Schluchten dumpfes Donnergetöse . Kaidôh reisst weit seine beiden Augen auf , dass sie leuchten wie Phosphorsonnen und aussehen , als sähen sie Unsägliches . Der Mondschein zergeht . Oben im Himmel erscheinen viele Sterne . Und ganz hinten über den sieben Schluchten erscheinen sieben ungeheure Sternriesen mit Raketenarmen und unzähligen Köpfen , die goldene Hörner haben , und bunte Brillantenaugen . Die Leiber der Riesen sind goldene und silberne Astknorren , um die sich Opalschlangen winden . Und alles funkelt und glitzert . Die blauen und roten und grünen Sternfarben brennen gewaltig in die Nacht hinauf . Die Bergnasen und die Schluchten sind dunkelbraun und nicht sehr hell . Kaidôh sagt leise : » Nun will ich das Letzte ! « Da spricht der Sternriese , der zuerst erschien : Ja ! Wir Grossen preisen nie das Letzte , Denn das Letzte giebt es nicht . Wen das Unbegreifliche verletzte , War noch nie ein Rauschgedicht . Kaidôh versucht , seine Arme zu heben , und will damit sagen , dass er auch das Unbegreifliche empfangen wolle mit weit offenen Armen . » Es muss aber doch einen Abschluss geben ! « ruft er heftig beim Armheben aus . Und der zweite Sternriese erwidert ihm : Das Unaufhörliche durchlacht auch diesen Raum , Und nur ein Farbenspiel ist jeder Todestraum . Kaidôh bemerkt , dass die Sternriesen ganz einfach sprechen - trotz ihrer vielgestaltigen Körper . Und er fühlt , dass ihm die einfache Sprache der Sternriesen so wohl thut - er wollte ja das Einfache . Nun wird ihm die ganze Welt immer einfacher . Und er will nur noch das , was doch geschieht . In seiner Nähe weilt wieder seine Liwûna . Wohl sieht er sie nicht , jedoch er fühlt sie wie einen kühlen Luftzug , und sie spricht feierlich : » Jetzt kann ich dich verlassen . « Und sie thut , wie sie sagte . In der Ferne hört er sie noch einmal in schweren Tönen rufen : » Kaidôh ! Kaidôh ! « Er will sie noch einmal sehen und ruft : » Liwûna ! « Indessen - nur Echos antworten in der Ferne . Wie die Echos nur noch ganz schwach aus der weiten Ferne über die Berge herübertönen , spricht Kaidôh still zu sich selbst : » Ist Liwûna ein Echo geworden ? Ein Allecho ? Ein Sehnsuchtsallecho ? « Und er denkt über die Sehnsucht nach und möchte wissen , ob ihre Macht so weit reicht wie Zeit und Ewigkeit . Und der dritte Sternriese giebt ihm Antwort - in leichten Worten - diesen : Nur wo immer viele Dinge Gründlich sich verändern sollen , Fühlt die Sehnsucht sich zu Hause . Ist der Wandel der Erscheinung Gründlich eingeleitet worden , Macht die Sehnsucht , dass sie fortkommt . Kaidôh hebt seine Arme höher und versucht , die Finger noch immer weiter auszuspreizen - ihm ist , als würden sie immer länger . Und er fühlt sich so frei . Er spricht nach ein paar stillen Augenblicken hart und deutlich : » Der Schatten ist fort . Nun ist alles einfach . Ich bin allein . « Und der zweite Sternriese flüstert , dass es zischt : Doch glaube nicht , Dass dies das Letzte sei . Dem Letzten folgt Noch immer mancherlei . Aus den Schluchten dringen Töne an sein Ohr , die er nicht versteht - sie sprechen von Tod und Einsamkeit - von rasendem Rausch und festlichem Zusammenbruch . Und die Töne stören den grossen Kaidôh ; er empfindet , dass er bereits in seiner gewaltigen Stunde lebt - und er empfindet gleichzeitig schmerzlich , dass dem Gewaltigen noch etwas fehlt - dass es noch nicht voll ist - dass ers noch nicht vollendet nennen kann . Er hebt die Arme höher und höher . Es wird heller auf den Bergnasen und in den Schluchten , die den grossen Kaidôh wie Radspeichen anmuten . Und der fünfte Sternriese brüllt heftig : Es giebt auch keine vollendeten Sachen ; Die Kugeln drehen sich zu viel , Die Weisen müssen zu viel lachen . Ein Ahnungsspiel entwickelt sich vor Kaidôhs Augen ; er bildet sich ein , Geister zu bemerken und diese Geister mit Sinnen wahrzunehmen , die er bislang nicht gekannt und nicht besessen hat . Und er hat die Ueberzeugung , tiefer ins All blicken zu können , und es durchzuckt ihn : er erkennt in der Tiefe des Alls einen grossen Riesen , der ganz allein da sitzt und sich nicht rührt . Und er hält diesen einsamen Riesen für die grosse Ruhe , die da kommen soll in dem Reich , das weder Licht noch Schatten kennt . Und er bildet sich trotz allem wiederum ein , das Ganze verstanden zu haben . » Er ist allein und ruhig ! « sagt Kaidôh . Aber der sechste Sternriese brüllt wie ein Donnerwetter : Auch in jenem Jenseits , Das wir hinter Licht und Schatten wissen , Ist die grosse Welt kein Ruhekissen ; Das Unaufhörliche kann nie vollendet sein . Durch Schlaf und Tod gehts nur zu neuer Lebenspein - Aber auch zu neuer Lebenslust - Kaidôh hebt die Arme ganz hoch , dass sich seine Hände hoch überm Kopfe beinahe berühren . Er wartet auf einen Augenblick , der gewaltiger ist als alle andern . Die Sternriesen verblassen allmählich . Die Bergnasen kommen noch näher . Der siebente Sternriese spricht - mit abgewendeter Stimme : Wo du auch hinüberfliehst , Niemals kommst du an das letzte Ziel ; Preise jede Welt und auch die Sterne . Alles , was du hier so siehst , Ist ja nur ein feines Lichterspiel , Eine grosse Wunderweltlaterne . Und Kaidôh fühlt , während die Bergnasen immer näher und näher kommen - auf seinen Fingerspitzen und auf seiner Kopfhaut einen scharfen Druck . Und er fühlt Boden unter seinen Füssen . Rauschende Lichtfülle bricht hernieder und macht die Bergnasen und die Schluchten ganz hell - so hell