sich die Zeit zu vertreiben , ist es hier und da ein dankbares Thema . Nun , und an einem solchen Nachmittage hat Sir John neulich festgestellt , die Grundnote meines Wesens sei Faulheit , eine ganz namenlose Faulheit , wie er sie in diesem Grade noch bei niemandem beobachtet habe . Faulheit , wenn ich überhaupt etwas tue oder unternehme , denn es geschehe immer nur , um etwas anderes nicht zu tun - Faulheit , die Art , wie ich es anstelle , nämlich ungestüm und ungeduldig , um es so bald wie möglich wieder hinter mir zu haben . Und vollends sei ich unfähig , irgendeine Sache zu Ende zu führen , sei es eine Reise - denn ich reise nie dahin , wohin ich ursprünglich wollte ( das ist wohl wahr ) - eine Ehe , eine Chancensache oder so etwas wie einen Beruf . O ja , John ging streng mit mir ins Gericht - er behauptete , wenn einmal alles glücklich soweit sei , dann ließe ich es liegen und machte mich erleichtert aus dem Staube ( auch das mußte ich zugeben ) . Und lieber ließe ich die unangenehmsten Konsequenzen über mich ergehen - andere Leute hielten das irrtümlich für Seelenstärke - , als daß ich mich rechtzeitig aufraffte , um sie zu vermeiden . Ja , aus lauter Energielosigkeit legte ich manchmal eine auffallende Energie an den Tag . Er teilte mir das alles mit wie ein Forscher , der jahrelang an einer wichtigen Entdeckung gearbeitet hat und nun endlich das Resultat veröffentlichen kann . Es war geradezu eine rednerische Leistung - ich kann sie leider nur unvollkommen nachstammeln . Und der Erfolg ? - Ich war zuerst verblüfft , aber dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen : er hat recht . Ich muß Ihnen gestehen , mein Freund , ich fühlte mich noch nie so verstanden . Mir war zumut wie einem Patienten , dem man endlich die richtige Diagnose stellt , die sich mit seinen eigenen unterbewußten Empfindungen und Ahnungen deckt . Liebster Doktor , ich habe eingesehen , daß ich zeit meines Lebens bis zu diesem Nachmittag eine unverstandene Frau gewesen bin . Und Sie müssen zugeben , es liegt ein Stück Tragik darin , immer wieder für energisch , temperamentvoll , aufgeweckt und so weiter zu gelten , wenn man eigentlich nur faul ist . Daß ich es nie zu etwas bringe , was man eine gesicherte Existenz nennen könnte , daß ich immer ein Bild ohne Rahmen bleibe - das Rätsel , an dem wir , meine Freunde und ich , so oft vergebens herumrieten : Sir John hat es gelöst , er hat mich entdeckt wie Bobbys Talent . Ja , wirklich , ich fühle mich jetzt endlich entdeckt , verstanden , gerechtfertigt . Und das Laufende ? Von Pedro kommen viele Briefe - ungeduldig , vulkanisch , todunglücklich - er weiß nicht , was er tun und was werden soll . Ich weiß es auch nicht , aber ich bin nicht unglücklich . Sir John sagt , es sei mein Unglück , daß ich immer so glücklich bin . Oh , Sir John ist ein großer Weiser ... 17 Heute morgen wollte ich gerade anfangen Ihnen zu schreiben , da setzte sich ein liebenswürdiger alter Herr , den wir bei Tisch kennengelernt haben , zu mir und fragte mich im Vertrauen , ob der Dichter wirklich mein Stiefsohn sei . Ich dachte an meinen Brief und war zerstreut , so habe ich recht dumm geantwortet : er sähe mir doch entschieden ähnlich . Der alte Herr warf mir einen prüfenden Blick zu und meinte : ja , ja , möglich , daß eine gewisse Ähnlichkeit - und das sei immerhin ein seltsames Phänomen . Überhaupt , die Mischung von angelsächsischem , romanischem und ausgesprochen nordischem Typus , wie sie anscheinend in meiner Familie herrsche , wäre wirklich interessant . Diese kleine Ansprache lenkte meine Gedanken allmählich von Ihnen ab , teurer Freund , und ich begriff , daß man uns doch wohl durchschaut ( o weh - wenn Pedro noch lange fortbleibt , möchte die Situation am Ende doch peinlich werden ) , und daß der ehrwürdige Greis mir eine zarte Warnung geben wollte . Mein Brief blieb liegen , ich frühstückte mit dem alten Herrn , und wir haben uns ganz gut unterhalten . Er ist witzig und amüsant , wußte mir mit väterlicher Güte allerlei Geständnisse zu entlocken und erinnerte sich mit sichtlichem Vergnügen an die galanten Faiblessen seiner Jugend . Sie wissen , ältere Herren , die noch in Betracht kommen , sind nicht mein Fall , aber die noch älteren , die nicht mehr in Betracht kommen , können manchmal sehr reizend sein . Und ich habe heute gedacht , solche wirklich charmante alte Leute sind eigentlich ein Element , das in unseren Kreisen ganz fehlt . Wir wurzellosen Existenzen haben alle nur so einen dunklen , verschwommenen Begriff von Eltern und Senioren , die uns übelwollen . Wo noch welche vorhanden sind , bleiben sie ganz im Hintergrund , werden gefürchtet oder sorgfältig vor uns behütet . Man kennt immer nur Altersgenossen oder Jüngere . Kommt man dann einmal , so wie heute , zufällig mit jemand viel , viel älterem in Berührung , so wirkt er beinah wie ein seltenes , etwas unwahrscheinliches Naturspiel auf uns . Kann man wirklich so alt sein , so ganz hors concours , und immer noch Freude am Leben haben und Interesse für alles ? Barmherzigkeit : Und einmal werden wir uns doch wohl auch an den Gedanken gewöhnen müssen , selbst alt zu werden - wie wird das gehen , wie soll man es machen ? Krankheit , Alter und Tod erscheinen mir immer als die drei Unmöglichkeiten des Lebens , alles andere geht irgendwie von selbst , aber mit Unmöglichkeiten muß man sich zu arrangieren versuchen . Kranksein - das läßt sich vielleicht noch bedingungsweise ausnehmen . Unter