er hinzugekommen , habe sich ein hitziges Gefecht siegreich für seinen jungen Freund geendigt , der das Leben eines französischen Generals dabei gerettet , den eben Wertheim in der Wuth des Kampfes habe niederhauen wollen . Der General , der in Folge starken Blutverlustes beinah ohnmächtig gewesen sei , habe sich ihm hierauf ergeben , und , schloß der Graf Robert seinen Bericht , nachdem die kunstfertige Hand unsers heldenmüthigen Arztes seine Wunden verbunden hatte , schafften wir einen Wagen und brachten unseren Gefangenen hieher unter Ihr gastliches Dach , weil wir um so mehr eine freundliche Aufnahme für ihn hofften , da wir Ihnen in seiner Person einen alten Freund zu führen . Wer ist es ? fragte der Graf , von Neuem in Verwunderung gesetzt . Wer wird es sein , rief der Arzt , sich mit der Antwort vordrängend , als der unbescheidene Mann , der mit seiner lustigen Begleiterin damals das ganze Schloß Hohenthal in Besitz nahm , der mir geradezu in ' s Gesicht lachte wegen meiner französischen Aussprache . Ei ! er dachte damals nicht , daß ihm mein Anblick noch einmal so tröstlich sein würde . Wie , Clairmont ! rief der Graf . Derselbe , erwiederte sein Vetter . Da ihn der Arzt erkannte und wir die Absicht hatten , Sie , bester Oheim , auf diese Nacht zu besuchen , so brachten wir ihn hieher , wo er hoffen darf , allen Beistand zu finden , den er bedarf . Der Graf wollte seinen Freund sogleich besuchen ; da man ihm aber mittheilte , daß der General diesen Abend allein zu bleiben wünsche , um sich zu erholen , so fügte er sich in den Willen seines Freundes und überließ es Dübois , für dessen Bequemlichkeit zu sorgen . Doch befolgte er den Wink des Arztes und schickte nach einem geschickten Wundarzte , denn der Doktor Lindbrecht erklärte , daß er morgen mit den Truppen weiter rücken würde und also für den General nichts weiter thun könne , als am nächsten Morgen den Verband erneuern , denn seine Pflicht rufe ihn hinweg . Die durch vielfache Ueberraschungen erregte unruhige Bewegung der Gemüther hatte sich gelegt . Die Freunde freuten sich ruhiger des kurzen Beisammenseins , und auch die Frauen nahmen Theil an den Gesprächen . Man erfuhr nun , daß der Graf Robert auf dem Marsche begriffen sei , um mit einer Abtheilung preußischer Truppen sich zu vereinigen , daß er hoch erfreut gewesen , als er erfahren , daß die ihm anbefohlne Richtung nah bei des Grafen Wohnsitz vorbeiführe , daß er seine Einrichtungen so getroffen , daß er einige Stunden früher hätte eintreffen können , wenn das Gefecht nicht einen Aufenthalt verursacht hätte . Die Gesellschaft saß endlich ruhig um den Kamin und Thorfeld hatte sich des schönen Kindes bemächtigt , dessen Aehnlichkeit mit Evremont , den er aufrichtig liebte , ihn innig bewegte ; doch hielt ihn seine Bescheidenheit zurück , nach dem Freunde zu fragen , der ihm auf Schloß Hohenthal so viel Wohlwollen bewiesen hatte . Aus seinen Armen nahm der Graf Robert den kleinen Adalbert , und indem er ihn herzlich küßte , pries er laut seine auffallende Schönheit , worüber die Mutter aus innerer Freude sanft erröthete . Der Kleine hatte nicht die gewöhnliche Blödigkeit der Kinder ; er wuchs unter Erwachsenen auf und war es gewohnt , fremde Gesichter zu sehen . Als aber auch der Arzt ihn an sich riß und ihn mit halb geschlossenen Augen anblinzte , dann einen heftigen Kuß auf seine Wange drückte , wobei der scharfe Bart ihn unsanft berührte , da verzog sich der liebliche Mund des Knaben zum Weinen und er streckte die kleinen Arme Hülfe suchend nach der Mutter aus . Der Graf konnte seine wehmüthigen Gefühle nicht beherrschen ; er dachte mit Schmerzen an Evremont , als er dessen Sohn von allen Freunden geliebkoset sah . Er war aufgestanden und trat auf die Terrasse hinaus , um sich unbemerkt seinem Kummer zu überlassen . Sein Vetter folgte ihm und fragte in leisem , ängstlichem Tone : Haben Sie Nachrichten von Adolph , bester Onkel ? Seit der Schlacht von Borodino keine , antwortete der Graf , indem er die Hand des Verwandten heftig drückte . Ich fürchte , setzte er mit beinah versagender Stimme hinzu , ich fürchte , wir werden nie mehr Rachrichten von ihm hören . Um Gottes Willen , hegen Sie nicht solche Gedanken , rief sein Vetter im wahrsten Mitgefühl ; der Himmel erhält ihn Ihnen gewiß . Es wäre zu hart , wenn Sie , theurer Onkel , der Sie so viel Glück und Segen um sich verbreiten , so schmerzlich verwundet werden sollten . Laß uns davon schweigen , sagte der Graf sich ermannend , ich zeige seiner Mutter und Gattin nie meinen Schmerz ; ich spreche zu ihnen immer nur von Hoffnungen , die ich oft selbst nicht mehr den Muth habe zu hegen . Aber Du kannst es der Mutter ansehen , ihr Leben hängt an diesem zarten Faden ; die Gewißheit , daß der Sohn dahin ist , führt auch ihren Tod herbei . Es ist wahr , sagte der Graf Robert , ich finde die Tante sehr verändert . Wir haben vielen Kummer in dieser Zeit erduldet , antwortete der Graf seufzend , indem er mit dem Vetter in den Saal zurück trat , wo er den Arzt mit auffallend lauter Stimme sprechen hörte . Die Gräfin hatte sich während der Abwesenheit beider Grafen nach der Familie des Predigers erkundigt , und zur Verwunderung der Frauen hatte diese Frage den Arzt in so heftigen Zorn versetzt , daß die kleinen Augen funkelten und die gebräunten Wangen sich dunkel rötheten . Ich werde nie mehr ohne Zorn an meinen ehemaligen Freund denken , hatte er eben heftig geantwortet , und als er den Grafen wieder eintreten sah , wendete er sich sogleich an diesen und rief : Denken Sie , Herr Graf , welch ein