schießen und fechten gelernt . Außerdem ist der Aufenthalt zu Warmbrunn meinem Herzen zugute gekommen , insofern es sich der ersten keuschen Minne zugeneigt und erschlossen hat , ähnlich wie einer Blütenknospe an der Frühlingssonne geschieht . Die Gelegenheit dazu hat jener heilkräftige warme Brunnen gegeben , von dem Warmbrunn , ein wohlgebaueter Ort , zwo Stunden von Hirschberg am Gebirge gelegen , seinen Namen hat . Die heiße Quelle ist gut für Gliederweh und gilt als ein rechtes Kleinod schlesischer Lande . Ward aufgefunden vom Herzog Boleslao Crispo , als dieser auf der Jagd einen Hirschen verfolgte , der seine Wunde im heilkräftigen Wasser baden gewollt . Über der Quelle , so fünf Ellen in der Tiefe aus dem Felsen sprudelt , ist ein steinern Haus errichtet . Den heiligen Wassertäufer Johannem hat man dafür als Patronum erkiesen und über der Pforte abkonterfeit . Das Volk aber ist des Glaubens , am Sankt Johannis Abende , wie auch am nächsten Morgen , habe das Wasser seine beste Heilkraft . Daher strömet zum Sonnwendtage eine bunte Menge aus der Umgegend nach Warmbrunn , sich in das Badebecken zu tauchen . Gichtbrüchige und Lahme hoffen , ihre Krankheit solle sich wenden . Gesunde aber möchten ihren gesunden Leib bewahren ; oder , wofern sie das Bad verschmähen , nehmen sie an der lustigen Feier teil , so bei hereinbrechender Dunkelheit auf Wiesen und Hügeln begangen wird , unter Schwenken brennender Besen und Springen durch flammende Scheiterhaufen . Anno 1622 zu Johanni war ' s , ich zählte siebenzehn Lenze , als mir am Mittagstische der Herr Verwalter sagte , aus Schreiberhau sei Frau Preislerin nebst ihrer Tochter gekommen , um des Johannissegens im Bade teilhaftig zu werden , und ich solle sie besuchen . Auf den Abend begab ich mich , in meinem Sonntagsgewande , hin und traf die beiden Gäste aus Schreiberhau in ihrem Losament . Es waren Frau und Tochter des böhmischen Emigranten Preisler , so vor fünf Jahren die Glashütte im Weißbachtale angelegt hatte . Die Preislerin , gütigen Herzens und von einer heitern Beweglichkeit , grüßte mich vom Oheim und berichtete , er komme in jüngster Zeit häufig zur Glashütte , da er einer neuen Bereitung von Rubinglas auf der Spur sei . Jungfer Elfriede , ein Jahr älter als ich , war von einer zarten , engelhaften Bildung des Hauptes und der Glieder . Ihr bleich Angesicht , von braunem Haar umkränzet , glich einer sanften Blume , und die dunkeln Rehaugen stauneten wehmütig in die Welt . Seit ein paar Jahren fiel ihr das Gehen schwer , und schon redete sie davon , zum Tanzen nie wieder fähig zu sein . Aus dem Erbarmen , das ich für die sieche Schönheit empfand , ward eine schwärmerische Zärtlichkeit . Es erglomm in mir ein Verlangen , ihr Gutes und Liebes anzutun , und bald schien es mir , ihr Blick ruhe mit einer frohen Bewunderung auf meinem Antlitz . Da die Dämmerung hereinbrach , hätte Elfriede gern die Johannisfeuer betrachtet und fragte die Mutter , ob sie an ihrem Arm auf die Wiese gehen dürfe . Erst besorgete Frau Preislerin , es möchte die Abendkühle der Patientin Schaden tun . Weil sich aber die Jungfer mit Tüchern wohl verwahrte , durfte sie an der Mutter Arm hinaus . Nachdem ich eine Weile mit meiner Schüchternheit gekämpft , brachte ich stammelnd für , vielleicht könne die Jungfer auch mich zur Stütze annehmen . Sie dankte und hing sich sogleich an mich , wobei sie meinen Arm , wie es mir schien , vertraulich drückte . Das brachte mein Gemüt in eine süße Verwirrung . Wiewohl ich nicht sonderlich auf das Gespräch achten gekonnt , da ich wie ein Trunkener wandelte , habe ich doch bewegten Herzens aufgemerkt , als wir auf die Abendburg zu sprechen kamen und den ragenden Fels herauszulesen suchten aus dem dunkelblauen Gewoge der Berge , die sich scharf vom verblichenen Abendhimmel abzeichneten . Träumend sprach da Elfriede : » An einem Johannisabend ist einmal ein Sonntagskind auf dem Kynast gestanden , und da hat sich die ferne Abendburg plötzlich zum Schloß verwandelt , und haben die Fensterscheiben das Abendrot gespiegelt . « Mich entzückete diese Mär , als stehe das Wunder leibhaftig vor meinen Augen . Frau Preislerin aber scherzete : » Geh mir mit dem dummen Gemahre von den Sonntagskindern ! Wenn jedem Sonntagskinde beschieden wäre , Wunder zu erleben , fürwahr so wären die Wunder in unsrer Zeit so häufig wie die Spatzen . « Verwundert meinte Elfriede : » Aber nein , Sonntagskinder sind ganz rare Vögel ! « Da lachte die Mutter : » Jeder siebente Mensch ist ja ein Sonntagskind ! Oder gläubest du einfältig Madel , am siebenten Tage halte der Storch Sabbatruhe ? « Ich und Elfriede waren überrascht und mußten mitlachen ; doch es kam auch mir von Herzen , als die Jungfer schmollend zur Antwort gab : » Warum soll uns immer die Klugheit aus den Träumen und Mären wecken ? « » Ach mein liebes Kind , « - seufzete die Mutter - » wer vom klugen Tage nichts wissen mag , wird oft bitter genarret und enttäuscht . « Zu mir gewendet , fuhr sie fort : » Denk Er nur , wie meine Elfriede erst vor einer Stunde , kurz bevor Er gekommen ist , bis zu Tränen enttäuschet worden . « » Aus was Ursach ? « » Sie hatte eine wundervolle Erwartung vom Johannisbade , das sie dem Teiche Bethesda verglich . Wie den Teich Bethesda ein Engel vom Himmel besuchte und mit Heilkraft erfüllte , die versammelten Kranken gesund zu machen , so sollte nach Elfriedens Sinne der heilige Täufer Johannes aus dem Sonnenuntergange dahergeschwebt kommen und den warmen Brunnen mit segnender Hand bewegen . Wie wir aber vorhin , nachdem wir lange in einem Gedränge von Menschen harren gemußt , endlich in das Weiberbad eingelassen worden , ist meinem Kinde , dem schon von der lärmenden Menge