mit anhören sollte , was ihm zu hören so entsetzlich gewesen sein würde ; aber ich konnte nicht fort ; ich stand wie gebannt , den Kopf an die Wand gelehnt , wie versteinert , ohne mich zu regen , ohne kaum zu athmen ; stand so , während Preciosa ' s Improvisation , und rührte mich kaum , als später der Vorhang fiel und der Beifallssturm , welcher sie empfangen , und wiederholt ihr Spiel unterbrochen hatte , stärker als je zu toben begann . In meiner Loge entstand eine Bewegung . Eine junge Dame , die jedenfalls nicht täglich am Schmiedefeuer , möglicherweise nicht einmal am Küchenfeuer stand , und für deren Nerven der allerdings etwas hohe Temperaturgrad in der Loge nicht berechnet sein mochte , war ohnmächtig geworden , oder im Begriff ohnmächtig zu werden , und wurde von zwei älteren Damen hinaus begleitet , während mehrere junge Herren , die wohl zur Gesellschaft gehörten , pflichtschuldig assistirten . Dadurch waren ein halbes Dutzend Plätze leer geworden , welche alsbald von den Zurückbleibenden eingenommen wurden . Und so geschah es , daß , als der Vorhang wieder in die Höhe ging , ich außer der linken Seitencoulisse auch noch ein Stück des Zigeunerlagers unter den spanischen Korkeichen und eine oder die andere der ehrenwerthen Zigeunerfamilien zu sehen bekam , die sich um den großen Kessel gelagert hatten , dessen Feuer sie mit flackernden Lichtern überstrahlte . Der Hauptmann und Viarda sind übereingekommen , nach Valencia zu ziehen . Man wartet nur auf Preciosa , die einsam im Walde umherstreift . Die Zigeuner entfernen sich nach allen Seiten ; einen Augenblick bleibt die Bühne leer , und dann - dann sah ich sie , wie ich sie damals sah ! Wie ich sie damals sah , an jenem Herbstmorgen , unter den Buchen von Zehrendorf , durch deren leise wehende Zweige goldener Sonnenschein auf sie fiel : ein schlankes , tief brünettes Mädchen , in seltsam phantastischer Tracht von grünem Sammet mit goldenen Litzen , die geliebte Guitarre an der Seite . Ja , wie ich sie damals sah , als wäre die Flucht der Jahre spurlos dahingezogen über ihr schönes Haupt , und hätte keine einzige der rothen Rosen von ihren Wangen zu stehlen und von dem feurigen Glanz ihrer dunklen Augen keinen Strahl auszulöschen vermocht ! Und wie damals erbebte mir das Herz in der Brust , und der Athem stockte mir , als sie jetzt von dem Felsen unter den hochragenden Bäumen herabzusteigen begann , - wie damals zu der Moosbank am Weiher , an der ich stand ; - und auf einer Moosbank am Fuße der Felsen ließ sie sich jetzt nieder und ihre Stimme erhebend - ihre tiefe , weiche Stimme , von der mein Herz noch keinen Ton verlernt hatte ! - sang sie : Einsam bin ich , nicht alleine , Denn es schwebt ja süß und mild , Um mich her im Mondenscheine , Dein geliebtes , theures Bild . So , gerade so , hatte ich es von ihr gehört , in lauen Mondscheinnächten , zu mir herauftönend , aus dem dämmernden Park ; und die Erinnerung jener seligen Tage überkam mich mit aller Macht . Die Kehle war mir wie zugeschnürt , dumpf pochte mein Herz in der Brust ; heiße Thränen quollen mir aus den Augen und verschleierten mir die reizende Gestalt und Alles um mich her . Erst der donnernde Beifall , mit welchem das Publikum die schöne Sängerin am Schluß ihrer Romanze überschüttete , brachte mich wieder zu mir selber . Ich sah , daß sie sich verneigte und sich bereitete , dem Wunsch des Publikums zu folgen , ich sah den Musikdirector den Taktstock erheben ; ich hörte die ersten Klänge der süßen Weise : Einsam bin ich nicht alleine - Mit einem male entsteht ein Lärm im Theater . Aller Augen richten sich auf die unterste Prosceniumsloge linker Hand , mir gerade gegenüber , in welche in diesem Augenblick mit großem Geräusch vielleicht ein halbes Dutzend junger Herren in eleganter Tracht und mit erhitzten Gesichtern , als kämen sie von einem Diner , eingetreten sind , und sich auf den ersten beiden Reihen der Fauteuils niedergelassen haben . In der Ecke links sitzt ein junger Mann , welcher der Vornehmste in der Gesellschaft zu sein scheint , da sich die andern Alle um ihn bemühen . Seine rechte mit gelbem Glacé-Handschuh bekleidete Hand hängt lässig über die Logenbrüstung . Das Gesicht ist in die Loge hinein zu einem seiner Begleiter hinter ihm gerichtet ; das drohende Zischen des Publikums stört ihn nicht in seiner halblauten Conversation , und er läßt sich erst herab , den Kopf umzuwenden , als die Sängerin auf der Bühne plötzlich schweigt . In diesem Augenblick erkenne ich den Fürsten Prora , und ich sehe deutlich , daß , als sein Blick den der Sängerin trifft , er sich verfärbt . Sie ihrerseits hat ihn bereits erkannt , und das Blut ist ihr aus den Wangen gewichen und die Stimme hat ihr versagt . Sie hat sich schnell von ihrem Sitz erhoben und macht eine Bewegung , als wollte sie davon eilen , bleibt dann aber , wie in einer halben Ohnmacht , stehen und preßt die Hand auf das Herz . Das Publikum glaubt , sein Liebling - denn das ist das schöne Mädchen in den wenigen Augenblicken bereits geworden - fühle sich durch die rohe Störung , die von den feinen Herren ausgeht , zu beleidigt , um weiter singen zu können . Man zischt , man ruft : Stille ! man donnert : Hinaus , hinaus die Aristokraten , hinaus die gelben Glacés ! Der junge Fürst blickt mit einer Miene in den Lärm , als ginge ihn die Sache nicht im Entferntesten an ; aber seine Begleiter glauben mehr thun zu müssen ; sie lachen laut , verneigen sich ironisch und verhöhnen offen das Publikum , welches Miene macht , seine Drohungen auszuführen . Schon