, ein edles und höchst vernunftgemäßes Geschäft durch unziemliche Schüsse verderben ? Ich weiß , ich weiß , du hast mehr Takt , mein roter Bursche ; du hältst dich für fein , ich erkläre dich für intrigant , du hältst mich für einen Bettler und verstehst nicht , he , wie man sich so ohne Scham einem fremden Stamme anbiedern könne ? He , sehe ich dir auf die Gründe deiner Seele ? Wohlan , du brauner Stengel du , du nette Pflanze von einem Künstler , ich behaupte , du könntest , wie du bist , auch in Europa vorkommen , du Pharisäer , du besserer Mensch - Dichter - Spitzbube ... Spitzbube , verdammter roter malender Spitzbube ... Dies ist die tropische Nacht und ihr Fieber . Haß , Schuldbewußtsein , Gewissen , Ekel . Schwäche , Elend der Erkenntnis , sinnlose Selbstanklage kommen aus der Hitze und Schlaflosigkeit zur Welt und foltern den Entwurzelten , den Verschlagenen , den Reisenden . Grundlose Gewissensbisse verfolgen ihn . Das Blut strömt aus Zorn und Widersinn verkehrt zum Herzen , und verkehrt strömt es wohl wieder an seine Plätze ab . Es kreischt wie ein Strom , eine Kette widerspenstiger Achsen . Ich stützte mich kochend auf meinen linken Arm und schabte die Zähne gegeneinander . Diese Bewegung schreckte einen herumschnüffelnden Hund auf . Er bekam es mit dem Todesschrecken , flog entsetzt zur Seite und streifte die Matte an der Hütte gegenüber . Erregt über diesen Akt nächtlicher Ruhestörung in einem ehrbaren Indianerdorfe heulte er aus gestreckter Kehle auf und schoß davon , als ich mit den Fingern flapste . Und nun begann es drüben unruhig zu werden , ein Kopf schob sich längs der Matte unterm Vordach vor und zeigte ein vertrautes Gesicht . Es war Aruki , die hübsche Aruki ; sie war dick , und ich dachte , schade , daß sie verheiratet ist . Aruki aber schien beunruhigt , kam - und nun wurde ich aufmerksam - auf lautlosen Ballen näher . Was war das ? Was hatte Aruki vor ? Ja , auf welchen Wegen erging sich die süße Aruki ? Als sie näher kam , ging es wie eine wunde Seligkeit in mir auf . Wo ging sie hin , wen suchte sie - - ? Wie ihre kleinen huschenden Schritte mich schaukelten ! Sie sah mich wohl erst , als sie in Greifweite vor mir stand . Sie erschrak mit einem Ruck , den sie stumm unterdrückte . Aber schon war es für sie zu spät . Das Mondlicht glitt an ihrem blanken Fell nieder , vor ihrem Schoße pendelte das aus Perlen und Beeren gewobene Schürzchen . Die Zikaden sangen . Ganz plötzlich hörte ich sie . Ich wurde im Nu so hinfällig , daß mich die kleinsten Geräusche wie brechender Donner berührten . Ich empfand das helle Schwingen der Tropennacht und sah die silbernen Schauer über den blauen Rücken der Nacht huschen . Arukis feste Waden standen über meinem Kopfe , ich fühlte sie mit den Haaren . Meine Sehnsucht sprach in Tastempfindungen , ein Festigkeitshunger überfiel mich , ein tiefsitzendes Verlangen nach Kurven , Formen , runden Widerständen . Schnell griff ich zu und schloß mit einem erhebenden Gefühle die Faust eng um den Knöchel . Aruki stürzte vornüber auf meine Brust , ihr üppiger Körper floß nachgiebig um die Prägungen meines Systems , meine erhabenen Muskeln und Knochenbüge sanken hingebend in ein liebliches Lager von Fleisch und Fett . Mein Kopf lag an ihren Hüften , ich schnürte die Arme träumerisch um die breite Taille und küßte die Wölbungen der glatten Haut . Wir rangen stumm , mit Haß und Inbrunst , und sagten uns heiße Liebesworte , schmachtende Gemeinheiten in die Bäuche . Dann war mein Atem einen Augenblick lang frei ; der geschweißte Lärm arbeitender Zikaden drillte wie ein großer Bohrer den Raum . Ich spürte einen fatalen Moskitostich am Bein und zuckte zusammen . Gleich darauf erhielt ich einen Schlag auf die Wange . Eben noch hielt ich Arukis festen Knöchel in der Hand , sie bückte sich blitzschnell zwischen den Sternenhimmel und mich , Donnerwetter - ich ließ los , da war sie fort . Auf dem Pfade meiner Wehmut ging sie hin , wandelte auf einem roten Strahle , der von meinem Herzen ausging . Verzweifelt kratzte ich an den Beinen , wo die Moskitos unter die Hosen geschlüpft waren . Meine Sehnsucht spielte mir Streiche . Au ! Auf der Stirne , am Hals , an der Handfläche begann es zu stechen . Ich stand auf und holte das Moskitonetz , das beim Gepäck lag . Beim Schein der elektrischen Taschenlampe erkannte ich , daß Checho fort war . Ich fand das Netz , kroch darunter und setzte mich leidend vor der Tür draußen nieder . In Arukis Hütte wimmerte eines der Kinder . Sie war Mutter von zehn . Nun nahm sie das eine , das kleinste , das sie immer überm Rücken trug , sie nahm es und legte es vor die nährenden Brüste . Aruki war keine Schönheit , mein Gott , aber ich fand Aruki hübsch . Ich liebte sie und sie hatte mir eine Ohrfeige gegeben . Aruki , dieser Demutsknoten , besaß also Temperament . Herrlich , geradezu herrlich war sie , ein unschätzbares Kleinod von Weiblichkeit ! Welchen anderen Wunsch hatte ich , als sie in meine Hütte heimzuführen , für sie zu arbeiten und zu jagen , von ihr meine Kinder gebären zu lassen und an ihrer Seite das Leben eines Kriegers , der ihrer wert wäre , zu führen ? Ihre Demut war eindrucksvoll , charakteristisch , originell , schon damals , als wir aus dem Walde hervorbrachen und sie sich wie ein geängstetes Wild den Fremden ergab ! Immer steht sie mir so vor Augen , in die Knie gebeugt und die Arme hinterm Kopfe verschränkt - - - ich überlege es recht , das Leben ist vollkommen erst im Genusse