– « Das war mir zu arg , ich wurde heftig , sehr heftig , und befahl ihr , augenblicklich das Schloß zu verlassen . » Ich werde an den Vater schreiben « , setzte ich hinzu , » welch eigenmächtiges Wesen du gegen mich annimmst . Jetzt sage ich dir : geh , augenblicklich ! Und wenn du nicht willst , daß ich nie wieder das Haus im Dorfe betrete , so hüte deine Zunge und spare deine Ratschläge . « Die Alte war kreideweiß geworden während meiner Rede . Auf einmal sank sie auf den Stuhl , schlug ihre Schürze vor das Gesicht , und das Beben ihrer ganzen Gestalt verriet , daß sie heftig weinte . » Kathrin « , sagte ich voll Reue über meine Heftigkeit , » weine nicht , du hast mich erst zur Heftigkeit getrieben ; ich bin ja fest überzeugt , daß du es nur gut mit mir meinst , aber du kannst wirklich die Verhältnisse nicht beurteilen . « » Gretchen « , schluchzte sie , » ich sorge mich Tag und Nacht um dich und sehe alles voraus , wie es kommen muß . Ich habe dich ja auf den Armen getragen , als du noch klein und hilflos warst , und habe deiner Mutter die Augen zugedrückt – erfülle mir nur die einzige Bitte , die ich je an dich gerichtet habe , und komme zu mir , solange die Offiziere hier im Schlosse find . « Sie sah auf , und die alten Augen blickten mich bittend und verweint an . » Sieh « , fuhr sie fort , » in den Tod legte ich mich , wenn du unglücklich würdest . Ich bin auch einmal jung gewesen und weiß , wie leicht es kommen kann , daß einer das Herz eines jungen Mädchens gewinnt – und heiraten , Kind , tut dich keiner von ihnen ! Komm mit , Gretchen , erspare dir und mir viel Kummer . Du hast ja niemand auf der ganzen Welt , der es so gut mit dir meint als die alte , mürrische Kathrin . Folge mir , nur für kurze Zeit , nur so lange , bis – « » Kathrin « , rief ich , halb gerührt , halb peinlich gestimmt , » ich danke dir wirklich . Du meinst es gut mit mir , das weiß ich , aber du ängstigst dich unnütz . Wer sollte sich wohl in mich verlieben und – nein , ich kann nicht fort von hier , jetzt wäre es lächerlich . Du weißt , sowie der Vater zurückkehrt , komme ich für immer – jetzt kann ich nicht . Sei vernünftig , Kathrin « , bat ich , als sie , ohne sich zu rühren , mich starr ansah , » geh nach Hause , ich komme bald . « » Gute Nacht « , sagte sie und schritt , ohne mich noch einmal anzusehen , an mir vorüber . » Ich habe alles versucht , nun komme , was – « Das Weitere verstand ich nicht mehr . Dröhnend fiel die schwere Eichentür ins Schloß – sie war gegangen . Ich nahm meine Kleider , die die Alte sich aus unserer Stube zu verschaffen gewußt hatte , und ging hinauf . In mir wogten die widersprechendsten Gefühle . Kathrinens schroffes Auftreten hatte einen schwarzen Schatten auf meine sonnige Stimmung geworfen . Wie war ich eben so selig gewesen , und nun stand auf einmal die nüchternste Prosa vor mir ! Ich trat hinaus auf den kleinen Balkon , da funkelten die Millionen Sterne droben am Himmel . Oh , sollte denn der allmächtige Gott , der diese Welten alle in ihren Bahnen lenkt , nicht auch ein klein wenig Glück für so ein junges , einsames Menschenherz haben ? Aber weg mit allen trüben Gedanken , ich war ja noch so jung und der ganze ahnungsvolle Zauber einer ersten beginnenden Liebe stieg in mir auf . Ich sah seine dunklen Augen auf mich gerichtet und hätte aufjauchzen mögen vor Wonne und Glück . Lange stand ich so und sah in die schweigende Nacht hinaus , wie lange – ich weiß es nicht mehr . » Gretchen « , flüsterte Hannas Stimme , und ihre Arme schlangen sich um meinen Hals . » Du schwärmst hier oben und Vetter Wilhelm schwärmt unten . Weshalb kamst du nicht wieder ? « Und ohne eine Antwort abzuwarten , fügte sie hinzu : » Wie wird es morgen schön werden – du hast doch nicht vergessen , daß wir nach dem Eichwald reiten wollen ? « » Nein , bewahre , ich habe gar nichts vergessen , nicht das geringste « , erwiderte ich , » und freue mich sehr auf den Spazierritt . « Wir plauderten noch lange , ehe der Schlaf seine Rechte geltend machte . Am andern Morgen – die Herren waren zum Exerzieren – ging ich gleich nach dem Frühstück noch im Morgenkleide zu Kathrin . Es trieb mich , ihr ein gutes Wort zu sagen . Als ich in den Hausflur trat , kam sie mir nicht wie sonst entgegen . Ich ging in die Küche – sie war nicht da . Nun trat ich in die Wohnstube , und überrascht blieb ich stehen . Vor die Fenster waren duftige weiße Vorhänge gesteckt , der alte Nähtisch meiner Mutter stand an dem einen Fenster , darauf ein Blumenstrauß , vor dem anderen ein paar blühende Topfgewächse , und auf dem Tische vor dem Sofa ein Kaffeebrett mit einer kleinen weißen Kanne und einer Tasse und auf ihr mit blauen Buchstaben » Margarete « . Die Tränen traten mir in die Augen . Ich preßte die Hände gegen mein klopfendes Herz . » Alte , gute Kathrin , das alles hast du getan , um es mir im Vaterhause heimisch und traut zu machen , und ich lohnte es dir mit harten Worten ! « » Kathrin ! « rief ich