Morgen , Schuller ! « » Adjes , Herr Lehrer ! « Stegmüller ging seinen Weg zurück . Am Waldrande hielt er und schaute um . Der Schuller war schon wieder rüstig bei der Arbeit , als wollte er die versäumte Zeit einholen . Siebentes Kapitel Den 16. November waren die Gemeindewahlen in Prittlbach , Aufhausen und Zillhofen , den 17. in Giebing , Fahrenzhausen , Schachach und Webling , den 18. in Biberbach , Edenholzhausen und Erlbach . In Zillhofen wählten sie den Blasibauern Joseph Kaltner zum Bürgermeister , der für einen heftigen Bauernbündler galt ; in Schachach kam der Rädlmayer in den Ausschuß . Der Meisinger von Giebing fiel durch , aber sein Gegner hatte nur eine Mehrheit von zwei Stimmen . Und außerdem konnte sich der Herr Dekan über diesen Sieg nicht übermäßig freuen , weil der Stuhlberger Beigeordneter wurde . In Fahrenzhausen fielen beinahe alle Stimmen auf den Wagnerbauern Peter Lochmann , der schon bei den letzten Landtagswahlen gegen den Pfarrer aufgetreten war . Die Erlbacher gaben dem Hierangl 44 Stimmen , dem Schuller 53 ; damit war dieser zum Bügermeister gewählt . In allen Gemeinden sagten die Leute , daß sie solche Wahlen noch nie gesehen hätten . Sonst gab man gleichmütig seine Stimme ab und kümmerte sich nicht viel darum , wen es traf . Streit gab es selten ; und das Politische kam nicht in Frage . Diesmal brannte es an allen Ecken und Enden ; in jedem Dorfe stand eine Partei gegen die andere . Die Geistlichen warben offen und versteckt um Stimmen ; sie sagten von den Kanzeln herunter , daß man sich einer großen Gefahr aussetze , wenn kirchenfeindliche Menschen an das Ruder kämen . Das Unterste würde zu oberst gekehrt ; in weltlichen Dingen finge das Unglück an , und wo es ende , könne nur Gott allein wissen . Sie versuchten die Männer zu überreden und zogen die Weiber auf ihre Seite . In Zillhofen ermahnte der Kooperator sogar die Schulkinder , daß sie ihre Väter in das tägliche Gebet einschließen sollten , damit sie der liebe Gott festhalte am katholischen Glauben . Die Bauernbündler schauten nicht untätig zu . Sie hatten noch nicht die Mittel , welche zur Ausbreitung einer neuen Bewegung notwendig sind ; sie hielten keine Versammlungen ab , ja , es hatte sich noch nicht einmal ein Kern von Vertrauensmännern gebildet . Trotzdem fanden sie sich zusammen ; von Haus zu Haus ging die Verabredung , und nur verlässige Männer wurden in das Vertrauen gezogen . Einer wußte vom andern , ob er fest standhalte und der gemeinsamen Sache dienen wolle . Die richtigen Männer kannte man weitum auf Stunden , die Unsicheren waren für alle gezeichnet . Ohne Flugschriften und Aufrufe verständigten sich die Leute , warben Anhänger und trafen die Auswahl der Männer , welche sie an die Spitze stellen wollten . Am entscheidenden Tage gab es viel Lärm . Die Leute , welche sich zum ersten Mal einer politischen Aufregung überließen , hatten noch nicht gelernt , ihre Freude am Erfolge oder ihren Ärger über eine Niederlage zu verstecken . Der alte Rädlmayer in Schachach gab einen offenen Stimmzettel ab und sagte , das Versteckenspielen habe ein Ende , und wer eine Schneid ' habe , der müsse sie herzeigen . In Giebing stellten sich die jungen Burschen vor dem Wahllokal auf und brachten jedem Anhänger des Dekan Metz eine Katzenmusik . Der Hirner von Aufhausen trank sich einen festen Rausch an und sagte zum Wahlkommissär , ihm wär ' es das Liebste , wenn man gleich über den Adel und die Geistlichkeit einrücke ; er wolle schon zuhauen , daß alle am Leben verzagen müßten . In Zillhofen kam es zu einer Prügelei , und in Biberbach mußten die Schwarzen schleunig aus dem Wirtshaus flüchten , weil sie sonst übel gefahren wären . Die Erlbacher blieben ruhiger . Fast alle Stimmberechtigten erschienen ; eine halbe Stunde vor Schluß fehlten nur mehr etliche Stimmen zur Vollzähligkeit . Das Ergebnis war im voraus nicht sicher ; der Hierangl hatte viele Anhänger , und der Pfarrer Baustätter setzte alle Hebel in Bewegung , um ihn durchzubringen . Er ließ sich von seiner Heftigkeit so hinreißen , daß er im Wahllokale aus und ein ging und verschiedene Leute ansprach . Als zuletzt noch der alte Keimel auftauchte , der über Jahr und Tag krank daheim lag , wußten alle , daß ihn nur der geistliche Zuspruch zu dieser Kraftanstrengung gebracht hatte . Und alles half nichts ; der Schullerbauer blieb Sieger mit neun Stimmen Mehrheit . » Zum Bürgermeister ist also gewählt Andreas Vöst , Ökonom von Erlbach ... « » Und ein Vivat hoch ! « schrie der Haberlschneider , » koan Bessern hamm mir no net g ' habt . « » Vielleicht waarst du no der Besser ' g ' wen ! « sagte der Hierangl . » Na , i net ; aba du scho gar it . « » Du derfst ' n scho lob ' n ; du bist ja sei Spez ' l. « » Geh hoam , Hierangl ! Do verdeanst dir nix bei ins ! Geh zum Pfarra , nacha könnt ' s woana mitanand ! « » Vo dir laß i mir nix schaffen , du bischt mir z ' weni , hast g ' hört ? « » Geh hoam , du ! So dumm waar i net , daß i mir an Zorn a so merk ' n lasset . « » Haberlschneider , der Letzt ' hat no net g ' schoben . « » So ? Habt ' s no an Spitaler hinten , weil der alt ' Keimel it g ' langt hat ? « Alle lachten . Der Hierangl drängte sich durch die Umstehenden und ging zornig auf die Straße . Der Teufel soll alles holen und den Schuller zuerst ! Der ihm überall in den Weg trat . Bürgermeister oder nicht , da lag ihm nicht soviel