zu folgen ; man fragte der Stunde ihrer Abfabrt nach ; es schien ein Festzug . Eine Karosse mit rothem Himmel - ein Vorrecht der Familien höchsten Ranges - hinter der anderen rollte auf dem großen Wege nach dem Schlosse . Der Prinz von Courtenaye bat beim Könige zur Zeit der Audienz-Stunde für die Marschallin von Crecy um Gehör . Der Prinz , der , gerade im Dienste , sich diesem Auftrage unterzog , hatte einigen Blicken Ludwigs zu begegnen , die ihn unruhig machten . Der König fragte nach dem Inhalte des Audienz-Zimmers - wie man dies zu nennen pflegte . Herr von Courtenay nannte die ersten Namen des Landes . » O , « sagte der König , mit einem stolzen Lächeln - » der ganze Zirkel ! - Sie sehen , « fuhr er fort , sich zu einem Geistlichen wendend , der im Hintergrunde stand , » man hat uns einen Platz in der letzten Scene des Trauerspieles zugedacht . « - Dieser Geistliche war Fenelon , der Erzbischof von Cambray . - » Mein Herr , « sagte der König darauf zum Prinzen - » die Versammlung ist uns genehm ; wir werden sie später empfangen . « Herr von Courtenaye wußte jetzt gewiß , daß der König in Zorn war . Als er , ganz bleich vor Schrecken , in das Audienz-Zimmer trat , erschien am anderen Ende die Marschallin mit eben so verändertem Gesichte . Sie hatte Madame de Maintenon ihre Aufwartung machen wollen , welche sie von fern in einem Damenkreise auf der großen Terrasse lustwandeln sah ; der meldende Lakay brachte aber die Antwort zurück : die Frau Marquise wären beschäftigt und könnten die Frau Marschallin nicht empfangen . Die Marschallin traute ihren Sinnen nicht ; die anwesenden Damen , die sie wie ein Hofstaat begleiteten , wurden außerordentlich verlegen ; und als sie das Audienz-Zimmer erreichte , war von dem früheren Gefolge Niemand an ihrer Seite . Welche qualvolle Stunde folgte jetzt ! Den Fremden schien der Abend heran zu nahen , die Einheimischen starben vor Neugierde und Ungeduld ; immer mehr wuchs der Kreis , die Feinde der Marschallin rückten an . Sie wußte genau , daß sie herbei gerufen waren ; selbst Souvré war so überrascht , daß ihm das Nachdenken darüber seinen gewöhnlichen Witz kostete . - Da öffneten sich die Thüren ; die dienstthuenden Cavaliere schritten voran , dann kamen die Prinzen des Hauses ; Alle stellten sich an der Thür auf . Man sah in dem Saale zunächst den König daher kommen , langsamen Schrittes , mit der imponirenden Würde , die von einer ihm , im hohen Mannesalter , noch treu bleibenden Schönheit gehoben ward . Die daraus hervorgehende , vollständige Anmuth der Bewegungen machte ihn zu dem Vorbilde , welches er für ganz Europa war . Etwas hinter ihm , an seiner linken Seite ging Fenelon , der Erzbischof von Cambray ; Ludwig sprach zu ihm mit dem Wohlwollen und der feinen Hochachtung , die Alle , die es erfuhren , berauschte . Die Marschallin fühlte , daß ihre Knie bei Fenelon ' s Anblicke schnell zusammen schlugen ; heftig richtete sie sich nur noch gerader in die Höhe ; Souvré schien ihr Platz machen zu wollen - er zog sich noch weiter zurück . Athemlos harrten die Anwesenden , bis der König die Schwelle überschritten ; in demselben Augenblicke setzte er einen kleinen Hut auf , den er unter dem Arme trug , nahm ihn nach einigen Sekunden ab , grüßte die Versammlung und setzte ihn dann wieder auf . » Die Gemeldeten haben den Vorrang ! « rief der Prinz von Courtenaye . Das war der entscheidende Moment ! Aus der Masse lösten sich die Bezeichneten und naheten , in einen Kreis sich stellend . Rechts , dem Könige zunächst , hatte die Marschallin mit dem kühnsten Muth ihren Platz eingenommen . Ludwig grüßte noch ein Mal , indem er den Hut einen Augenblick abnahm , dann redete er den Grafen Villeroi an und schien Heiterkeit und Wohlwollen zu athmen , wenn auch nie die imponirende Wichtigkeit des Königs dabei zu vergessen war . Wer hätte ihn aber nicht lieben müssen , als er sich der alten achtzigjährigen Herzogin von Gêvres nahete , die , an einen goldenen , mit Juwelen verzierten Krückenstock gelehnt , herbei gekommen war , dem Könige für eine ihrem Enkel erwiesene Gnade zu danken . Mit dem Hut in der hocherhobenen Hand stand der König vor der alten munteren Frau , die ihr dankbares Herz mit der größten Lebhaftigkeit vor ihm ausströmen ließ . Er schalt sie dagegen mit einer hinreißenden Güte , daß sie gekommen war , und rief mit lauter Stimme : » Ein Tabouret ! ein Tabouret ! « und als es herbeiflog , rief er noch ein Mal : » Mein Bruder - ein Tabouret ! « Monsieur verstand dies augenblicklich und legte herbeieilend die Fingerspitzen daran , während der König der alten , in Wonne strahlenden Matrone den Arm gab und sie niedersitzen ließ ; dann begrüßte er den harrenden Kreis weiter . Aber trotz dieser weichmüthigen Scene ließ sich Niemand über die Stimmung des Königs täuschen . Er hatte einen kleinen , rothen Fleck unter dem rechten Auge , und Jeder wußte , daß er über etwas in Zorn gewesen . Schon bezeichnete man den Gegenstand desselben ; denn der König war an der Marschallin von Crecy vorübergegangen , ohne sie zu begrüßen . Die Audienz , welcher der übrige Hof bloß als Zuschauer beiwohnte , war bis auf die Marschallin und Souvré , die der König nicht angeredet hatte , vorüber . Der König richtete sich stolz empor und rief : » Meine Prinzen , ich glaube , Sie haben Ihre Bekannten in diesem Kreise . « Das war ein Zeichen , daß der König fertig war . Der Prinz von Courtenaye durfte in diesem Augenblick , im Falle der König Jemanden übersehen hatte , die Personen bezeichnen .