, dem blonden Schnurrbart , der hohen , ein wenig zurückweichenden Stirn und dem etwas nervös schweifenden Blick der blauen Augen , war nicht nur ein glänzender Eisläufer . Leutnant Koszinsky unterhielt sich mit ihr über Dinge , die seinen Kameraden sonst fernlagen . Sein heißes Interesse an Fragen der Kunst , der Literatur , der Philosophie , der Musik , begegnete hier endlich dem ersehnten Echo . Er hatte von dem Mädchen gehört und ihre Bekanntschaft gesucht . Trotz der Maske hatte er sie bald herausgefunden , - er kannte sie vom Sehen , - und die Freiheit des Festes gestattete ihm die schnellste Annäherung . Kasimir Koszinsky war Pole , gehörte einer ganz verarmten Familie an und war als Knabe der Erziehung der Kadettenschule übergeben worden und so dem Militär » verfallen « , wie er es nannte . Er betrachtete das als ein Unglück . Er hielt sich für einen geborenen Künstler und hätte sich der Philosophie und der Musik ergeben , wäre sein Weg frei gewesen . So aber blieb ihm nichts übrig , als die für ihn bedeutende Mühsal des militärischen Berufes weiter zu schleppen . Es dauerte immerhin Wochen , bevor diese beiden jungen Leute aus dem Bereiche gespanntester , schöngeistiger Interessen in jenes andere der persönlichen Wünsche zusammen eintraten . Es war fast immer zuviel zwischen ihnen zu erledigen . In den kurzen Stunden , in denen sie einander sahen , überstürzten sie sich , um von dem neuesten Buch , von irgendeinem bedeutenden , allgemeinen Ereignis » aus Europa « zu sprechen und hitzig ihre Meinungen gegeneinander zu führen . Seine Auffassung der Dinge hatte zumeist etwas Verschlungenes , wogegen sich ihre direkt auf den Kern der Sache zusteuernde Art nicht selten heftig auflehnte . So kam es , daß sie sich erst nach Wochen mit entscheidenden Wünschen , die eine gemeinsame Zukunft suchten , gegenüber standen . Diese Wünsche fanden weniger Gegnerschaft , als sie befürchtet hatten . Der Vater Diamant erklärte sich bereit , die Kaution zu erlegen , falls seine Tochter sich nicht » schmarren « zu lassen brauchte . Die Heirat eines Offiziers mit einer ungetauften Jüdin , - in Österreich häufig genug , - ließ sich wohl machen . Und dann war Kasimir auch bereit , wenn es sein müßte , den bunten Rock auszuziehen . Der Alte runzelte die Stirn . Wovon gedachte er zu leben ? Daß er in sein Geschäft nicht eintreten würde , war ihm genügend klar . Dann zog der alte Diamant den » europäischen « Rock an und ging aus , » Referenzen « einzuholen über den Leutnant Kasimir Koszinsky . Und damit erst trat die Angelegenheit in ein unerwartetes Stadium . Denn der Alte hörte Dinge , die selbst in jenem Winkel der Monarchie , wo die triste Situation die größte Duldsamkeit beim Militär mit sich bringt , - die Grenze des » Möglichen « überschritten . Koszinsky hatte den Ruf eines skrupellosen Verschwenders , eines genußsüchtigen Menschen , der durch immer neue Exzesse seine Situation unhaltbar gemacht hatte . Der Major versicherte dem alten Juden , dessen Besuch er huldvollst angenommen hatte , Koszinsky werde demnächst seine Charge » springen « lassen müssen . Eine nicht ganz aufgeklärte Affäre rückte diese Katastrophe nah . Koszinsky hatte mit unbegreiflicher Leichtfertigkeit Wechselschulden auf Beträge , die er niemals aufbringen konnte , aufgenommen . Die ziemlich beträchtlichen Summen hatte er , wie ermittelt , in wüstester Gesellschaft in Krakau verlumpt . Man erzählte von ein paar Variétédamen und deren männlichem Anhang , die Koszinsky nächtelang traktiert haben sollte , bis der letzte Gulden fort war . Er habe wahrscheinlich auf einen reichen Schwiegervater gehofft , - den er ja nun auch gefunden hätte , wie der Major halb bedauernd , halb ironisch hinzufügte . Aber das Schlimmste war damit noch nicht gesagt . Diese Wechsel sollten in einigen Tagen protestiert werden . Koszinsky hatte , gehetzt von seinen Gläubigern , seine Zuflucht zu einem Kameraden genommen , zu einem Leutnant Karl Stiller , der kürzlich etwas Vermögen geerbt hatte und gerade seinen Abschied nehmen wollte . Stiller , mit dem ihn eine nähere Kameradschaft verband , hatte sich mit Koszinsky in der Abneigung gegen den militärischen Beruf gefunden ; er wollte den Sprung aus der Bahn wagen . Er arbeitete seit langem , heimlich , politische Artikel für ein Blättchen seiner Heimat , einer kleinen deutschen Stadt in Südungarn . Von dort winkte nun ein festes Amt beim Blättchen , und Stiller wollte die Kette zerbrechen . Zum Unterschied von dem vielseitig zerstiebenden Koszinsky war Stiller schwer , zäh , bäurisch beharrlich und , vor allem , emsig auch in seinen literarischen Versuchen . Dabei war er eigentlich » ärarisch « gesinnt , behütete seine Ideale vom frischfröhlichen Krieg trotz seiner persönlichen Abneigung , beim Militär zu bleiben . Koszinsky hatte ihn Olga als einen braven Kerl , aber » mit einem flachen Unterbewußtsein « geschildert . Er war ein Mensch , dem eine tiefe Furche zwischen den Augenbrauen einen besonders düsteren Gesichtsausdruck gab und der mit redlichen , aber gequälten Blicken dreinsah . Koszinsky hatte ihn seine bewegliche Geistigkeit reichlich spüren lassen . Er verhöhnte seine » journalistischen Missetaten « , - er selbst hielte sich von solchen Sünden wohlweislich fern , - er verspottete Stillers primitive Ideale , die in einer Gemeinschaft mit Weib und Kind in einer Wohnung von Stube und Küche - bei sonstiger Unabhängigkeit - gipfelten . So hatte aus der ehemaligen Freundschaft der beiden Ausnahmsoffiziere manchmal der Haß herausgeschlagen , - bis Stiller das kleine Kapital erbte , welches seinen sehnsüchtigen Wünschen nach Freiheit die Wege ebnete . Kurz darauf , als die schon einmal prolongierten Wechsel Koszinskys sich dem Fälligkeitstermin näherten , nicht mehr erneuert werden konnten und er sich von seinen Gläubigern bedrängt sah , hatte er Stiller , der , wie er sich ausdrückte , nun » gefaßt « habe , bestürmt , er möge in dieser äußersten Not für ihn einspringen .