allein war , vor sich hin . Am Tage lag sie gern im großen Stuhl , die Arme hinter dem Nacken und lächelte . Sie wartete am Abend auch nicht mehr auf ihn . Ich suchte und suchte . Da - eines Nachts , ich konnte nicht schlafen - kam ich hier in den Park . Da wußte ich . « Er hielt einen Augenblick inne , dann fragte er : » Was werden Sie tun , Herr Pastor ? « » Ich ? « erwiderte Werner . » Was kann ich tun ? « » Doch ! Sie werden etwas tun « , sagte Pichwit . » Ich - ich kann nichts . Ich wollte zu ihm gehn und ihn zum Duell fordern . Ich glaube , ich könnte ihn erschießen , ich glaube , das würde mir gegeben werden . Aber - wer bin ich ! Er würde mich auslachen . Über Pichwit lacht man ja . Das wäre für ihn nur eine Anekdote mehr . Und dann - ich - ich kann nicht . Sie hat es verboten . « » Sie hat es verboten ? « wiederholte Werner erstaunt . » Ja - ja « - sagte Pichwit . » Ich sagte ihr gute Nacht . Da reichte sie mir die Hand und sagte - sagte leise , so daß die anderen es nicht hörten : Herr Pichwit ist mein treuer Page . Auf den kann ich mich verlassen . Und da verstehn Sie , Herr Pastor , ich kann nichts tun . Wenn sie wollte , ich soll hier Wache stehn , während er oben ist , damit keiner sie stört , ich müßte es tun . Aber Sie - Herr Pastor , Sie ! « » Ach - ich ! « sagte Werner matt . Aber Pichwit wurde eindringlich . » Sie sind groß , Sie sind stark , Sie sind schön . Ach ! Ich war so eifersüchtig auf Sie . Ich sah es , wie sie sich freute , wenn Sie kamen , und ich sah , wie Sie sich einander in die Augen sahen - ja , das hab ' ich gesehen . Ich war sehr unglücklich darüber . Aber jetzt - jetzt müssen Sie sie retten . Er darf sie nicht haben . Er ist schlecht und gemein , ich weiß das , ich fühl ' das . Was werden Sie tun , Herr Pastor ? « Werner rüttelte sich aus der schweren , traumhaften Müdigkeit auf , die ihn bedrückte . » Pichwit « , sagte er streng , » was sprechen Sie da ? Sie sind ja krank . Sie sprechen wie im Fieber . Gehn Sie , legen Sie sich zu Bett . Sie müssen ja krank werden , wenn Sie hier im Frost stehn . « » Daran hab ' ich auch schon gedacht « , erwiderte Pichwit . » Woran ? « » An das Krankwerden . Wenn ich krank werde , zum Sterben krank , wissen Sie , dann kommt sie zu nur , das wird sie wohl tun . Und dann sag ' ich ihr alles . Wenn man stirbt , dann wird man ernst genommen , dann steigt man in der Achtung . Nicht wahr ? Ein Sterbender ist nicht lächerlich . Was er sagt , das wird gehört . Es ist schon vorgekommen , daß das Wort eines Sterbenden einen Lebenden gerettet hat ... « » Kind , Sie träumen « , unterbrach ihn Werner . » Gehn Sie , legen Sie sich nieder , decken Sie sich gut zu - und - keine Unvorsichtigkeiten . « Werner hatte die Hand auf Pichwits Schulter gelegt . So redete er ihm väterlich zu . Pichwit stützte den Kopf gegen Werners Arm und weinte . » Nun , nun ! « redete Werner ihm zu , wie einem Kinde . » Fassen Sie sich . Das hilft nichts . Gehn Sie . Gute Nacht . « Pichwit richtete sich auf , wischte sich die Tränen aus den Augen , und plötzlich sah Werner ihn lächeln , sah auf dem bleichen Gesichte das hochmütige , überlegene Lächeln . » Gute Nacht , Herr Pastor « , sagte er . » Ich weiß - Sie - Sie werden etwas tun . « Damit verschwand er hinter den weißen Hecken . Werner ging nach Hause . Schlafen wollte er , liegen und vergessen - nichts anderes . - Als Werner am nächsten Morgen erwachte , hatte er das Gefühl , als läge eine Aufgabe vor ihm , eine schwere Arbeit . Was war es ? » Sie werden etwas tun « , klang Karl Pichwits erregte Stimme ihm ins Ohr . Das war es ! Der Tag war hell , das Pastorat voll gelben Sonnenscheins . Lene war rosig und gesprächig . Während Werner seinen Morgentee trank , lachte er mit ihr über irgendwelche geringfügige Dinge . Er ging an seine Amtsgeschäfte . Leute kamen . Er ermahnte und schalt sie , war väterlich und jovial . All das ging gut vonstatten , nur erschien es ihm alles so vorläufig . Eine Aufgabe wartete seiner , das andere war nur ein Hinbringen der Zeit bis dahin . Er dachte nicht weiter darüber nach , er hütete sich davor , sich selber Zeit zu lassen , um sich auf das zu besinnen , was vor ihm lag und lauerte . Am Nachmittag ließ er den Schecken einspannen , um nach Schloß Sielen zu fahren . Das war ' s , was er tun mußte , und der Pastor Werner tat es , der eine Pflicht erfüllte , nicht der törichte unbegreifliche Mann , der gestern im mächtigen Park von Dumala gestanden hatte , Stunde um Stunde , um zu dem Lichtstreifen oben am Turm emporzusehen , mit einem schmerzhaften Begehren . Pastor Werner fuhr zu Behrent von Rast , um eine Pflicht zu erfüllen , eine Amtspflicht , und eine Freundschaftspflicht . Während er durch das grelle