alter Holländer die erwünschte Auskunft gab . Unter den Negern dieser Gegend herrscht noch die bis zum vierzehnten Jahrhundert auch in Europa übliche Sitte der Gottesurteile , und zwar durch Anwendung des Hexentrankes . Er wird aus bestimmten , wahrscheinlich in jedem Lande anders gebräuchlichen Bestandteilen zusammengebraut und dem Verdächtigen eingeflößt . Erkrankt oder stirbt der Mann , so ist seine Schuld bewiesen , konnte dagegen , vielleicht vorbereitet , sein Magen dem Angriff widerstehen , so wird er in feierlichem Zuge durch die Stadt geführt und mit allen Ehren freigesprochen . Er ist unschuldig , - Gott selbst hat gerichtet . Nachdem der Kongo vermessen worden war , ging die Gazelle nach Kapstadt . Auf dem Wege bot sich den jetzt schon verwöhnten Seeleuten ein wunderbares Schauspiel . Sie sahen eines Nachts um das Schiff herum das sogenannte Meeresleuchten , das von winzig kleinen , spindelförmigen Tierchen erzeugt wird , die sich zu Millionen an einer Stelle versammeln und das Wasser gleichsam zum Glühen bringen . Der Zug schwamm vorüber , und von Bord wurde mit dem Schleppnetz eine Menge dieser kleinen Tierchen heraufgeholt , ohne jedoch den eigentlichen Wunsch des Zoologen zu erfüllen ; denn außerhalb ihres Elementes leuchten sie nicht mehr . Am 26. September lief die Korvette in die Tafelbai ein , benannt nach dem 1100 Meter hohen Tafelberg , zu dem noch im Westen der Löwenkopf und im Osten der Teufelspik hinzukommen . Kapstadt selbst machte auf Robert keinen andern Eindruck als andere Hafenstädte auch , es herrschte das gleiche Getriebe wie überall , und das Durcheinander von Weißen und Farbigen war ihm ja nichts Neues mehr . Aber schon nach wenigen Tagen begann die Fahrt nach der Kergueleninsel im südlichen Eismeer , die für die Gazelle weniger angenehm und ruhig , wenn auch sonst glücklich verlief . Stürme , hoher Seegang , Nebel und Regenwetter wechselten miteinander ab , doch am 26. Oktober erreichte das Schiff wohlbehalten die Insel und lief in die Bucht von Betsy-Corn ein , dem geschütztesten Ankerplatz , um dort die Astronomen zu landen und sie , so gut es ging , unterzubringen . Auf Kerguelen wollte der Kapitän etwa vierzehn Tage bleiben , Robert fand daher Gelegenheit , die Insel nach allen Seiten zu durchstreifen , obgleich er nirgends einen besonders schönen Punkt entdecken konnte . James Cook , der bekannte Weltumsegler , nannte Kerguelen einfach das Desolationsland , das Verzweiflungsland , und wirklich schien es den Leuten von der Gazelle , als habe er damit das richtige getroffen . Kein Tier außer den Wasservögeln , kein Baum , keine Blume , nur ein riesiges Gewächs , eine Art Kreuzblume , der Kerguelenkohl , der als Gemüse zubereitet wirklich gut schmeckte und dessen Saft Doktor Naumann ein erprobtes Mittel gegen den Skorbut nannte . Vom Land aus sah Robert wieder Walfische speien , ebenso entdeckte er auch Robben und alle Arten von Seevögeln , jedoch keinerlei jagdbares Wild . Am 12. November begann die Gazelle ihre Forschungsreise nach der Westküste der Insel , und von dort wurde unter persönlicher Führung des Kapitäns eine Expedition in das Innere unternommen . Alles nur Stein und Fels , sonst nichts . Wohl nie vorher hatte ein . Mensch dieses Land betreten , und nur ein Wissenschaftler könnte daran jemals etwas Interessantes finden . Freiwillig würde sich dort nie jemand niederlassen . Im Osten der Insel wurde ein schmaler Fluß von Basaltblöcken von dreißig Meter Höhe förmlich eingekeilt ; es schien unmöglich , auf den einzelnen losgerissenen Felsstücken , über die er seinen Weg nahm , in das Innere dieser nach oben hin ganz verdeckten und verengten Höhle einzudringen , dennoch aber versuchte es Robert , der hier überhaupt bei jedem Schritt an die Eiswüste des Nordpols erinnert wurde , immer wieder . Er war der einzige , der es nicht aufgab , den gefährlichen Weg auf überhängenden Klippen , einzelnen Vorsprüngen und vom Wasser überspülten Steinen doch zu erzwingen . Sollte er denn zum zweitenmal den Lauf eines Gebirgsflusses in rätselhafter Weise aus den Augen verlieren , sollte er wieder , wie damals in Norwegen , das Land verlassen , ohne sein Geheimnis erforscht zu haben ? Er schüttelte den Kopf , als ihn die andern aufforderten , doch davon abzulassen . Es bestand ja keine Gefahr , er wollte es versuchen , - also vorwärts , und noch dazu am liebsten ganz allein . Robert watete oder sprang , dann kroch er auf allen vieren , balancierte an schaurigen Abgründen vorbei oder schwang sich über eine breite Kluft . Aber was war das ? - Er hatte es im stillen erwartet und doch packte es ihn überraschend . Das Wasser versiegte unter seinen Füßen , immer weniger sickerte über die Felsen , bis es plötzlich ganz aufhörte , gerade wie damals am Nordkap . Wo war der Fluß geblieben ? Er sah zurück . Aus einer schmalen Spalte drang Wasser hervor , von rechts und links liefen kleine Adern bis zur Mitte , aber hier oben war alles trocken . Roberts Herz pochte laut . » In Norwegen lag der See tief unten , und oben rauschte der Wasserfall « , dachte er , » hier verhält es sich umgekehrt . Ich muß hinauf . « Er sah an dem schneebedeckten Gipfel empor . Bis nach oben war es noch weit , sicherlich ein stundenlanger , beschwerlicher Weg , aber was schadete das ? Dort oben mußte der See sein ! Ein See , hunderte von Metern über dem Meeresspiegel , - und er sollte Kerguelen verlassen , ohne ihn gesehen zu haben ? Nein ! Proviant hatte er noch genügend in seinen Taschen , der Tag war noch lang und das Wetter frostklar , also vorwärts ! Seine ganze alte Entdeckerlust war mit einemmal wieder erwacht . Der Weg bergauf war steil und mühsam , aber doch nicht so beschwerlich wie das Waten durch das Flußbett . Robert wählte für den Aufstieg die Außenseite des Felsens , wo ganze Strecken