keine Antwort und wiederholte nur alles und sah ihn fest dabei an . Und all das konnt ich , ohne mich ihm zu verraten , denn ich hatte wohl bemerkt , daß er an nichts als an den gnädigen und gestrengen Herrn Kurfürsten dachte , der genferisch geworden , und daß er immer nur alles Fährliche vor Augen sah , was ihm selber noch bevorstehen könne . Und endlich nahm er meine Hand und sagte : › Ja , Grete , das ist eine schwere Frag , und ich denke , wir müssen zum ersten allemal beten , daß wir nicht in Versuchung fallen , und zum zweiten , daß uns die Gnade Gottes überall , wo wir zweifelhaft und unsicher in unsrem Gemüte sind , den rechten Weg finden lasse . Denn die richtigen Wege sind oft wechselvolle Wege , und wenn es heut unsre Pflicht ist , zu gehorchen und auszuharren , so kann es morgen unsre Pflicht sein , nicht zu gehorchen und uns durch Flucht einem schlimmen Ansinnen zu entziehn . Aber eines gilt heut und immerdar : wir müssen in unsrem Tun , ob wir nun fliehen oder ausharren , einem höheren Rufe Folge leisten . ‹ Und nun erzählte er mir von dem Fischbeckschen Pastor und seiner Flucht . « » Aber er muß dir doch noch mehr erzählt haben ? « » Nein . Vielleicht daß er ' s getan , aber der alte Peter Guntz kam und unterbrach uns . Und ich wußte ja nun auch , was ich wissen wollt und daß auch eine Flucht das Rechte sein könne . Und als ich heimging , zählt ich mir her , wer alles geflohen sei . Joseph und Maria floh . Und auch Petrus floh aus seinem Gefängnis . « » Aber ein Engel des Herrn führte sie « , sagte Valtin . » Und sie flohen um Gott und Glaubens willen . « Es schien , daß diese Worte Greten ins Gewissen trafen , denn sie schwieg . Endlich aber sagte sie : » Ja , um Gott und Glaubens willen . Aber auch um Lebens und Rechtes willen . Ich mag kein Unrecht sehen und auch keines leiden . « » Du weißt aber , daß wir Geduld üben und unsere Feinde lieben sollen . « » Ja , ich weiß es ; aber ich kann es nicht . « » Weil du nicht willst . « » Nein , ich will es nicht . « Und als sie soweit gesprochen , wandten sie sich wieder und sahen , daß der Sonnenball unter war und die Burgtürme bereits im Abendrote glühten . » Es ist Zeit , daß wir heimgehen « , sagte Valtin , » oder wir verpassen ' s , und Trud ist eher zu Haus als wir . « » Laß sie « , sagte Grete leicht . » Ich mag nicht mehr nach Haus . Mir ist , als wäre dies mein letzter Tag und als müßt ich fort . Heute noch . Gleich . Willst du ? « Valtin sah sie bang und fragend an . » Du willst nicht ? Sag ' s nur . Du fürchtest dich . « » Ich will , Grete . Ganz gewiß , ich will . Aber ich muß es einsehen , daß es nicht anders geht . Und hab ich dir ' s anders versprochen , damals auf der Burg , als die Mädchen sangen und die Sommerfäden zogen , so darfst du mich nicht beim Worte nehmen . Es war ein Unrecht . « Sie warf den Kopf , aber sagte nichts und nahm seinen Arm . Und so schritten sie wieder auf die Fähre zu . Die Sterne waren bald herauf und spiegelten sich in dem stillen Strom , während Mückenschwärme wie Rauchsäulen über ihnen standen . Oben auf der Burg schimmerten noch die Lichter , sonst aber war alles still , und nur aus weiter Ferne her hörte man noch ein Singen , das mehr und mehr verklang . Es waren die kleinen Leute , die , samt ihrem Gesinde , vom Außenhofe her wieder in die Stadt zogen . Und dazu klatschten eintönig die Ruderschläge des Fährboots , und nun lief es auf , und Valtin und Grete sprangen ans Ufer . Die Stadt gedachten sie soweit wie möglich zu meiden und nahmen ihren Weg an den Tangerwiesen hin , über die jetzt , mit ihnen zugleich , feuchte , weiße Nebel zogen . Die hohen Nachtkerzen ragten mit ihren Spitzen über die Nebelstreifen fort und mischten ihren Duft mit dem Dufte des Heues , das frisch gemäht zu beiden Seiten des Weges lag . Sie sprachen nicht , und Valtin suchte nur den Fledermäusen zu wehren , die , von dem alten Kirchengemäuer her , neben und über ihnen flatterten . So kamen sie bis an das Wassertor und bogen in denselben Zirkelgang ein , auf dem sie gekommen waren , immer zwischen den Gärten und der Stadtmauer hin . Und nun hielten sie vor der Mindeschen Gartenpforte . » Gute Nacht , Valtin « , sagte Grete ruhig und beinah gleichgültig . Als dieser aber ging , ohne sich umzusehen , rief sie noch einmal seinen Namen . Und er wandte sich wieder und lief auf sie zu . Und sie umarmten sich und küßten sich . » Vergiß , Valtin , was ich gesagt hab . Ich weiß , daß du dich nicht fürchtest . Denn du liebst mich . Und die sich lieben , die fürchten sich nicht . Und nun noch eines . Komm in einer halben Stund in den Garten , in euren , und wart auf mich . Mir ist so wunderlich , und ich muß dich noch sehen . Denn sieh , ich weiß es , es geschieht etwas ; ich fühl es ganz deutlich hier . « Und dabei legte sie die Hand aufs Herz und zitterte . Und er versprach es , und