der unrechten Stelle steht ! Mein ganzer Ruhm ist hin ! Man wird mein Ich für ungeheuer rücksichtslos halten und mich mit Recht der unhöflichen und also unverzeihlichen Zurückstellung deines dir mit vollstem Rechte gehörenden Du beschuldigen ! Die Ehre meiner bescheidenen Unterwürfigkeit ist hingeschwunden und der Glanz meiner schönen Umgangsform in Finsternis verwandelt ! O Sihdi , warum , warum hast du das mir , deinem treuen Halef , angethan ! « » Du hast es so gewollt . Ich sollte dich ja nicht anders beschreiben , als du bist ! « » Das ist wohl wahr ; aber als ich diesen Wunsch aussprach , war mir das Mich und Dich ganz unbekannt . Nun ist dein Hadschi Halef im ganzen Abendlande ein anrüchiger Mensch geworden , und all mein einstiger guter Ruf hat sich in Schimpf und Schmach verkehrt . Ich bin eine verdorbene Wassermelone , ein fauler Apfel , ein wurmstichiger Buchecker geworden , den kein Sindschab47 verzehren mag ! Sei gütig gegen mich , Effendi , und sag , ob das nicht noch zu ändern ist ! « » Was einmal im Buche steht , kann leider nicht daraus entfernt werden ! « » Aber wie da , wenn du ein neues schreibst ? « » Da will ich dir ganz gern deinen Wunsch erfüllen und zeigen , daß du dich geändert hast . Nur muß diese Aenderung auch Wahrheit sein ! « » Sie wird es sein ; das verspreche ich dir ! Da du mein Freund bist , muß es doch wohl mich und dich betrüben , wenn - - - « » Halt ! « unterbrach ich ihn . » Da eben hast du wieder mich und dich gesagt und dich vorangestellt ! « » Sihdi , glaube mir , ich wollte hinterherkommen , bin mir aber in der Eile so verkehrt aus dem Munde gefahren , daß du keinen Platz gefunden hast , vor mir zu erscheinen . Ich bitte dich , mich stets und sofort zu erinnern , wenn du den Vorrang nicht bekommst , der dir gebührt ! Also diese Zurücksetzung des Dich hat mich bei dir um meinen Ruhm gebracht ? « » Nicht um den Ruhm gebracht ; ich habe nur sagen wollen , wie bezeichnend sie für dich und deine Art und Weise ist . Das war die Bestrafung deiner Unüberlegtheit im Verhalten zu el Ghani . Deine Peitsche heut kann uns sehr viel , sogar das Leben kosten . Er ist Araber , also rachsüchtig , und sodann gar Scherif ! Hast du denn die grüne Farbe seines Turbans nicht beachtet ? « » Sihdi , es wurde mir vor Zorn so grün vor den Augen , daß die Farbe des Turbans sich gar nicht extra unterscheiden ließ . Ich hoffe doch , daß du , wenn du unser Zusammentreffen mit den Mekkanern beschreibst , mich und die Kurbadsch nicht mit erwähnst ? « » Hm ! Diesen Gefallen möchte ich dir wohl gern thun , glaube aber , daß es mir nicht möglich sein wird . « » Warum nicht ? « » Weil sich wahrscheinlich die Folgen deiner schnellen Handlungsweise einstellen werden , und wenn ich von diesen erzähle , muß ich auch die Ursache , deine Peitsche , erwähnen . « » Das thut mir leid , sehr leid ! Du kannst dir doch denken , daß ich nicht gern als ein Mensch beschrieben sein will , der nichts als Dummheiten macht ! « » So hüte dich , welche zu begehen ! « » Das mir zu sagen , ist wohl leicht ; aber wenn es mir in der Zunge oder in den Gliedern zuckt , so springt die Katze heraus , ehe ich sie festhalten kann . Es ist mir aber ein gutes , ein sehr gutes Mittel der Bedachtsamkeit eingefallen , vorhin , als du die Bücher erwähntest . Ich habe mir vorgenommen , in diesen Büchern von jetzt an als leuchtendes Vorbild reiflicher Ueberlegung und ernster Behutsamkeit zu glänzen ; ich werde keinen Finger mehr eher bewegen , als bis ich mir ganz genau berechnet habe , welcher von den zehn , die ich besitze , es sein muß . Dabei aber mußt du mich als Freund unterstützen , indem du mich sofort an die Bücher , welche du noch schreiben willst , erinnerst , falls ich mich in Gefahr befinde , etwas zu sagen oder zu thun , was ich verschweigen oder unterlassen soll . « » Da bin ich einverstanden ; ich werde es gern thun . « » Aber das braucht keiner , der dabei steht , zu bemerken . Darum mußt du vermeiden , mir eine lange Rede zu halten , Sihdi ! « » Hast du mich als einen Freund von langen Reden kennen gelernt , Halef ? « » Nein . Aber auch mir wird ein einziges Wort genügen . « » Welches ? « » Kultub48 . Sag einfach Kultub , so weiß ich , was du meinst , ohne daß ein anderer es erfährt ! Sobald du dieses Wort aussprichst , werde ich sofort daran denken , daß ich den vielen , vielen Lesern deiner Bücher als erhabenes Vorbild und unerreichtes Muster aller irdischen und männlichen Tugenden zu gelten habe . Dieses Wort wird mich im größten Zorne beruhigen , indem es meinen Grimm mit Sanftmut übergießt ; es wird mich in jeder Aufregung , überhaupt in jeder Lage , zur Besinnung und Ueberlegung dessen bringen , daß derjenige Teil der Weltgeschichte , welcher von mir , von meinen Worten und Werken handeln wird , nichts enthalten darf , wodurch der Glanz meines Ruhmes verdunkelt werden könnte . Also nur dieses eine Wort Kultub brauchst du zu sagen , wenn du den wütenden Löwen , der ich zuweilen bin , schnell in ein stilles , geduldiges Lamm verwandeln willst . Dafür bin ich aber auch überzeugt , zur Besänftigung deines Zornes nun alles gethan zu haben , was du von mir