und sagen Sie ihr : daß es sich mit Bruno bessert ; sie hat sich schon ein paar Mal nach ihm erkundigt . Oswald trat in den Saal . Man fing eben wieder einen Tanz an , den letzten vor der großen Pause , in welcher in den Sälen oben gespeist werden sollte . Er blieb in der Nähe der Thür auf dem Tritt des niedrigen Divans , der sich um den ganzen Saal herumzog , stehen . Die Paare der Tanzenden wechselten ; bald kamen diese , bald jene in seine Nähe . Einmal stand Emilie von Breesen , die mit ihrem Bräutigam tanzte , dicht vor ihm . Sie that , als ob sie ihn nicht bemerkte ; sie lachte und scherzte , vielleicht etwas zu laut - von Cloten dagegen machte von dem Vorrecht der Leute in seiner Situation , die gleichgültigsten Dinge im Flüsterton mit obligatem bedeutungsvollen Lächeln in die Ohren zu raunen , den ausgedehntesten Gebrauch . Oswald hatte von der plötzlichen Verlobung dieser Beiden gehört ; er wußte wohl am besten , wie dieselbe zu Stande gekommen war . Er erinnerte sich , wie wegwerfend Emilie an dem Abend in Barnewitz sich über Cloten geäußert hatte . Jetzt war sie seine Braut . - Es wird eine unglückliche Ehe werden , dachte Oswald , und er mußte sich sagen , daß er nicht den kleinsten Theil der Schuld an diesem Unglück trage . Ein paar Augenblicke später kam Helene in seine Nähe . Sie tanzte mit von Sylow . Oswald hatte sie schon längere Zeit beobachtet und bemerkt , daß sie schweigend und kalt , wie eine Marmorstatue neben ihrem Tänzer stand , der die Hoffnungslosigkeit seiner Bemühungen , eine Conversation zu Stande zu bringen , eingesehen zu haben und den Kronleuchtern eine specielle Aufmerksamkeit zu widmen schien . Sobald sie Oswald erblickte , flog ein Strahl des Lebens über die schönen ernsten Züge . Sie winkte ihm mit den Augen zu sich heran . Wie geht es Bruno ? Danke ! besser ; er wollte schlafen . Bleiben Sie hier ? Nein ! ich werde sofort wieder hinaufgehen . Grüßen Sie Bruno - und hier ! nehmen Sie ihm diese Rosenknospe mit . Helene nahm eine Rosenknospe aus dem Bouquet , welches sie in der Hand trug , und gab sie Oswald , der sie mit einer Verbeugung entgegennahm . Er bemerkte , daß von Sylow ' s Aufmerksamkeit sich plötzlich von den Kronleuchtern abgewandt hatte , und daß die Augen des jungen Edelmannes mit einem Ausdruck , der ihm durchaus nicht gefiel , auf ihm hafteten . Im nächsten Moment stand ein anderes Paar auf der Stelle . Hast Du Deinen alten Anbeter nicht gesehen , Emilie ? sagte Cloten . Wen ? Dort drüben , den Doctor Stein . Er stand vorhin dicht hinter uns . Ach da ! - meinen alten Anbeter ! Du bist wohl toll , Arthur ! Nun , nun ! sei nur nicht bös ! ich glaube ja kein Wort von der ganzen Geschichte . Aber um Himmelswillen , sieh doch nur ! Er spricht jetzt mit Helene Grenwitz ; sie giebt ihm eine Rose . Nein , da hört doch aber Alles auf ! wahrhaftig , Alles ! Ich sagte Dir ja , daß die Beiden vollkommen einig seien . Er sticht Euch Alle aus . Wahrhaftig - es ist stark ! aber ich habe dafür gesorgt , daß die Geschichte unter die Leute kommt . Was hast Du gethan ? Nun , ich habe weiter erzählt , was Du mir vorhin unter dem Siegel der Verschwiegenheit mittheiltest . Der ganze Saal weiß es schon . Aber das hatte ich Dir nicht erlaubt . Ich glaubte in Deinem Sinne zu handeln . Herr Stein wird es bereuen , wenn er sich nicht schleunigst mit seiner Rosenknospe entfernt . Was hast Du vor ? O , wir wollen nur dem Burschen seinen Standpunkt klar machen . Es wird eine gottvolle Geschichte , wahrhaftig ! Ich erzähle sie Dir nachher . Der glückliche Bräutigam führte seine Braut , da der Tanz zu Ende war , nach ihrem Platz zurück und wandte sich zu von Sylow , der auf ihn zukam . Hast Du gesehen , Cloten ? Na ob ! Es ist ein wahrer Scandal . Ich bedaure nur den armen Felix . Das müssen wir ihm doch erzählen . Weißt Du nicht , wo er ist ? Er sagte vorhin , das Tanzen langweile ihn ; er wollte zu den Spielern gehen . Barnewitz hat , glaube ich , eine Bank aufgelegt . Wir können auch hin ; es wird nicht mehr getanzt vor Tische . Es ist gerade noch Zeit , ein paar Louis zu gewinnen . Kommst Du mit ? Natürlich . Emilie von Breesen hatte die Unterredung der Beiden aus der Ferne beobachtet . Sie sah , wie sie lachend , Arm in Arm , den Saal verließen . Auch Oswald sah sie nicht mehr . Eine entsetzliche Angst ergriff sie . Sie hatte in ihrer eifersüchtigen Wuth zuerst Oswald ' s Namen mit dem Helenen ' s in Verbindung gebracht ; sie hatte , sich an Oswald zu rächen , schon vor einigen Tagen Felix die Entdeckung , die sie gemacht zu haben glaubte , mitgetheilt . Sie hatte heute Abend wieder davon angefangen , um den geistlosen Neckereien Clotens ein Ende zu machen . Jetzt erst merkte sie , daß sie zu weit gegangen sei und daß sie vielleicht Oswald , den sie trotz alledem noch mit der ganzen Kraft ihres leidenschaftlichen Herzens liebte , einer großen Gefahr ausgesetzt habe . Sie hätte ihn vielleicht in der Raserei ihrer Eifersucht mit ihren eigenen Händen tödten können - aber ihn den brutalen Mißhandlungen Clotens und der Anderen aussetzen - der Gedanke war ihr fürchterlich . Sie blickte wie hülfesuchend im Saale umher . Ihr Bruder kam in ihre Nähe . Sie rief ihn . Was willst Du , Kleine ? Hast Du