mit verloren , als die Brigg verloren ging an der Küste von Schottland . Ein Onkel nahm Korl hin , oder vielmehr eine Tante tat es . Na , der Onkel , das war einer ! Er hieß Eduard Heß und war ein verbummeltes Künstlergenie , war hinter dem Ladentisch fort zu den Schauspielern gelaufen , aber nie über die stummen Knappenrollen hinausgekommen . Dann hatte er sich der Malerei in die Arme geworfen , darin er auch liegen blieb , obgleich er nie einen Pinselstrich leistete , der einen Heller wert gewesen wäre , trotzdem er ' mal eine Zeitlang in Dresden » studeerte « . Dieses Studium hatte ihm indessen zu weiter nichts geholfen , als zu einem ganz niedlichen Größenwahn und einer ältlichen schwärmerischen Ehefrau mit kleinem Vermögen , die sich in das holsteinische Genie mit seinen Künstlerlocken , seinem Samtbarett und seinem » Wahnsinnsmantel « so blindlings verliebt hatte , daß sie ihm ohne weiteres , im Vertrauen auf sein Talent , von Dresden nach A . . . folgte und die einzige Seele blieb , die nie den Glauben an Eduards Künstlertum verlor – bis zuletzt , wo der nahende Tod sie hellsehend machte ! Die alternde Frau hatte in Not und Entbehrungen gelebt mit ihrem Eduard , hatte ihn geschützt vor dem Verhungern mit ihrer Hände Arbeit und getreulich seinen Größenwahn ertragen , ohne je einen Vorwurf zu machen , obgleich er nie ein Bild fertig malte , nie eins verkaufte . Noch am Rande ihres Grabes nahm sie Korl Lorensen aus den starren Armen der eben gestorbenen Mutter , die ein Stück Verwandtschaft von Eduard Heß 86 war , zu sich in ihr armseliges Heim . Dann , nach kurzer Zeit ist auch sie gestorben , doch wohl aus Gram , daß von all ihrem erträumten Glück nicht weiter übriggeblieben war als die Künstlerlocken , das Samtbarett und der Wahnsinnsmantel ihres Eduard und Herr Eduard selber . Meine Mutter saß im Hinterhause bei dem armen Weibe , als es starb , und war zugegen , als sie ihren über alles geliebten Eduard ermahnte , doch seinen Stolz zu beugen und dem Bäcker op de anner Sid von Morkt das verlangte Aushängeschild mit den Rundstücken und Kringeln zu malen , denn er wolle doch essen und Korl Lorensen auch , und letzterer dürfe nie etwas anderes werden als ein braver Handwerker , das müsse Eduard ihr versprechen . Und Eduard hatte denn auch , heulend vor Jammer und Schmerz , gelobt , er wolle das Bäckerschild malen und Korl Lorensen solle Handwerker werden . Und Korl Lorensen hatte dabei in seinem hohen Stühlchen am Tische gesessen , mit den Beinchen gebaumelt , kreischend und lachend ; er war eben fünfviertel Jahre alt . Meine Mutter nahm damals das kleine Unglückswurm mit zu sich ins Vorderhaus , für so lange wenigstens , bis der betrübte Witwer ein paar Tage später in seinem Wahnsinnsmantel , den er in düsteren Falten umgeschlagen hatte , und in seinem ganzen verdrehten Uptog vom Kirchhof zurückkehrte . Dann aber trug sie Korl Lorensen dem sogenannten Onkel wieder zu , der in malerischer Stellung in seinem Atelier saß vor einer leeren Leinwand , auf der er eben , unter rinnenden Tränen , die ersten Kohlenstriche machte zu dem Porträt seiner Entrissenen , die er aus dem Gedächtnis zu malen gesonnen war . Meine Mutter hat mir oft erzählt von diesem Anblick , und daß sie zu dem Eduardo gesagt habe : » So , min leew Herr Heß , da is nu de Jung – ick hew fif egene , de kosten uns naug . Nu hangen ' s man den ollen Mantel an Nagel un setten en ordentlich anständig Mütz op un malen Se Schiller . De Jung 89 will leewen – hest Se mi verstahn , min leewe Herr Eduard Heß ? « Nun ja , daß der kleine Korl Lorensen essen wollte , das hatte er ja wohl verstanden , und er malte in verzweifelter Entsagung das Bäckerschild , und da es sehr schön ausfiel , so malte er auch fernerhin Schilder , durch welche Tätigkeit er sich und Korl Lorensen satt machte , ja er brachte es sogar so weit , daß oll Mudder Sörrensen die Aufwartung , die Pflege des Kleinen , die Reinlichkeit und das Kochen übernahm für wenige Schillinge den Monat . Aber der Wahnsinnsmantel , das Samtbarett und die ambrosischen Locken , die blieben , von denen trennte er sich nie , und nach wie vor liefen die Gassengören ihm hinterdrein und trieben ihren Spaß mit ihm , sobald er sich in den Straßen zeigte , um malerische Stimmungen zu erlauschen . Die Ausdrücke » malerisch « und » Stimmung « und ähnliche Schlagwörter klangen in meine kleinen Ohren hinein , als ich noch » en ganz dummer Jung « war , der weder lesen noch schreiben konnte , und blieben sitzen in meinem Kindergehirn , so fest , als seien sie eingeschroben . Ja , wenn ich recht bedenke , so ist Eduardo Heß schuld daran , daß ich Maler geworden bin . Korl Lorensen hatte von dem Tage an , wo er selbständig zum ersten Male auf noch unsicheren Beinchen , halb kriechend , den Weg in das Vorderhaus und in unsre Wohnung fand , ein für allemal den unbeschränkten Eintritt erworben . Meine gute Mutter trug das Herz auf dem richtigen Fleck . Der kleine Bursche , der da zwischen dem » verballerierten « Maler , wie sie Eduard Heß zu bezeichnen pflegte , womit sie wohl » verballhornisiert « meinen mochte , und der alten mürrischen Madam Sörrensen aufwuchs ohne jede Zärtlichkeit und liebevolle Pflege , jammerte sie , und sie litt es gern , daß wir Kameraden wurden , obgleich Korl Lorensen anderthalb Jahre jünger war als ich . Zuerst spielten wir noch unter ihren Augen ; als wir größer und dreister wurden , auf der Treppe vor dem Hause oder im Hofe , und auch , als