an eine Verschmelzung , so doch an eine Versöhnung der beiden Konfessionen , an die Möglichkeit eines einträchtigen Nebeneinandergehens und beklagte deshalb die unerbittliche Rechthaberei der Lutheraner , deren Starrsinn ( um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts , wo der Streit neu aufzuleben begann ) die Möglichkeit einer Ausgleichung oder auch nur eines gegenseitigen sich Geltenlassens immer weiter hinausrückte . Widerstand nun schon dieser Starrsinn überhaupt seiner ganzen , zu Nachgiebigkeit und Kompromiß geneigten Natur , so widerstrebten ihm ganz besonders die Formen , in denen lutherischerseits der Streit geführt wurde . Die Wittenberger , die Formula-Concordiae-Männer , die damals noch keineswegs die Unterdrückten waren und eher Zwang übten als litten , die Wittenberger , sage ich , waren ihm einfach zu derb , und ihre Parteischriften erfüllten ihn mit Abneigung und Unbehagen . Titel , wie : » Eine unzeitige , abgeschmackige , falsche Prophetenfeige und synkretistische , dicke , fette General-Lüge , welche sich neuerdings eingefunden hat usw. « , waren damals in der polemischen Literatur der Wittenberger an der Tagesordnung , und Ausrufe wie : » die Calixtiner sind verdammt « , wurden allsonntäglich auf den Berliner Kanzeln gehört . Diakonus Heinzelmann an der Nikolaikirche , einer der größten Eiferer , predigte damals wörtlich : » So verdammen wir denn die Papisten , die Calvinisten und auch die Helmstädter . Mit einem Worte , wer nicht lutherisch ist , der ist verflucht . « Das war nicht ein Auftreten , das dem feineren Sinn unseres Fromm gefallen konnte ; Gesinnung wie Sprache waren ihm ein Schmerz und ein Greuel , und er schrieb , als ihm jene Heinzelmannschen Worte hinterbracht worden waren , an den Hofprediger Bergius : » Ach , lieber Gott , wo will doch solche Teuffelei endlich hinaus . « Keineswegs geneigt , wegen einzelner offener Fragen rundab mit dem Luthertum zu brechen , aber verletzt durch die Art , in der sich das orthodoxe Luthertum tagtäglich äußerte , bildete sich bei ihm wie von selbst eine gewisse Hinneigung zu den Reformierten aus . Sie waren die feineren Leute und deshalb seinem Wesen näher verwandt . Man kann auch heute noch , innerhalb der politischen Welt , vielfach dasselbe beobachten . Konservative wie Liberale , die zufällig in ihrem zunächst gelegenen Kreise nur gröblich gearteten Elementen ihrer eigenen Partei begegnen , ziehen es vor , in Leben und Gesellschaft mit ihren Gegnern zu verkehren , sobald sie wahrnehmen , daß diese Gegner ihnen in Form und Sitte näher verwandt sind . Die Verschiedenartigkeit der Ansichten kann zwischen feineren Naturen unter Umständen zu einem Bindemittel werden , aber grob und fein schließen einander aus . So ähnlich war es mit unserem Fromm . Das Maßvollere , das dem Schmähen und Schimpfen Abgeneigtere , das die Calvinisten ( was sonst auch ihre Mängel sein mochten ) vor den zelotischen Wittenbergern auszeichnete , tat seiner Natur wohl , und aus die ser Empfindung heraus gestaltete sich alsbald ein Freundschaftsverhältnis zu einigen der reformierten Geistlichen , ganz besonders zum Hofprediger Stosch . Leider sollte dasselbe nicht zu seinem Glücke führen . Die vertraulichen Briefe , die er durch Jahre hin an Stosch richtete und die alle darauf hinausliefen , den Eigensinn und die Untoleranz der Wittenberger zu verurteilen , entschieden später , als das Verhältnis zwischen den Freunden sich zu trüben begann , über sein Schicksal . Diese Trübung des Verhältnisses konnte aber schließlich kaum ausbleiben , ja der Entwicklungsgang , den der Kirchenstreit in unserem Lande nahm , führte direkt darauf hin . Wir werden sehen wie . Die Lutheraner hatten , um ein schon oben gebrauchtes Wort zu wiederholen , eine Reihe von Jahren hindurch eher Zwang geübt als Zwang gelitten . Aber dies änderte sich . Auf die siegreichen Jahre der Formula Concordiae folgten die bittern Jahre des » Revers « , mit dem es in Kürze die nachstehende Bewandtnis hatte . Der Kurfürst , der Zänkereien müde , deren tiefere Bedeutung er nicht einsah , entschloß sich zu einem energischen Vorgehen gegen den immer lauter werdenden Unfrieden in der Kirche . Er erließ Edikte » gegen das unnötige Eifern , Gezänk und Disputieren der Geistlichen auf den Kanzeln « , Edikte , zu deren Inhalt und sachlicher Berechtigung die Geistlichen sich durch Unterzeichnung eines Reverses bekennen mußten . 12 Der Schritt war vielleicht unvermeidlich und das Harte , was darin lag , zum guten Teile wohlverdient , dennoch war es ein Zwang , der auf einen Schlag die ganze Sachlage umgestaltete und aus denen , die bis dahin die Drückenden gewesen waren , plötzlich die Gedrückten machte . Ein Notschrei ging durch das Land , Städte- und Ständeversammlungen protestierten gegen die kurfürstliche Forderung , aber ohne Erfolg . Der Kurfürst bestand auf den Revers . Viele unterzeichneten ; andere weigerten sich , legten ihr Amt nieder und gingen außer Landes . Unter diesen letzteren war beispielsweise Paul Gerhardt . So war der allgemeine Verlauf , und die Frage entsteht : Wie stellte sich unser Andreas Fromm zu dieser veränderten Sachlage ? Die Antwort kann nicht zweifelhaft sein . Fromm , der dem Zelotismus der Wittenberger jahrelang voll Unwillen und Unbehagen den Rücken gekehrt und den Duldungsprinzipien der Reformierten sich zugewandt hatte , mußte das leis geknüpfte Band auch wieder lösen , als er erkannte , daß die Reformierten ihren Sieg nur erfochten hätten , um schließlich eine noch härtere Unduldsamkeit zu üben , als die der Wittenbergischen Eiferer gewesen war . Er war , wie wir gesehen haben , eine auf Freiheit , Maß und Schönheit gestellte Natur , und jede Art der Bedrückung ihm gleich verhaßt . Mehr denn einmal wurde er Zeuge der Gewissensangst , die einzelne Geistliche bei Unterschrift des Reverses empfanden , und der Entschluß reifte in ihm heran , sich gegen diese Bedrückung aufzulehnen . Die Gelegenheit bot sich bald . Johann Müller , Prediger zu Ribbeck , der einer Streitsache wegen vor das Konsistorium geladen war , sollte bei dieser Gelegenheit unterschreiben und weigerte sich dessen mit der