dem Tale zu . Er hatte die Klus hinter sich , da sauste es an ihm vorüber und er erblickte einen Knaben , der ein scheues Roß zu bändigen suchte . » He , Gabriel « , rief er ihm nach , » sage der Richterin , sie rüste den Saal und richte das Mahl ! Tausend Fackeln entzündet ! Malmort strahle ! Ich halte Hochzeit mit der Schwester ! « Der Sturm verschlang die rasenden Worte . Malmort mit seinen Türmen stand schwarz auf dem noch wetterleuchtenden Nachthimmel . Mit seiner Last den Burgpfad emporsteigend , sah er oben Lichter hin und her rennen . Dann begegnete er der geängstigten Mutter , die ihm halben Weges entgegengeeilt war . » Wulfrin « , flehte sie mit ausgestreckten Armen , » wo hast du Palma ? « » Da nimm sie « , sagte er und bot ihr die Leblose . Viertes Kapitel Viertes Kapitel Da Wulfrin am folgenden Tage erwachte , lag er unter den schwarzschattenden Büscheln einer gewaltigen Arve , während die Matten ringsum schon in der Mittagssonne schimmerten . Er hatte eben noch , den würzigen Waldgeruch einatmend , heiter und glücklich geträumt von dem Wettspiel in einer römischen Arena und im Speerwurf einen Lorbeerkranz davongetragen . Sein Blut floß ruhig und seine Stirne war hell . Nachdem er gestern Palma der Mutter in die Arme gelegt , war er ins Dunkel zurückgewichen . Mit irren Füßen , in ruhelosem Laufe , kreuz und quer , hatte er das Gebiet von Malmort durchjagt , bis weit über Mitternacht hinaus , und war dann im Morgengrauen niedergestürzt und in einen bleiernen Schlaf versunken . Er fand sich auf einer von leichtgeschwungenen Hügeln umgebenen Wiese , fernab von dem Geläute der Herdglocken , in tiefer Einsamkeit . Nur ein Specht hämmerte und zwei Eichhörner tummelten und neckten sich in der Mitte ihres grünen Bezirkes . Wulfrin rieb sich den Schlummer aus den Augen und schaute umher . Da entdeckte er über dem Hügelrande die Giebel und Turmspitzen von Malmort . Er ließ sich auf dem Hange gleiten und sie verschwanden . Allmählich schlich sich das Gestern an ihn heran , er wehrte es ab , er mißtraute ihm , er wollte , er konnte es nicht glauben . War er nicht der Starke und Freie , der Fröhliche und Zuversichtliche , der dem Feinde ins Auge sah und das Irrsal mit dem Schwerte durchschnitt ? Was war denn geschehen ? Eine rätselhafte Frau hatte ihn übermocht , zu beschwören was er nicht bezweifelte . Ein Mädchen , das sich in der langen Weile eines Bergschlosses den vollkommensten Bruder ausgesonnen , war ihm zugesprungen und hatte sich närrisch ihm an den Hals gehängt . Ein tückischer Becher ungewohnten Weines , oder das freche Bild einer ausschweifenden Fabel , oder der heiße Hauch des Föhnes oder was es sonst gewesen sein mochte , hatte ihn betört und verstört . Und was er an den Felsen geschleudert , war nicht die Schwester – wie hätte sie den gähnenden Abgrund überschritten ? – sondern irgendein Blendwerk der Gewitternacht . » Und war es die Schwester und habe ich sie zerschmettert , so bin ich ihrer ledig « , trotzte er und zugleich ergriff ihn ein unendliches Mitleid und die inbrünstigste Liebe zu dem jungen Leben , das er mißhandelt und vernichtet hatte . Er sah sie mit allen ihren Gebärden , jedes ihrer süßen und unschuldigen Worte nahm Gestalt an , er schaute in ihre seligen Augen und in ihre wehklagenden . Jetzt fühlte er sie , die sich weinend und schmeichelnd mit ihm vereinigte , und wußte , daß sie noch lebte und atmete . » Meine Seele ! Blut meiner Adern ! « rief er und wieder : » Palma ! Palma ! « » – alma ! « wiederholte das Echo . » Palma mein Weib ! « Das Echo entsetzte sich und verstummte . Ein tödlicher Schauer durchrieselte sein Mark . Sich auf die Rechte stützend , hob er sich halb von der Erde und langte mit der Linken nach der blutenden Brust wie auf dem Schlachtfelde . » Es sitzt ! « ächzte er . » Ich bin der Schrankenlose , der Übertreter , der Verdammte ! Ich muß sterben , damit die Schwester lebe ! Doch womit habe ich den Himmel beleidigt ? wodurch habe ich die Hölle gelockt ? « Rasch übersann er sein Leben , er fand darin keinen Makel , nur läßlichen Fehl . » Nun , wen ' s trifft , den trifft ' s ! Ich habe eben das schlimme Los aus dem Helme gezogen und verwundere mich nicht , kenne ich ja die Grausamkeiten der Walstatt . Es geht vorüber ! « Da schien ihm denn doch das Dasein ein Gut , so leicht er es sonst wertete , jetzt da er , ob auch unter grimmigen Schrecken , seinen tiefsten Reiz und seine geheimste Lieblichkeit gekostet hatte . Er hob die starken Hände vor das Angesicht und schluchzte ... Mählich verlängerten sich die Schatten und es wurde still über der Wiese . Da legte sich ihm eine Hand auf die Schulter . Ohne das Haupt zu wenden , sagte er : » Ich komme « , und wollte sich erheben , denn er wußte , es war der Tod , der zu ihm trat , um ihn an den jähesten Abgrund zu führen . » Bleibe , Wulfrin ! « sprach weich die Stimme der Richterin , » ich setze mich zu dir « , und Frau Stemma ließ sich neben ihn auf das Moos gleiten in einem weiten langen Gewande , das selbst die Spitzen der Füße verhüllte . » Berühre mich nicht ! « schrie er und warf sich zurück . » Ich bin ein Unseliger ! « » Ich suchte dich lange « , sagte sie . » Warum bliebest du ferne ? Dir ist bange für Palma ? Die wurde nur leicht verwundet , hat aber