Palaste heim . ( Weh ' mir ! Was kühlte jemals meine sieche Brunst ? ) Und sieh , der alte Zechcumpau erkannte mich , Erinnerte sich gern der drallen Buhlerin , Die jeden nervigen Bootsknecht schwelgen ließ im Schooß , Und grüßte mich : Lycisca . - War ' s ein Schicksalshohn ? Ich ließ den Mann im Wahn , der ihn ermuthigte Mich derb zu drücken in verliebter Possenreißerei , So daß die Langeweile eben noch bewältigt ward Und ich mich tröstete in meinem Ungemach . Der Arme , hätt ' er mich erkannt , so starb er ja ! Gleich jenen Höflingen , die einst im Lupanar Mich trafen und erkannten , und sich weigerten , Um keine » Gottesschändung « zu begehn , wofür als Lohn Ich ihre Töchter schänden und verführen ließ ! II. O Höhe meiner Allmacht ! O mein tiefer Sturz ! Die Diebin Agrippina stiehlt mein Diadem . Ich sehe sie vor mir im Geist , die Schmeichlerin , Im heimlichen Gemach bei meinem Schattenmann . Wie sie den abgebrauchten Lüstling kitzeln wird Durch schlaues Zeigen und Verhüllen , Bieten und Verwehren auch Wie sie mit schlauem Honigwort ihn reizen wird Der Güte Taubensanftmuth bald im feuchten Blick , Bald edlen Zornes Löwenmuth im Feueraug ' ! Bald süßlich lächelnd , abgefeimte Buhlerin , Zweideutige Späße lispelnd und gemeinen Scherz ! Bald ernst und stolz , der Frauenwürde hehres Bild , Mit majestät ' schem Faltenwurf der Tunika , Die leider sich in jedem Augenblick verschiebt , Wenn sie in plastisch schöner Stellung Arm und Bein Heroisch von sich streckt ! Wie wird in hohem Ton Vor ihm sie deklamiren aus dem Aeschylus , Zur Lyra singen den Catull , feinsinnig gar Ihm den Horaz erläutern und zuguterletzt Tiefschmerzlich feufzen über den Euripides , Weil er die Frauen so abscheulich schwarz gemalt , Denn unsre schönen Seelen , ach ! verstand er nicht . Dann giebt es Ziererei , wenn er sie trösten will Und ihr versichert , heilig sei für ihn das Weibliche . Dann wechselt schroffe Kälte , strenge Züchtigkeit Mit heißem Ausbruch gut gespielter Leidenschaft - Lukretia , Cornelia , Antigone Verwandeln plötzlich sich in die Semiramis , Vampyrisch lüstern und bacchantisch liebeheiß . Wohl , Agrippina , gleichst Du der Assyrerin : Im Herzen Völkermord , im Auge Sinnenbrand , Staatsweisheit auf der Lippe , die von Küssen brennt , Vom Thron sich wälzend in der Unzucht Lotterbett . Ha , dessen rühm ' ich mich : Ich war zu stolz dafür , Von Pallas mir zu borgen ihren Tugendschild , Deß glatter kalter Stahl die Blöden blenden soll . Ich war der Sünde offenste Verkörperung , Mein Fleisch und Blut verläugnete durchaus den Geist , Nie heuchelte ich höher ' n Sinn . Ich bin die Lust , Denn weiblich ist die Sünde und ich bin ein Weib . III. Des Fatums Netz hält mich umstrickt , das unentrinnbare : Entweder trifft mich des Kroniden Racheblitz Oder die Himmelsfürstin Juno drückt Das Scepter voller Macht aufs neu mir in die Hand . Versucht hab ich , was möglich , und ich hoffe noch . Bittschriften und Fürbitter bot ich sämmtlich auf , Um unablässig zu bestürmen meines Gatten Sinn . Der Dickbauch hat kein Herz von Stein , ist schnell erweicht Und glaubt am Ende , daß ich schuldlos angeklagt , Denn dumm genug dafür ist der Vortreffliche . Ich selber warf mich ja ihm weinend in den Weg Bei Ostia , vor seiner Sänfte knieend bat Gehör ich für die Mutter des Brittannicus . ( Als dessen Vater sich der Geiferer berühmt , Mir selbst ist der Erzeuger nicht so ausgemacht ! ) Da überschrie mich zwar sein feiger Kämmerling , Erstickend meiner Klagen süß beredtes Fleh ' n. Auch hielt er eine Rolle von Papyrus vor Dem Weltbeherrscher , wo verzeichnet meine Schuld : Natürlich konnte dem der Tropf nicht widerstehn , Ihm hat ja stets besondern Reiz Geschriebenes . Doch jetzt zum Gnadenbitten habe ich bestimmt Die älteste Vestalin . Diese Fürsprach ' muß Erretten mich . Haha , ein schönes Bild auch dies Und möglich nur in dieser Weltkloake Schlund , Daß die Vestalin für die - Messalina fleht ! Natürlich fielen zwar die Meisten von mir ab : Der Mensch vergiebt der Macht der Frevel Uebermaß , Dem Fallenden verzeiht er Nichts . Das tröstet mich , Daß ich den Lumpen rechten Grund zum Hasse gab : Dreihundertfünfzehn Ritter , Dreißig vom Senat , Und von Quiriten eine ungezählte Menge noch , Ließ ich vernichten : Theils weil abhold meiner Macht Und meine Frevel tadelnd , theils aus Eifersucht Und Rachsucht den , der meinen Schlingen sich entzog . So räumte den Vicin ich aus dem Wege mir , Den Gatten von der Nichte meines Hahnreimanns . Die Nichte war gefällig , näherte dem Cäsar sich , Und mir gefiel Vicin . Der Geck hat mich verschmäht , Und sprach von Treu ' und Tugend - Beide starben drum . Silan auch starb , der blöde Held . ( Stiefvater mir , Denn meine Mutter gab ihm Claudius zur Frau . ) Ich war nach seiner Liebe lüstern und umarmte ihn Einst etwas zu verwandschaftlich . Das merkte er Und deutete mir drob sein Mißbehagen an , Blies auf die Freundschaftsflöte , sprach von Unnatur ! Pah , Unnatur ! Natur ist alles , was Natur erlaubt , Was ich begehe , ohne grad zu sterben dran . Naturinstinkt ist jeder Trieb im Menschenblut : Was ich besitzen will , ist mir auch drum gewährt , Gestattet ist , was mir gefällt . Pasiphaë Verliebte sich in einen Stier . Und fühle ich Verlangen , mich zu paaren einem Krokodil - Wer schreit da Unnatur , da mir ' s Natur gebeut ? Ja , Sinnlichkeit war meines Lebens Lust und Qual : Verzehrend And ' re , hab ' ich so mich selbst verzehrt . Um den zu fangen , der