und beobachtete unterdeß die Züge Maria ' s , die , zu stolz um ihr Gefühl zu verrathen , weder Wort noch Blick an ihren Peiniger richtete , sondern mit Ruhe , und so weit körperliche Schwäche es gestattete , selbst ihre Kleidung befestigte und ihm nicht den Triumph gönnte , worauf er noch immer zu hoffen schien , daß sie nämlich verzweifelnd ihn anflehen würde . Doppelt erzürnt über diese Täuschung , ließ er nach den nöthigen Vorkehrungen keine Zeit weiter vergehn , sondern schritt nun voran , die Frauen in Begleitung der beiden Diener ihm nach , durch den unbewohnten Theil des Schlosses , endlich eine schmale Wendeltreppe in der Mauer niedersteigend und dann eine Thür aufstoßend , die unmittelbar ins Freie führte . Pater Johannes blieb hier einen Augenblick stehn und schien irgend etwas zu erwarten . Maria behielt Zeit , um wahrzunehmen , wie sie auf einem schmalen gepflasterten Wege standen , der sich hinabsenkte bis zu den Dünen , welche mit ihrem weißen Kalksande wie ein leuchtendes Band das schwarze Meer umsäumten , welches hochkochend , zischend und im raschen Takte seine Wellen gegen die Küsten peitschte . Nach einem Weilchen vernahm sie ein leises Pfeifen , Pater Johannes erwiederte es , und Maria sah , daß unterhalb des Steinweges , auf dem sie standen , zwei Männer sich näherten , denen Pater Johannes entgegen ging . Nach einer kurzen Unterredung mit dem einen derselben , rief er den Begleitern der Frauen zu , sie hinab zu führen . Maria schritt abwärts , ohne Hilfe anzunehmen , während Margarith , von Schmerz überwältigt , kaum mit der Hilfe beider Männer sich auf den Füßen zu erhalten vermochte . Es sind Umstände eingetreten , die mich verhindern , Euch zu begleiten , rief Pater Johannes , hier habt Ihr dagegen Euern Führer , der mich ersetzen wird , und dem Ihr unbedingt gehorchen müßt . Er wird Euch auf der Reise mit allem Nöthigen versorgen und nach Eurer Landung an den Ort bringen , wo es fürs Erste räthlich befunden worden ist , Euch zu bewahren . Nur strenger Gehorsam kann Eure Lage erleichtern , der geringste Widerstand würde sie verschlimmern und dennoch nutzlos sein ! Wenn etwas der Verzweiflung in Maria ' s Busen ein Gegengewicht lieh , so war es der Unwille , sich so beleidigend behandelt zu sehen . Stolz wendete sie sich von dem grollenden Pater , der jedes seiner Worte mit Gift hätte tränken mögen , um seinen Unmuth an ihr auszulassen . Eure Erinnerungen sind überflüssig , rief sie kalt , Alles , was ich in diesem Schlosse und von Euch erfuhr , war widerrechtlich und verbrecherisch . Gegen Mißhandlungen der Art hat der Machtlose nur die Waffe der Verachtung . Ich muß mich in Euern bösen Willen fügen , aber vor Gott und Menschen protestire ich feierlich gegen die eben beabsichtigte Entführung aus meinem Vaterlande . Die Folgen , welche zu lenken , in einer höhern Macht steht , als in der Eurigen , kommen über Euch ; denn so es Gott gefällt , wird die Stunde nicht ausbleiben , die Euch zur Rechenschaft zieht , und vielleicht ist sie Euch näher , als Ihr denkt . Mit dem hohen Anstande eines gesicherten Selbstgefühls , und als wäre sie die Freie und Befehlende , schritt sie jetzt vor , so daß die Männer zurückwichen und Pater Johannes , den ihre Worte wie die Stimme einer Prophetin seltsam erschütterten , einen Augenblick wie gelähmt dastand . Dann fuhr er wild ihr nach und schien sie ergreifen zu wollen , aber es lag in der hohen , ruhig voran gehenden Gestalt die furchtlose Würde der Unschuld , die selbst den Pater zurückhielt , als wäre er durch eine fremde Atmosphäre von ihr getrennt . Sie schaute nicht mit einem Blicke zurück und verfolgte den Weg nach den Dünen , wo , wie sie wußte , das Schiff lag , ohne Zögerung oder Schwäche zu verrathen . Pater Johannes winkte den Andern , zu folgen , er selbst starrte dem Zuge sprachlos nach , und ein kalter Schauer lief über ihn hin , als sähe er einem Leichenzuge nach , dessen Gespenst ihn berührt habe . Er versuchte zu rufen , doch die Laute erstarben ihm in der Beängstigung der keuchenden Brust . Ein heimliches Gericht ward über ihn gehalten , der Augenblick , der wie ein Blitzstrahl die Seele des Sünders erreicht und im Nu Alles ausbrennt , womit er sein Gewissen verhüllt hatte , er war eben jetzt gekommen und erhellte das schnöde Gewebe , welches er bis dahin blos Klugheit genannt . Die wenigen Worte , womit die gemißhandelte Unschuld sich vor ihm geltend gemacht hatte , sie waren der zündende Blitz geworden . Es rief ihm zu , daß er sie in ihr Verderben , in ihren Tod sende , der , nähme sie das wilde Meer nicht auf , ihr sicherer noch an dem Orte zu Theil werden würde , wo er sie hinsendete , seiner eigenen Rache genügend und sie jedem andern Bekehrungsversuche entziehend , der , ihm mißlungen , keinem Andern wenigstens Ruhm geben sollte . Aber die Gewohnheit , zu sündigen , läßt Gewissensqualen alt werden , ehe sie Handlungen umgestalten : oft bleibt es dabei , daß sie neben einander sich wechselweis bekämpfen , und wer Sieger ward , bleibt uns dann unenthüllt . Er versuchte , seines Gewissens zu spotten , er wollte zurückkehren nach dem Schlosse und sein Auge verfolgte doch noch den letzten schwarzen Schatten der Geopferten , bis er in dem Umwenden nach dem Ankerplatze verschwand . Er athmete auf und wendete sich so eben , um den Steinweg zu ersteigen , der nach dem Schlosse führte . Lange blieb er hier wie angefesselt stehen , als es ihm schien , er höre einen Schuß aus der Gegend , die er eben mit seinen Blicken verlassen . Das Geräusch des Meeres machte jedoch Alles unsicher , bis endlich ein