Pyramide des Cekrops von allen Seiten , denn das himmlische Licht stand nun oben grad über der Spitze der Pyramide , in der Cekrops - oder ein andrer Pharao - seinen langen Schlaf schlief . Eulen flogen wieder fauchend an der Pyramide vorüber . Wilde Träume hatten mich geplagt . Ich schwebte immerzu zwischen großen , papiernen Hampelmännern herum - die schrieen immer , während unsichtbare Hände unten an ihren Strippen zogen , daß die papiernen Arme nur so flatterten - ja - die Hampelmänner - die schrieen immer : » Wir leben ja gar nicht , aller Lebensschmerz ist pure Einbildung ; der Schmerz ist Öl . « Und ich sah , wie Öl von den Hampelmännern heruntertroff- und unten ein großes Ölmeer erzeugte - das plötzlich zu brennen anfing . Und abermals hoben mich unsichtbare Hände auf und schwebten mit mir durch festlich strahlende Steingewölbe , in denen die Wände und Säulen funkelten wie Brillanten . » Ist dieses Reich nicht herrlich ? « Also riefen die Unsichtbaren . Und ich sagte : » Das habe ich mir Alles schon tausendmal in meinen Träumen zusammengedacht . « Nachdem ich dieses gesagt hatte , saß ich wieder einem kleinen Nilpferdchen gegenüber , und das meinte lächelnd : » Jetzt träumst Du nicht mehr ! Ich bin der Oberpriester Lapapi und möchte mit Dir über Deine Nußbaumtorte reden . Wie kommst du nur dazu , einem alten ägyptischen Priester eine so fadenscheinige Weisheit in den Mund zu legen ? « Ich war nicht im Stande , was Vernünftiges zu erwidern , und bat nur höflich um Entschuldigung . Und da nickte der Oberpriester und offerierte mir eine dunkle Cigarre . » Rauch nur , « flüsterte er lächelnd , wobei seine großen weißen Zähne mich anglänzten , » zuerst mal Dein Frühstück auf . Und dann wollen wir weiterreden . « Ich tat , wie er mich geheißen . Die Cigarre brannte gleich - ohne Schwefelholz . Und während ich rauchte , lief Lapapi im Zimmer herum und meinte hüstelnd : » Hm ! Hm ! Wenn ich jetzt was zu lesen hätte ! « Nun - ich verstand die Anspielung . Und es dauerte nicht lange , so hatte der Lapapi was zu lesen . Der alte Mörder Ein Gemütsmärchen Epheu rankte sich über das alte Gemäuer der stillen Ruinenwelt . Und es war einmal ein Mörder . Der mordete ohn ' Unterlaß . So manchem Menschen-Dasein machte er ohn ' Erbarmen ein blutiges Ende . Der Mörder mordete stets mit seinem langen kostbar ciselierten Patriarchendolch . Dunkelgrüne Epheublätter fielen auf den Erdboden . Als nun der Grausame nach harter Tagesarbeit wieder einmal des Abends seine Stammkneipe betrat , brachte ihm der Wirt Wasser zum Abwaschen des vielen Menschenbluts und Wein zum Ausspülen des Magens . Und während der Wirt seinen Gast eifrig bediente , fragte er so nebenbei : » Sagen Sie mal , lieber Herr Mörder , warum morden Sie stets am Tage ? In der Nacht kann man doch viel gemütlicher morden . « Frische hellgrüne Epheublätter schwebten durch die Stube zum Fenster hinaus . Und nach einer langen Weile sprach darauf der alte Gewohnheitsmörder folgendermaßen : » In meinen Jugendjahren , als ich noch ein Mörderjüngling war , pflegte ich nur des Nachts zu morden . Da traf es sich mal , daß ich einem alten Wuchrer im Walde auflauerte . Die Nacht war dunkel , und ich bekam nachher den Jammerkerl zu packen . Ich schlug ihm gleich mit der Faust so feste unter die Nase , daß ihm alles Reden verging . Und dann mordete ich , so wie ich ' s gewohnt bin . Den Leichnam schmiß ich mitten auf die Straße , denn Totengräber spiele ich nicht gern ; die vielen Epheublätter wirken nicht angenehm auf mein Gemüt . Was aber mußte ich zwei Tage nach dem Morde hören ? Ich mußte hören , daß ich aus Versehen den ärmsten Mann der ganzen Gegend totgestochen hatte - und daß der Wuchrer entkommen war . Das ergriff mich furchtbar , und ich habe geweint wie ein kleines Kind . Nein - einen armen Mann töten , ist ein Verbrechen . Einen Wuchrer töten ist eine gute , brave Tat . Und so morde ich , jetzt nur noch am hellen , lichten Tage . Man sieht dabei sofort , ob es auch nötig ist , solchen Kerl totzustechen . Mancher Lump verdient bloß eine tüchtige Tracht Prügel . Ich renke manchmal den Schuften nur die Arme oder die Beine aus und laß sie dann laufen ; die also Bestraften vergessen die Lektion nicht so leicht und bessern sich gemeinhin . « Der Wirt nickte freundlich , und die Frau Wirtin brachte dem Herrn Mörder Eisbein mit Sauerkohl und gutes Lagerbier dazu . Dunkle Epheuranken schwankten vor den Fenstern der Schänke . Der Mörder sah die Ranken nicht ; er trank nach dem Abendbrot noch eine kleine Weiße mit Kümmel und ging dann hinaus in den Mondenschein , allwo viele schlechte Menschen spazieren gingen den Berg hinauf - bis zur stillen Ruinenwelt , wo der dunkle Epheu mächtig wucherte . Aber der Mörder beschmutzte seinen Dolch nicht ; das nächtliche Morden hatte er sich ganz abgewöhnt . Das war damals , als noch Richter , Staatsanwalt , Henker und Rechtsanwalt dem Namen nach unbekannt waren auf Erden ; die Justizpflege war noch von patriarchalischer Einfachheit . Heute gibt es solche Leute , die mit so viel edlem Anstande wie unser alter Mörder morden , nicht mehr . Grüne Epheublätter fallen auf den Erdboden . Trauermarsch Langsam schreiten die Gerippe , klappern im Takte mit ihren Knochen , schreiten schweigend mit Fackeln in der Knöchelhand durch die Straßen der großen Stadt . Es ist Nacht , Alles sehr einsam , und von Zeit zu Zeit erschallt wieherndes Gelächter . Sind ' s die Gerippe , die so scheußlich lachen ? - oder lachen die Menschen , die aus den Fenstern rausgucken und dem Trauermarsch