die sonst so nahe führt , hier zog sie eine Schranke . Und so gaben wir ' s auf , und beide Mädchen , fortan unbelästigt durch unsere Fragen , schritten vor uns her , die Schlucht hinauf . Zu beiden Seiten stand der Wald und schloß sich über dem Hohlweg , der tief und vom Regen ausgewaschen war . Die Wandungen rechts und links zeigten allerlei Wurzelgeflecht , das phantastisch aus der roten Erde hervorsah . Keines der beiden Mädchen blickte sich um , keine sprach mit der andern , aber beide hatten einen elastischen Gang und wie bei guten Schlägern nicht die Bewegung des Armes , sondern die Biegung des Gelenks entscheidet , so bewegten sich auf dem Bilde vor uns nur Hüfte und Nacken , während der Unterkörper , trotz rüstigen Schreitens , in statuarischer Ruhe zu verharren schien . Die ältere wollte gefallen , die jüngere dalberte nur , und während jene mit einem gewissen