deine Frage zu beantworten . Sie würden vielleicht auch nichts weiter sagen können , als daß im Sterben die Seele von dem Leib geschieden wird . « » Von ihm geschieden ! Wo kam sie her ? Wurde sie ihm gegeben ? Ist sie in ihm entstanden ? Was hat sie in ihm gewollt ? Geht sie gern von ihm ? Oder thut ihr das Scheiden von ihm weh ? « » Lieber Halef , ich bitte dich , von diesem Gegenstande abzubrechen ! Was Gott allein wissen darf , das soll der Mensch nicht wissen wollen ! « » Woher weißt du , daß nur Allah es wissen darf ? Das Sterben ist ein Scheiden . Ich darf ja wissen , wohin mich dieses Scheiden führen soll , nämlich in Allahs Himmel . Warum soll es mir verboten sein , zu erfahren , in welcher Weise dieser Abschied vor sich geht ? Höre , Sihdi , während du in der vergangenen Nacht schliefest , habe ich darüber nachgedacht . Soll ich dir sagen , was mir da in den Sinn gekommen ist ? « » Ja . Sprich ! « » Ich bin der Scheik der Haddedihn , ein in der Dschesireh sehr reich gewordener Mann . Worin besteht mein Reichtum ? In meinen Herden . Da sendet mir der Sultan einen Boten , durch welchen er mir sagen läßt , daß ich nach drei oder fünf Jahren in die Gegend von Edreneh ziehen soll , um Rosen zu züchten , welche mir den Duft ihres Oeles zu geben haben . Was werde ich thun ? Kann ich meine Herden mitnehmen ? Nein . Ich werde sie nach und nach aufgeben , um mir an ihrer Stelle anzueignen , was mir dort in Edreneh von Nutzen ist . Und wenn ich das gethan habe , so kann ich , wenn die Zeit gekommen ist , aus meinem bisherigen Lande scheiden , ohne mitnehmen zu müssen , was im neuen Lande mir nur hinderlich sein würde . So ist es auch beim Sterben . Ich wohne in diesem Leben , doch Allah hat mir seine Boten gesandt , welche mir sagen , daß ich für ein anderes bestimmt bin . Nun frage ich mich , was ich in jenem anderen Leben brauchen werde . Früher glaubte ich , es sei nichts weiter nötig , als nur der Kuran und seine Gerechtigkeit . Aber ich lernte dich kennen und erfuhr , daß diese Gerechtigkeit bei Allah nicht einen Para Wert besitzt . Ich weiß jetzt , was ich hier hinzugeben und was ich mir dafür für dort einzutauschen habe . Ich will Liebe anstatt des Hasses , Güte anstatt der Unduldsamkeit , Menschenfreundlichkeit anstatt des Stolzes , Versöhnlichkeit anstatt der Rachgier , und so könnte ich dir noch vieles andere sagen . Weißt du , was das heißt , und was das bedeutet ? Ich habe aufzuhören , zu sein , der ich war , und ich habe anzufangen , ein ganz Anderer zu werden . Ich habe zu sterben , an jedem Tage und an jeder Stunde , und an jedem dieser Tage und an jeder dieser Stunden wird dafür etwas Neues und Besseres in mir geboren werden . Und wenn der letzte Rest des Alten verschwunden ist , so bin ich völlig neu geworden ; ich kann nach Edreneh , nach Allahs Himmel gehen , und das , was wir das Sterben nennen , wird grad das Gegenteil davon , nämlich das Aufhören des immerwährenden bisherigen Sterbens sein ! « Nachdem er dies gesagt hatte , sah er mich erwartungsvoll an . Ich war nicht nur erstaunt , ich war sogar betroffen . War es denn möglich , daß mein Hadschi derartige Gedanken hegen und solche Worte sprechen konnte ? ! » Halef , sag mir aufrichtig : Bist du krank ? « fragte ich ihn . » Krank ? « lächelte er . » Du meinst im Kopfe ? Ist das , was ich gesagt habe , so thöricht gewesen ? « » Nein . Unklar zwar , aber so gut , so gut ! Ich meine körperlich krank . « » Ich sagte dir doch schon , daß ich gesund bin . Ein klein wenig matt bin ich seit gestern , und heut drückt etwas gegen meine Stirn . Die Sonne schien an diesen beiden Tagen gar so heiß . Das ist der Grund . Zu sagen hat es nichts . « » Und anstatt zu schlafen , hast du deinen Gedanken nachgehangen . Wir werden heut eher als gewöhnlich Rast machen . Dir ist Ruhe nötig . Komm ; reiten wir weiter ! « Es ging nur langsam in das Thal hinab , und dann folgten wir dem Regenbette , dessen Windungen uns wieder aufwärts führten . An einer schmalen Stelle ritt ich voran , als hinter mir ein lautes , zitterndes » Huh u uh ! « erklang . » Was war das ? « fragte ich , indem ich mich umdrehte . » Mich fror ganz plötzlich , « antwortete Halef . Ich sagte nichts , aber ich begann , besorgt um ihn zu werden . Der wackere Hadschi besaß eine fast ebenso eiserne Gesundheit wie ich selbst , doch war es sehr leicht möglich , daß er während unseres Aufenthaltes in dem höchst ungesunden Basra einen Ansteckungsstoff in sich aufgenommen hatte , der nun in ihm zu wirken begann . Als wir höher kamen , erhob sich ein scharfer Wind . Die Nacht versprach sehr kalt zu werden , und das Gesicht Halefs zeigte eine Entfärbung , die mir nicht gefiel . Ich wünschte sehr , baldigst an eine vom Zuge freie Stelle zu kommen , wo wir zur Nacht bleiben konnten . Dieses Verlangen wurde auch sehr bald erfüllt , wenn auch in anderer Weise , als ich erwartet hatte . Wir erreichten das Ende oder vielmehr den Anfang des Regenbaches . Zwei Bergeshänge stießen zusammen und bildeten ein Becken , dessen