gewählt werde , bestehend aus zwei Kapitalisten , zwei Reichsratsabgeordneten und zwei Schriftstellern , welche über die Redaktion , über die Annahme und Ablehnung von Artikeln als oberstes Zensuramt und als entscheidende Instanz eingesetzt würde . Diese Wahl wurde auf die nächste Sitzung anberaumt , denn es war mittlerweile Essenszeit geworden , und der Hunger ist stärker als die Liebe - namentlich als die Liebe zu einem geistanstrengenden Unternehmen . » Ich bin dabei , « sagte der Vorsitzende , » konstituieren wir unser Zensurkomitee das nächstemal und dann soll auch die finanzielle Frage endgültig gelöst werden . Und somit - « » Vor Schluß der Sitzung bitte ich noch ums Wort ! « unterbrach Bresser mit erregter Stimme . Einige der Herren , die schon im Aufstehen begriffen , setzten sich wieder . » Also bitte , Herr Bresser , « sagte der Vorsitzende . » Ich wollte einfach meinen Austritt anmelden . Der Verlauf , den die heutigen Verhandlungen genommen haben , zeigt mir deutlich , daß unser ursprünglicher Plan ganz fallen gelassen wird . Was an dessen Stelle getreten , macht es mir unmöglich , mitzuhalten . Der Verlust wird für die anderen kein großer sein - ich habe ja kein Kapital und auch keinen berühmten Namen einzusetzen ... Nur Arbeitslust hätte ich mitgebracht und Begeisterung für gewisse Ideen . Die Arbeitslust ist verschwunden , denn gerade die Ideen , die in meinen Augen den Sinn und den Zweck des neuen Blattes abgaben , würden der neubeschlossenen Zensur zum Opfer fallen . Der Begriff Zensur an sich stößt schon alles um , was ich von diesem Blatt geträumt hatte . Wir sollen für die Freiheit wirken und selber nicht frei sein ? Nun - heute besitze ich noch meine volle Freiheit , ich benutze sie , um - ich wiederhole es - mich von dem Unternehmen zurückzuziehen . « Sprach ' s , empfahl sich und ging . VIII Die Kapelle im Schloß Brunnhof war reich mit Grün Blumen geschmückt . Die Glashäuser waren geplündert worden und hatten alle ihre Oleander- und Orangen- und Palmenbäume in Kübeln hergeben müssen , um den Hauptaltar zu umrahmen . Und an die hohen Wachskerzen , die in den silbernen Kirchenleuchtern brannten , waren weiße Schleifen , Rosen und Kamelien befestigt . Die Rosen , mit welchen man auch in reicher Fülle die Altarstufen bestreute , waren aus Wiener Blumenhandlungen geschickt , denn in Brunnhof - man schrieb den 12. November - blühten keine mehr . Vom Eingang der Kapelle bis zu den Betschemeln des Brautpaares lief ein roter Plüschteppich und auch die ersten Reihen der Kirchenbänke waren mit rotem Stoffe ausgeschlagen . Schon füllten sich die hinteren Bänke mit den Dorfbewohnern - in der nächsten Viertelstunde mußten die Herrschaften kommen . Die festgesetzte Stunde - elf Uhr - schlug eben von der Schloßuhr herab . In der Sakristei warteten , in vollem Ornat , der Prälat des benachbarten Stiftes , der unter der Assistenz des Pater Protus und dessen Kooperators die Trauung vollziehen sollte . Auf dem Chore saßen und standen die Musiker und Sänger bereit - tüchtige Kräfte aus Wien . Unterdessen hatten in einem Saale des Schlosses die Hochzeitsgäste sich versammelt . Es fehlten nur noch die Braut und ihre Mutter . Die ganze Gutsnachbarschaft war eingeladen worden und außerdem noch Verwandte aus Wien und von weiterher - im ganzen etwa sechzig bis siebzig Personen . Ein Schwarm junger Komtessen , Sylvias Ballgenossinnen der verflossenen Wintersaisons , unter ihnen die vier Brautjungfern in gleichen rosa Kleidern ; - die Damen alle in lichten Toiletten , zwar hoch und mit geschlossenen Hütchen , aber dennoch mit Schleppe und Schmuck ; die Herren in Galauniform oder Frack , die meisten mit Ordenskettchen im Knopfloch . Man stand in Gruppen umher und lebhaftes Stimmengewirr füllte den Raum . In einem Nebensaale , zu dem die Türen offen standen , waren die Brautgeschenke ausgestellt : zwei lange Tische voll Schmuckkapseln , silberne Toilette- , Tisch- und Teegarnituren , Vasen , Fächer , Spitzen , Lampen , Gürtelschnallen und Sonnenschirmgriffe aus Gold und Edelsteinen und sonstigen Kostbarkeiten . Alles das hatte die Gesellschaft schon vor einer Stunde bewundert ; jetzt standen vor der gehäuften Pracht nur noch zwei der jungen Mädchen , und ein stiller Neid , gemildert durch die Hoffnung , daß die Zukunft ihnen ähnliches bescheren werde , erfüllte ihre eitlen Seelchen : - ach , solche schöne Dinge besitzen , solche Brillantsterne im Haar , solche Perlenschnüre um den Hals - aus solchen Kannen den Tee eingießen , im eigenen Salon ; vor solchen Spiegeln sich frisieren lassen , » Frau « genannt werden , Pferd und Wagen besitzen , Loge in Oper und Burg , und - nebstbei - auch noch einen verliebten Mann : so wundervolle Dinge gibt es auf der Welt , und gerade so wie sie heute der Sylvia zugefallen , werden sie nächstens auch ihnen zuteil . Das ist ja Tribut , den das Schicksal allen Töchtern der » Gesellschaft « sozusagen schuldet ... Die Gespräche der Herren im Saale drehten sich fast ausschließlich um die Jagd . Es war ja eben die Jahreszeit , da man von einem Schloß zum anderen fuhr , um Hasen , Rehe und Fasane zu erlegen , und einer erzählte dem andern , oder fragte , bei wem gestern gejagt worden , und bei wem morgen gejagt werde und wieviel man dort geschossen habe und wieviel da . Einige waren so glücklich , von kaiserlichen und erzherzoglichen Jagden erzählen zu können , an denen sie teilgenommen hatten , oder die ihnen bevorstanden . Rudolf , der Hausherr , brachte Einladungen zu den Brunnhofer Jagden vor , die vom 21. bis 23. November stattfinden sollten . Auch in die Unterhaltung der Damen mischte sich häufig das Wort » Jagd « . Wenn auch nur wenige unter ihnen waren , die sich aktiv , mit dem Gewehr auf der Schulter , an dem Sport beteiligten , so gehörte doch die ganze