danke Ihnen , Edith ! « Edith ! das sprach ein Mann , den sie zum zweitenmal sah in ihrem Leben , aber sie hatte kein Zeichen der Entrüstung , der Abwehr dafür . Sie war völlig im Bann eines bisher nie gekannten , nie geahnten Gefühls , das sie halb süß , halb beängstigend durchschauerte und das sie noch nicht einmal verstand . Da ließen sich Schritte vernehmen , Raimar fuhr auf und trat rasch zurück , in der nächsten Minute bog auch schon Marlow um das Gebüsch . » Ich suchte dich , Edith , « sagte er hastig . » Soeben ist Herr Ronald angekommen . Ich werde ihn einstweilen empfangen , du kommst wohl mit Wilma nach . Entschuldigen Sie , Herr Raimar , ein Freund , den wir heute erwarteten – bitte , lassen Sie sich nicht stören ! « Er ging in ungewohnter Eile , und die beiden waren wieder allein , aber jetzt waren sie erwacht . Der Traum , der sie eben noch umfing , zerrann vor dem grellen Strahl der Wirklichkeit , der da so plötzlich hereinbrach , Ernst hatte mit keinem Laut , keiner Bewegung seine Ueberraschung verraten , aber er war bleich geworden , und es schien wie ein Eishauch über seine Züge hingegangen zu sein , so starr und kalt waren sie , als er jetzt das Wort nahm , » Sie erwarteten Herrn Ronald – hier in Gernsbach ? « » Ja , er wollte uns hier aufsuchen . Er hat meine Cousine in unserem Hause kennen gelernt und versprach schon damals den Besuch , wenn er nach Steinfeld käme . « Edith wußte selbst nicht , weshalb sie sich bemühte , diesen Besuch , der ja ein zufälliger sein konnte , so ausführlich zu erklären oder vielmehr zu verschleiern , aber sie sah , daß Ernst sich dadurch nicht täuschen ließ , obgleich er höflich zustimmend das Haupt neigte . » Dann wollen wir nicht länger stören . Wir wollen ja ohnehin bald aufbrechen . Sie gestatten wohl , gnädiges Fräulein , daß ich mich empfehle , ich möchte den Wagen bestellen . « » Sie stören durchaus nicht , « sagte Edith , gereizt durch die jähe Veränderung in seinem Wesen . » Der Besuch des Herrn Ronald – gilt Ihnen ! « ergänzte er mit herbem Nachdruck . » Frau von Maiendorf sagte mir schon früher , daß ihre Bekanntschaft mit dem Herrn eine sehr flüchtige sei , und Ihr Herr Vater kommt ja eben von Steinfeld – es bedarf da wirklich keiner Erklärung . « » Ich wüßte auch nicht , wem ich sie zu geben hätte , « sagte die junge Dame , sich stolz emporrichtend . » Ihnen doch wohl nicht , Herr Raimar , mir sind uns ja völlig fremd . « Das klang in herber Zurechtweisung und erinnerte ihn nachdrücklich daran , daß er sich vergessen hatte mit jener Andeutung . Aber Ernst Raimar war jetzt nicht in der Stimmung , eine solche Zurechtweisung hinzunehmen , jetzt richtete auch er sich empor und gab Blick und Ton genau ebenso zurück . » Gewiß , gnädiges Fräulein , und als ein Fremder habe ich mich auch damals zu einer Erklärung hinreißen lassen , die nie ausgesprochen worden wäre , hätte ich geahnt , daß Sie in näheren Beziehungen zu Herrn Ronald stehen . Ich habe mich offen als sein Feind bekannt und kann und will das nicht zurücknehmen , aber ich begreife vollkommen , daß ich damit das Recht verwirkt habe , Ihnen wieder nahen zu dürfen . Wir sind nun einmal vom Schicksal bestimmt , uns feindlich gegenüber zu stehen – also bleiben wir dabei ! « Er verneigte sich tief und fremd und ging . Edith stand regungslos und sah ihm nach . Er erriet oder ahnte doch zweifellos die Bedeutung dieses Besuches , den sie während der letzten halben Stunde – vergessen hatte . Ja , sie hatte es in der That vergessen , daß der Mann , dem sie durch den Vater ihre Hand bereits zugesagt hatte , auf dem Wege nach Gernsbach war . Er kam nun , um auch von ihr das Jawort zu fordern , und sie dachte ja auch nicht daran , es zu versagen – aber warum mußte er denn gerade in dieser Stunde kommen ! Felix Ronald war inzwischen von seinem künftigen Schwiegervater empfangen und in den Salon geleitet worden , wo sie die Damen erwarteten . Marlow hatte ihm bereits mitgeteilt , daß Besuch aus Heilsberg da sei , den man habe annehmen müssen , hier in Gernsbach könne man sich ja leider nicht verleugnen lassen . » Warum denn nicht ? « fragte Ronald , der die Gegenwart Fremder sehr unliebsam zu empfinden schien . » Wer wird denn Umstände machen mit diesen Heilsberger Kleinstädtern , wenn sie stören , wie gerade heut ! Man schickt sie einfach fort . « » Meine Nichte hat aber manche Beziehung in der Stadt , « warf der Bankier ein . » Da war doch einige Rücksicht geboten . Uebrigens wollen die Herren in einer Stunde wieder abfahren , und dann sind wir ganz unter uns . « Die Beschwichtigung nützte nicht viel und wurde nur mit einem ungeduldigen Achselzucken aufgenommen , der neue Gast war es offenbar nicht gewöhnt , auf andere Rücksicht zu nehmen , während er für sich selbst die höchste Rücksicht forderte . Felix Ronald war nicht mehr jung , etwa vierzig Jahre und konnte nicht einmal für stattlich gelten , denn seine Gestalt erreichte kaum die Mittelgröße . Trotzdem war seine äußere Erscheinung interessant , ja bedeutend , denn die Energie , welche die ganze Laufbahn dieses Mannes kennzeichnete , prägte sich unverkennbar darin aus . Ein scharfgezeichnetes Gesicht , mit hoher Stirn , stahlgraue , durchdringende Augen , die alles sahen , alles erfaßten , eine Haltung voll hochmütigen Selbstbewußtseins und doch nichts von der prahlerischen Art des gewöhnlichen Emporkömmlings . Eine gewöhnliche Natur war