Schrecken auf ihre Kinder , und um sich her . Was ist das ? Redet , redet ! Was bedeutet das ? rief sie , während sie sich zur Tochter wendete . Frage nicht , o , frage nicht ! rief diese . Indessen die Lebhaftigkeit der Mutter überhörte es , und sich gebieterisch zu ihrem Sohne wendend , sprach sie : Kennst Du dieses Mädchen ? Rede , rede , Gerhard ! Was ist Dir dieses Mädchen ? Aber kein Ton von des Grafen Lippen gab ihr Antwort . Wie von einem Banne befangen , hingen seine Augen an Seba ' s starrem , bleichem Antlitze , an ihrem zuckenden Munde . Er hätte fliehen mögen , aber er konnte die Stelle nicht verlassen ; er hätte sprechen mögen , aber Seba ' s brennendes Auge schloß ihm den Mund und noch immer wartete die Gräfin auf eine Antwort . Da richtete Seba sich empor wie Einer , der mit Aufbietung aller seiner Kraft gewaltsam seine Fesseln sprengt , und schön wie eine Judith in ihrem wilden Zorn , flammend in ihrem Rachegefühl , rief sie : Was ich ihm war ? - Sie lachte , daß es den Andern Mark und Bein durchschauerte - was ich ihm war ? - Ein Zeitvertreib für eine müßige Stunde , ein billiger Triumph noch im Moment des Scheidens , weiter nichts , weiter nichts ! - Gewettet hatte er beim Wein in seiner Cameraden lustiger Gesellschaft , daß er mich besitzen würde , und - hier vor seiner Mutter , hier vor seiner Schwester , vor Dir , Angelika , will ich es bekennen - meine Liebe hat ihm das Gewinnen leicht gemacht , denn .... sie hielt inne , der Athem versagte ihr , die verhaltenen Thränen drohten sie zu ersticken , und plötzlich in ein Weinen ausbrechend , das aus den Tiefen ihres gequälten Herzens kam , fügte sie hinzu - denn ich habe den Elenden geliebt mit aller Inbrunst eines reinen Herzens , mehr als mich selbst , mehr als Vater und Mutter , mehr als Alles auf der Welt ! Sie hatte ihre Kraft erschöpft , sie mußte sich niedersetzen , und den Kopf auf ihre Arme legend , die sie auf dem Tische ausgebreitet , weinte sie mit verborgenem Gesichte . Auch die Gräfin hatte sich setzen müssen ; nur Gerhard stand wie ein Gerichteter zwischen den drei Frauen da . Plötzlich erhob sich die Baronin , ging mit raschem Schritte zu ihrem Bruder , und seine Hand ergreifend , während sie ihn zu Seba hinzuziehen suchte , rief sie : O , vergüte ! Vergüte , mein Bruder ! Sühne , was Du an ihrem edeln Herzen gesündigt hast ! Laß sie die Deinige werden , sie , die ich wie eine Schwester liebe ! Aber der Graf wehrte seiner Schwester , und fast tonlos , so daß nur das Schweigen der Frauen seine Worte hörbar machte , sprach er : Und wenn ich es wollte - es kann nicht sein ! Da hob Seba den Kopf in die Höhe , und ihn mit kaltem Auge messend , sagte sie , während , den Andern zum Erstaunen , ihren Zügen und ihrer Stimme die Ruhe wiederkehrte : Und wenn Du es wolltest und wenn Du es dürftest - Du vermöchtest es nicht ! Denn wie könntest Du mir die vertrauensvolle Liebe wiedergeben , die ich einst für Dich gehegt habe ? Wie könnten Dein Rang und Dein Name mich damit versöhnen , Dein Weib , das Weib - eines Ehrlosen zu werden , den ich verachte , wie ich ihn einst geliebt ! Seba ! flehte Angelika , flehte die Gräfin . Halte ein ! rief der Graf , indem er zusammenbrechend sich zu den Füßen seiner Mutter warf , die sich unwillkürlich von ihm wendete . Seba regte sich nicht . Mit eisigem Blicke sah sie auf den Grafen hin , die Stille war entsetzlich , sie konnten einander athmen hören . Mit einem Male stand sie auf , sah um sich her und schien etwas zu suchen . Die Baronin erhob sich ebenfalls ; sie errieth , was jene vorhatte , und nahm ihre Hand , um sie zurückzuhalten . Ich will fort , sagte Seba matt ; meines Bleibens ist hier nicht . - Sie ging nach ihrem Hut und Shawl . Du darfst , Du kannst nicht gehen ! versicherte Angelika , die sich selber kaum aufrecht zu erhalten wußte . Sorge nicht , ich habe ertragen gelernt ! gab Seba ihr zur Antwort . Sie setzte achtlos den Hut auf , nahm den Shawl um ihre Schultern und wollte sich entfernen . Da warf Angelika sich vor ihr nieder , und die Hände flehend zu ihr erhoben , bat sie : Denke meiner nicht mit Haß ! Deiner ? Deiner ? Wie könnte ich ? versetzte Seba , indem sie Jene in ihre Arme schloß , und noch standen sie , ihre heißen Thränen mit einander mischend , Brust an Brust gelehnt , als die Gräfin zu ihnen herantrat . Seien Sie barmherzig , bat sie , vergeben Sie , und Gott wird auch Ihnen seine Vergebung angedeihen lassen ! Seba schüttelte schweigend das Haupt . Ich habe mich vor mir selbst gedemüthigt bis zur Zerknirschung , und mich in mir selbst erhoben , sagte sie ; ich habe durch Liebe zu sühnen gesucht , was ich aus blinder Leidenschaft gesündigt ; ich bedarf keiner anderen Vergebung ! Ich habe mir selbst verziehen ! - Mag er , wenn er es kann , das Gleiche thun ! Und ohne den Grafen weiter eines Blickes zu würdigen , verließ sie das Zimmer und das Haus . Sechszehntes Capitel Es war eine traurige Reise , welche die beiden Frauen zurückzulegen hatten . Graf Gerhard , der , von der Hochzeit eines Cameraden kommend , zufällig mit seiner Mutter in dem Gasthofe zusammengetroffen war , hatte die Stadt noch in der nämlichen Stunde