Krähe der anderen die Augen aushackt , blieben , schwächere Dinge ungerechnet , pfäffischer Totschlag und Weiberraub ohne Ahndung , oder , schlimmer noch , wurden so sanft bestraft , daß es einem bösen Scherze glich und die ungedämpfte Brunst der Geschorenen immer weiter um sich griff . Darüber ergrimmte mein Herr und König , denn er war im gemeinen Wesen ein gerechter Mann , und versuchte , seine Pfaffheit einzutun . Kein leichtes Werk ! Auf dem Stuhle des Primas und Erzbischofs von Canterbury , welchem der Eroberer weiland aus Staatsgründen die anderen englischen Bistümer völlig untergegeben hatte , saß damals ein trotziger Normanne , dem seine Tonsur gerade recht war , um gegen seinen Lehensherrn und König Panier aufzuwerfen . Und auch der damalige Heilige Vater in Rom – sie sagen , man habe ihn aus einem Kloster hervorgezogen , um ihn auf den Thron zu setzen , und er hätte zeit seines Lebens nicht viel von der Welt und ihren Geschäften gehalten und begriffen – nahm Partei für den normännischen Bischof , weil er überhaupt kein geistliches Recht wollte umkommen lassen . An diesen wendete sich nun der Kanzler von Engelland in zahlreichen Staatsschriften , das taube Ohr Seiner Heiligkeit bestürmend , sie möge dieser in Mutwillen ausgearteten geistlichen Gerichtsbarkeit Regeln und Schranken setzen . Und ich sage Euch , Herr – denn ich weiß , auf welcher Seite die Chorherrn von St. Felix und Regul stehen – Gerechteres wie Schlaueres wurde nichts gegen die weltliche Gewalt der Pfaffen geschrieben und wird in Ewigkeit nicht geschrieben werden , als was dem Kanzler aus seiner geschmeidigen Feder floß . Mit keiner beleidigenden Rede oder langweiligen Beghardenpredigt verdarb er seine Sache , das ist nicht gebräuchlich im Staatsverkehr ; sondern er berannte den schlichten Geist des Heiligen Vaters mit schlagenden Tatsachen . Er stieß , figürlich geredet , einen Fensterladen nach dem andern auf , so daß eine große Helle entstand und selbst ein Kind begreifen mußte : Geiz , Habsucht , Raub , Hinterlist , Unzucht und Gewalttat , wie sie die Pfaffen König Heinrichs an sich hatten , seien etwas anderes , als der reine und unschuldige Wandel des Heilands und seiner zwölf Boten . War es auch nur , um seinen Schmerz zu verwinden , der Kanzler zog mannhaft ins Feld . Schrift , Kirchenväter , Rechtslehrer ließ er für sich streiten , und sein schärfstes Schwert war der schöne evangelische Spruch : › Mein Reich ist nicht von dieser Welt . ‹ Ich sehe die Frage auf Euern Lippen , wie mir solches zur Kenntnis kam . Hört an . Wann eine Botschaft , oder ein Staatsbrief des Kanzlers ins Lager gelangte , welche mein König zu unterzeichnen hatte – denn in Person und Kraft des Königs stritt der Kanzler mit dem Papste – ließ sich Herr Heinrich , wenn ihm gerade keiner seiner Kleriker zur Hand war , das Schriftstuck von seinem unwürdigen Knechte vorlesen . Es war ihm bewußt , daß ich in meiner Jugend auf pfäffischen Wegen gewandelt und des Lesens kundig sei ; seine eigenen Augen aber , ob sie wohl noch scharf und sicher in die Ferne blickten , waren untauglich geworden , Handschriftliches zu entziffern . Er lachte herzlich über die getroffenen Bildnisse , welche der Kanzler von seiner Pfaffheit entwarf . › Merke , Hans , es macht ihm Kurzweil ‹ , sagte er wohl zu mir , › meine Pfaffen an den Haaren zu ziehen , denn er ist ein ungläubiger Philosoph und verkappter Sarazen . ‹ Auch mich hat dabei oft ein Lachen angewandelt , aber kein fröhliches . Nicht daß ich es dem Heiligen Vater mißgönnt hätte , wie er zuzeiten beschaffen ist , sondern mir schien , was meinem Herrn und Könige bei seiner treuherzigen Art gänzlich entging , unter diesem spielenden Witz brenne ein Abgrund von strafendem Ernst und dunkler Trauer . Herr , ich konnte das Antlitz aus der Burgkapelle nicht vergessen ! Oft , wann ich etwa einen Pfeil schnitzte und dabei meinen Gedanken freien Lauf gab , fragte ich mich , ob Herr Thomas sich je wieder an den königlichen Tisch setzen und Scherzreden mit Herrn Heinrich werde wechseln können , den Hauch seines Mundes mit dem des Königes mischend . Dieser schien nicht daran zu zweifeln und mit seiner natürlichen Tapferkeit vergangene Dinge hinter sich zu werfen . Aber ich wettete in meinem Geiste gegen ihn ; denn nach dem Urteile meines Herzens ging es wider menschliche Möglichkeit . Mein Herr und König saß nach beendigter Fehde auf einer seiner Burgen in der Normandie ; da geschah es eines Tages , daß ich , was selten vorkam , ein müßiger Mann war und auf dem Turme mit dem Wärtel , einem guten Gesellen , plauderte . Er übergab mir eine Weile sein Amt , da ihm das Liebchen aus dem Küchengarten winkte . Wie ich Umschau halte , erblicke ich an einem nahen Hügel eine kleine , auf den Krümmungen des Weges sich herabwindende Heerfahrt . Voran in der Abendsonne ein blitzender Gewappneter , der in das Hifthorn stößt ! Das war das Löwenherz . Hinter ihm ritten seine drei Brüder und ein reisiges Gefolge . Jetzt erblick ich etwas leuchtend Weißes – den Schimmel des Kanzlers . Ein höhnisches Lachen der Sicherheit überkommt mich – ich ergreife das große Wächterhorn , erwidere Herrn Richards Ruf und begrüße den Kanzler , freilich nur mit meinem natürlichen , auf diese Entfernung nicht vernehmbaren Mundwerke , mit den frechen Worten : › Herr Thomas , Ihr habt keines Mannes Mark in den Knochen und keines Ritters Blut in den Adern ! A la bonne heure ! Mich soll ' s nicht anfechten , wenn meinem Herrn einfällt , Euch lebendig auf dem Roste zu braten und Euch zu einem heiligen Lorenz zu machen . ‹ Und mir schien , da ich das weiße Roß erblickte , der Herr und der Knecht habe von dem Kanzler nichts weiter zu befahren und auch