den Geistlichen im Auge behielt . Die Kirche der Deutschen , Santa Maria dellé anime , mit ihrem Priesterhause , das nach altchristlicher Sitte eine Herberge für fremde deutsche Geistliche bietet - liegt unmittelbar neben der Kirche Maria della pace . Hyazinth pflegte häufig die letztere zu besuchen und Lelio hatte schon öfter den jungen Abbate bemerkt , der mit der Andacht eines heiligen Aloysius betete ; hatte ihn auch sogleich erkannt , als Florentin am Grabmal der Cäcilia Metella sagte , das sei Orests Bruder . Nun fand er diesen Bruder eben hier vor dem allerheiligsten Sakrament , wahrscheinlich in Gebeten für Orest begriffen und schmerzlich bewegt durch diese Begegnung . Sollte er vielleicht das Werkzeug Gottes zu Judiths Bekehrung , zu Orests Rettung sein ? Lelio war so ergriffen durch Judiths Entschluß , von einem katholischen Geistlichen sich unterrichten und taufen zu lassen , daß er fortan alles hoffte von der Barmherzigkeit Gottes , und als Hyazinth aufstand , um die Kirche zu verlassen , ihm folgte und demütig sagte : » Signor Abbate , ich möchte die Ehre haben mit Ihnen zu sprechen , weil Sie ein Bruder des Grafen Orest sind , der vor einer halben Stunde hier war . Ich spiele die Orgel hier an der Kirche und wohne ganz in der Nähe bei meinen Eltern . « » Können Sie nicht zu mir kommen ? « fragte Hyazinth befremdet . » Sehr gern ! « entgegnete Lelio unbefangen ; » nur muß ich Sie allein und , wo möglich , ganz unbemerkt sprechen , denn es betrifft die Bekehrung der Dame , welche Graf Orest so eben begleitete . « » Ich folge Ihnen , Signor ! « sagte Hyazinth äußerst überrascht durch diese unerwartete Nachricht ; und bald befanden sich beide in Lelio ' s stillem Zimmer , wo dieser Hyazinth in Kenntnis von seinem Verhältnis zu Judith und von allem setzte , was er über sie und Orest als Augenzeuge wußte . » Heute nun , « so schloß er seinen Bericht , » hat sie mir erklärt , daß sie sich mit dem Geist des Christentums bekannt machen wolle . Das ist ihre Art sich auszudrücken . In unserer Sprache heißt es : sie will sich in der Lehre der Kirche gründlich unterrichten lassen - und das heißt so viel , als sich bekehren . « » Doch nicht ganz , Signor , « entgegnete Hyazinth ; » Stolz und Ehrgeiz sind von je her ein paar gefährliche Feinde der christlichen Lehre von der Demut gewesen und das scheinen ja Grundzüge ihres Charakters zu sein . Sie verlangt mehr eine belehrende und anregende Unterhaltung für ihren Verstand , als daß sie sich nach der Offenbarung einer Wahrheit sehnte , von der sie im innersten Wesen zugleich erleuchtet und ergriffen genug würde , um sich mit all ' ihren hochfliegenden Plänen ihr zu opfern . « » Man kann das nicht ersehen , was man nicht kennt , Signor Abbate , und sie steht ja außerhalb der Gnaden des Christentums , kennt also nur ein natürliches Licht , natürliche Gaben , natürliche Empfindungen . Wer kann sagen , welche Wünsche nach himmlischen Dingen in ihr erwachen werden , wenn sich die himmlische Licht- und Gnadenwelt vor ihr auftut . Ich meine , Signor Abbate , Sie sollten zu ihr gehen , und ihr sagen , Sie wären der Geistliche , den sie begehrt habe und Sie wären mit mir befreundet . Ich weiß wohl , daß ich dieser Ehre nicht wert bin , aber ich weiß auch , daß Sie um des bitteren Leidens willen , welches der göttliche Erlöser für mich geduldet hat , mir befreundet sind . « » Wird sie nicht mißtrauisch werden , wenn sie meinen Namen erfährt . « » Den darf sie vor der Hand nicht wissen ! Sie brauchen ja nur , wenn sie fragen sollte , Ihren Taufnamen zu nennen . « » Und wenn ich meinen Bruder dort träfe ! « » In den Morgenstunden treffen Sie ihn nie . Dann ist sie immer allein , mit musikalischen Studien und mit Lektüre beschäftigt . « » Was in aller Welt kann aber meines Bruders Absicht sein , da es unmöglich ist , seine Ehe für ungiltig zu erklären ! « » Judith selbst scheint es nicht zu wissen . Sie macht sich nur ihrerseits bereit , damit sie keine Verzögerung in die Angelegenheit bringt , sobald diese eine günstige Wendung nimmt . « » Entsetzlich ! « rief Hyazinth , » mit einer solchen Kaltblütigkeit ein heiliges Verhältnis zu zerreißen . « » Sie wähnt das Glück des Grafen Orestes zu begründen . « » Ja , sie ! aber er ! aber er ! Ach , ich fürchte fast , er wird noch schwerer zu bekehren sein , als sie . Ihr ist die Gnadenwelt verschlossen gewesen ; aber er gehörte derselben an und verläßt sie ! und verachtet sie ! sein Zustand ist viel gefährlicher . « » Allerdings ! « entgegnete Lelio ; » allein uns stehen augenblicklich keine Wege zu Gebot , auf denen wir an seine Seele heran kommen könnten , während sie bei Judith geebnet sind . Ist das nicht eine höhere Fügung , daß sie katholischen Unterricht begehrt ? « » Ich muß mich besinnen , was ich zu tun habe , « sagte Hyazinth . » Ich muß beten , um den Willen Gottes zu erkennen . Ich muß mich mit so vollkommener Hingebung als Werkzeug ihm anbieten , daß meine Armseligkeit seine großen , liebevollen Absichten nicht vereitelt . Neun Tage muß ich Zeit haben , Signor , schließen Sie sich meiner Novene an . « » Mit Freuden ! « rief Lelio . » Neun Tage hindurch werde ich die seligste Jungfrau Maria mit dem Gebet der Verbannten im Tal der Tränen , mit dem Salve Regina anrufen , damit auf ihre Fürbitte Judith ' s Verbannung aufhöre . Glauben Sie mir ,