erschienen , war nun erfüllt von dem Glanz , den des Geliebten Gegenwart über alles verbreitete . Wer , der je geliebt hat , wüßte es nicht , daß die Liebe den engsten Raum zum Tempel weitet , daß jede große Liebe in dem einen alles liebt , was atmet , lebt und leidet , daß in solchen Augenblicken keine andere Furcht mehr im Herzen ist als die um die Vergänglichkeit des Daseins und daß man zum Augenblick sagen möchte : » Verweile doch , du bist so schön . « Die Fülle der Ewigkeit ist im Herzen und der Schmerz liegt nur darin , daß die entfliehende Zeit uns mahnt , daß wir im Bereich des Endlichen weilen . » Sagen Sie mir , liebe Freundin , « bemerkte Waldemar endlich nach längerem , heiterem Geplauder , » was hat Sie gestern zu der eigentümlichen Improvisation gebracht , von der mir Raden erzählte ? Wie ist Ihnen das Bild erstanden , zu dem das gegebene Thema doch keine direkte Veranlassung bot ? « Rosa schlug die Augen nieder und sagte mit sichtbarer Bewegung : » Ich weiß ja nie , wie das kommt , ich erinnere mich kaum an etwas davon , nur daß mir plötzlich das Bild eines Abends bei einem Landhaus in Florenz auftauchte , aber was sich sonst noch darein gemischt hat ... « » Bezog sich das auf dort Erlebtes ? « fragte Waldemar . » Nein , nein , « sagte sie hastig und erschrak dann , daß sie diesmal verraten hatte , sich des Gesagten zu erinnern . » Ich weiß nicht recht , was mir da dazwischen gekommen ist , « fuhr sie fort und errötete , weil es nicht die Wahrheit war ; » ich glaube aber an die Intuition , « setzte sie hinzu . » Ich glaube , daß in manchen Seelen , die ein sehr bewegtes inneres Leben haben , es Augenblicke gibt , wo es ist , als ob ein Schleier zerrisse und sich etwas zeige , was in Wirklichkeit noch gar nicht da ist , was aber unfehlbar kommt , und das wirkt dann ebenso , als wär es schon da , regt Stürme im Herzen auf oder Fluten des Mitleids , der Sehnsucht , zu helfen , zu retten « - sie hielt inne in tiefster Erregung und Verwirrung , so viel gesagt zu haben . Angstvoll sah sie zu Waldemar auf und fragte : » Sie lächeln wohl über mich , halten mich für eine Schwärmerin , nennen das Aberglauben ... « » Nein , gewiß nicht , meine liebe , holde Freundin , « sagte er gerührt und ergriff ihre Hand ; » auch ich glaube an diese ungeklärte Geisterwelt , in der magnetische Strömungen Dinge möglich machen , innere Erlebnisse , die der Rationalist in das Bereich wesenloser Träume verweist . Aber ich hoffe , Ihre Vision wird in Erfüllung gehen und Ihr Gebet wird dem in Versuchung Geratenen den Sieg erflehen . « Durch seine Stimme klang ein tiefer , innerlichster Ton . Rosa erhob die Augen zu ihm und aus ihnen brach ein solches Leuchten reinster Begeisterung , heiligsten Glaubens , daß Waldemar in dem Augenblick sich jedes Opfers fähig fühlte und ganz wieder er selbst war : der den höchsten Idealen zustrebende Mensch . Wie ein schriller Mißton ertönte da eben die Stimme der Signora Amadei , die , zurückgekehrt , die Zimmer leer gefunden hatte und Rosas Namen rief . Waldemar erhob sich rasch und sagte : » Nein , jetzt keine Berührung mit der Vulgarität , « beugte sich zu Rosa nieder , küßte sie sanft auf die Stirn und entfernte sich raschen Schrittes , ehe die Amadei heraustrat . Rosa saß mit auf den Knien gefalteten Händen wie träumend da . Ihr war , als hätten lichte Wolken sie emporgetragen , als zöge sie fernen Eilanden voll Seligkeit zu , in denen die Liebe , losgebunden von irdischem Verlangen , wie ein himmlischer Tau das Herz tränkt und zur Vollendung leitet . Wie von einem giftigen Schlangenbiß berührt , fuhr sie aber auf , als die Amadei neben ihr stand und mit bedeutungsvollem Lächeln sagte : » So , so , hier find ich mein Täubchen ? Wer ging denn eben weg ? Was für ein Stelldichein habe ich da gestört ? Bedaure , mein Herzchen ! Aber ich sehe , die Sache geht ihren Gang , die Besuche werden immer vertraulicher ! Schon gut , schon gut ! Bravo , Liebchen , du hast Glück ! « Rosa warf ihr einen Blick voll unsäglichen Widerwillens zu und ging , ohne ein Wort zu erwidern , an ihr vorüber in ihr Zimmer . Am Abend war die von der Herzogin erwähnte Gesellschaft bei einer der vornehmen Damen Roms , wo sich wieder alles zusammenfand , was die römische Gesellschaft der Epoche an Geist , Bedeutung , Liebenswürdigkeit und Grazie vereinte . Auch Rosa war wieder eingeladen , denn es war so sehr Mode geworden , sie improvisieren zu hören , daß sich beinahe keine gesellige Zusammenkunft mehr denken ließ , bei der sie nicht gegenwärtig gewesen wäre . Der Nachklang der seligen Morgenstunde verklärte sie am Abend mit besonderem Liebreiz , und als Prinz Waldemar mit seinen Gefährten eintrat und sie mit freundlich strahlendem Blick grüßte , während die Dame des Hauses und andere Bekannte ihn in Anspruch nahmen , da fühlte sie , wie es in ihr wogte von dichterischem Können und wie die Begeisterung in ihr die Flügel schwang , um sie in das Reich der Poesie zu tragen . Jetzt erschien auch die Herzogin , in Schönheit strahlend wie eine Göttin , am Arm ihres Gemahls . Es lag ein besonderer Glanz auf ihrem Angesicht , eine stolze Überlegenheit und anscheinend tiefe Ruhe ; aber wer schärfer beobachtete , konnte sehen , wie in den dunklen Glutaugen ein mehr als gewöhnliches Feuer brannte und wie sie suchend umherschweiften , während sie huldvoll die