und im Tone größter Ueberraschung ausrief : » Hinaus in alle Welt , um aller Welt zu sagen , daß alle Welt ihr Ich verloren habe ? Effendi , Effendi , was höre ich aus diesem deinem Munde ! Wer hätte das gedacht ! Auch ich war ein Ich-Erzähler . Auch ich sandte meine Gedanken hinaus in alle Welt , um - - - doch nein ; davon später ! Ich kannte dich nicht . Ich ahnte nur von dir . Es war , als ob ich einem innern Befehle folgen müsse . Und nun sind wir einander gleich , so gleich , so außerordentlich gleich ! Wirklich ? Wenn in allem , so doch in Einem nicht ! Ich bin ja noch nicht fertig , dich zu fragen ! Mache dich bereit , jetzt die Hauptfrage zu hören ! Sie ist fast unglaublich ! Soll ich sprechen ? « » Ja ! « » Hier hängt das Eigentum von Kara Ben Nemsi . Willst du mir das alles schenken ? So schenken , daß ich es behalten kann ? Es ist dann nicht mehr dein . Du bekommst es nie im Leben wieder in die Hände . Es bleibt für alle Zeit in dieser Rumpelkammer , und keinem Menschen wird es je gezeigt ! « Was war das für ein Blick , den er in mein Gesicht förmlich bohrte ? Ich mußte an Ahriman Mirza denken , den Teuflischen ! Schaute etwa dieser Verführer mich jetzt aus den funkelnden Augen des Ustad an ! So höllisch erwartungsvoll ! Ja , es war eine große , eine hochbedeutende Frage , welcher ich da gegenüberstand . Ich begriff den Ustad . Die ganze Hölle , gegen welche er einst vergeblich gekämpft hatte , schaute mich jetzt mit diesem seinem Blicke an . Aber ich konnte ruhig sein . Mich sollte sie nicht hindern , den Weg zu gehen , den ich mir ja schon längst vorgezeichnet hatte . Es wurde mir nicht schwer , mich zu entscheiden . Ich hielt dem Ustad meine Rechte hin , schaute ihm ruhig lächelnd ins Gesicht und sagte : » Gieb mir deine Hand ! « » Nun ? « fragte er schnell , indem er sie mir reichte . » Was hast du beschlossen ? « » Wie gern erfülle ich dir deinen Wunsch ! Nimm alles hin ! Es sei dein Eigentum ! « » Alles - alles ? « rief er in unbeschreiblicher Verwunderung . » Alles ! « » Aber weißt du , was du thust ? ! Du hörst auf , zu sein , was du warst und was du bist ! Du kannst nie wieder solche Bücher schreiben , wie du geschrieben hast ! Du stirbst ! Du mußt ein völlig andrer werden ! Hältst du trotzdem dein Wort ? « » Ich halte es ! « » Unglaublich ! Ich erinnere dich noch einmal an die Folgen , Effendi ! - Bist du berühmt ? « » Pah ! Man spricht von mir . So lange man mich aber nicht begreift , muß es mir gleichgültig sein , was man redet . Wenn man mich falsch versteht , spricht man von einem Falschen , doch aber nicht von mir ! « » Das klingt so wahr , doch aber auch so kühl ! Fast möchte ich es verächtlich nennen ! Bedenke aber , Effendi : Wenn du nicht mehr in dieser deiner bekannten Weise schreibst , wird man gar , gar nicht mehr von dir sprechen ! Dann bist du tot , tot , tot ! « » Du armer , armer Ustad ! Was hast du doch für irrige Begriffe von dieser Art von Leben und dieser Art von Tod ! Ich habe mich dir geschenkt , so , wie ich da an diesen Nägeln hänge . Diese Embleme meiner bisherigen Thätigkeit , sie sind - - - ich ! Das Ich , welches ich war ! Bin ich nun tot ? « » Ja ! « » Du irrst ! Ich ging in diesem Augenblicke in ein anderes Leben über , und dieses andere wird ein höheres , schöneres , edleres , unendlich wertvolleres sein . Ich schrieb eine Menge Bücher . Ich ließ mein Ich in ihnen sprechen . Ich wurde nicht verstanden . Ich gab das Köstlichste , was es auf Erden giebt , in irdenem Gefäße . Ich füllte diese Schalen mit einem Rätsel an und ließ die Menschheit trinken . Es tranken Hunderttausende daraus , doch allen war der Trank nichts als nur Wasser . Die Schale täuschte alle ! Ich hatte es den Menschen zu bequem gemacht . Man trank gedankenlos und lachte mich dann aus . Das ist der große Fehler , den ich mir vorzuwerfen habe , weiter nichts ! Der Sterbliche trinkt lieber Sumpfwasser aus goldenen Gefäßen , als Himmelsnektar aus nur irdenen . Da stieg in mir ein heißes Wallen auf . Es griff ein heiliger , wenn auch stiller Zorn in meine Seele . Nicht daß ich diese irdenen Gefäße nun zertrümmerte , o nein ! Ich nahm mir vor , nun goldene zu geben , doch mit demselben Trank , den man für Wasser hielt . Ich habe mir das Gold dazu auf diesem Ritt geholt , der mich zum geistigen Haupt der Dschamikun geführt . Du ahnst wohl nicht , wo ich hier suchte und wo ich es fand . Von heute an werde ich im hohen Hause schreiben - - - ganz anders als bisher . Und hat man es erkannt , wie thöricht man einst war , so wird man dann zurück nach jenen Schalen greisen , die man zur Seite stellte . Dann leben meine alten Werke auf . Man wird sie mit ganz andern Augen lesen ; die Seele tritt hervor , die tief in ihnen lebt . Und wenn man erst den Geist erkennt , der mir die Feder gab , dann wird sie dieser Geist in alle Häuser