je Wert auf ein gutes Einvernehmen zwischen euch , denn wir werden mit Waldemar nach Wilicza gehen . « » Nach Wilicza ? « rief Leo außer sich . » Und ich soll dort sein Gast sein , soll mich ihm vielleicht unterordnen ? Nun und nimmermehr thue ich das . Ich will Waldemar nichts verdanken . Und wenn es meine ganze Zukunft kosten sollte , von ihm will ich nichts annehmen . « Die Fürstin bewahrte ihre überlegene Ruhe , aber ihre Stirn verfinsterte sich doch , als sie antwortete : » Wenn du einer bloßen Laune wegen deine ganze Zukunft aufs Spiel setzen willst , so bin ich noch da , sie zu vertreten . Uebrigens handelt es sich hier nicht um dich und mich allein , es sind noch andre höhere Rücksichten , die mir den Aufenthalt in Wilicza wünschenswert machen , und ich bin nicht gesonnen , meine Pläne durch deine kindische Eifersucht stören zu lassen . Du weißt , daß ich dir nie etwas Erniedrigendes zumuten werde , aber du weißt auch , daß ich gewohnt bin , meinem Willen Geltung zu verschaffen . Ich sage dir , wir gehen nach Wilicza , und du wirst deinen älteren Bruder mit der Rücksicht behandeln , die ich selbst ihm erweise . Ich fordere Gehorsam , Leo . « Der junge Fürst kannte diesen Ton hinreichend . Er wußte , daß wenn die Mutter ihn anschlug , sie ihren Willen um jeden Preis durchsetzen wollte , aber diesmal trieb ihn ein mächtiger Sporn zum Widerstände . Wenn er auch keine Erwiderung in Worten wagte , so zeigte sein Antlitz doch , daß er sehr geneigt war , der That nach zu rebellieren , und daß er sich schwerlich zu der geforderten Rücksicht für den Bruder herbeilassen werde . » Uebrigens werde ich dafür sorgen , daß die Veranlassung zu solchen Streitigkeiten künftig wegfällt , « fuhr die Fürstin fort . » Wir reisen in acht Tagen , und wenn Wanda erst bei ihrem Vater ist , werdet ihr sie ohnehin seltener sehen . Diese einsame Meerfahrt mit Waldemar aber , die ich überhaupt nicht billige , soll unter allen Umstanden die letzte gewesen sein . « Damit klingelte sie und befahl dem eintretenden Pawlick , den Brief fortzutragen . Er brachte dem Grafen Morynski die Nachricht der baldigen Abreise und bereitete ihn zugleich darauf vor , daß die Schwester seine Gastfreundschaft nicht in Anspruch nehmen , sondern daß die ehemalige Herrin von Wilicza in kurzem wieder dort einziehen werde . – Das Boot , in welchem sich Waldemar und die junge Gräfin Morynska befanden , flog mit vollem Segel dahin . Die See war heute ziemlich bewegt ; die Wellen , die das Schiffchen durchfurchte , brachen sich schäumend am Kiele und spritzten auch wohl über Bord , was die beiden Insassen aber wenig kümmerte . Waldemar saß am Steuer , mit einer Ruhe , die bewies , daß er der Führung unter allen Umständen Herr war , und Wanda , die ihm gegenüber im Schatten des Segels Platz genommen hatte , schien an der schwebend schnellen Fahrt große Freude zu haben . » Leo wird uns bei der Tante verklagen , « sagte sie , nach dem Lande zurückblickend , von dem sie schon eine Strecke entfernt waren . » Er ging in vollem Zorne fort . Sie waren aber auch sehr unfreundlich gegen ihn , Waldemar , « » Ich leide nicht , daß ein andrer das Steuer in Händen hat , wenn ich im Boote bin , « antwortete er kurz und herrisch . » Und wenn ich es nun haben wollte ? « fragte Wanda neckend . Er gab keine Antwort , aber er stand sofort auf und bot ihr schweigend das Steuer . Die junge Gräfin lachte . » O , nicht doch . Es war nur eine Frage . Ich habe kein Vergnügen an der Fahrt , wenn ich fortwährend auf das Lenken achten muß . « Ohne ein Wort zu sagen , nahm Waldemar das Steuer wieder zur Hand , das allerdings den ersten Anlaß zum Streit zwischen ihm und Leo gegeben hatte , wenn der eigentliche Grund auch anderswo lag . » Wohin segeln wir denn eigentlich ? « nahm Wanda nach einem kurzen Schweigen wieder das Wort , » Ich denke , nach dem Buchenholm . Es war ja verabredet . « » Wird das für heute nicht zu weit sein ? « fragte die junge Dame ein wenig bedenklich . » Bei dem günstigen Wind sind wir in einer halben Stunde dort , « sagte Waldemar , » und wenn ich später die Ruder tüchtig einlege , brauchen wir kaum mehr Zeit zur Rückkehr , Sie wollten ja den Sonnenuntergang einmal vom Buchenholm aus sehen . « Wanda widersprach nicht länger , obgleich sie ein unbestimmtes Gefühl von Bangigkeit überkam . Sonst war Leo der stete Begleiter der beiden auf allen Spaziergängen und Ausflügen ; zum erstenmal befanden sie sich allein miteinander . So jung Wanda auch noch war , sie hätte keine Frau sein müssen , um nicht schon bei dem zweiten Besuch Waldemars zu entdecken , was ihn bei dem ersten so seltsam scheu und verlegen gemacht hatte . Er war nicht fähig , sich zu verstellen , und seine Augen redeten eine nur allzu deutliche Sprache , obgleich er sich noch mit keinem Wort verraten hatte . Er war gegen Wanda noch einsilbiger und zurückhaltender als gegen andre , aber trotzdem kannte sie ihre Macht über ihn hinreichend und wußte sie zu brauchen , mißbrauchte sie wohl auch gelegentlich einmal , denn ihr war die Sache in der That nur ein Spiel , nichts weiter . Es machte ihr Vergnügen , daß sie diese starre unbändige Natur mit einem Wort , ja mit einem einzigen Blick lenken konnte ; es schmeichelte ihr , Gegenstand einer zwar meist stummen und seltsamen , aber doch leidenschaftlichen Huldigung zu sein , und vor allem machte es ihr