sie nicht einmal Gemeine wird ! Wir haben sehr viele Soldatenländer jetzt , darum ist zum Beispiel bei uns so wenig Verständnis für die Frauenbewegung . Die Militärherrschaft ist ein Zurücksinken auf die Samojedenstufe , und sie hat Samojedengefühle verbreitet . Nein , immer wird es nicht so fortgehn . Oh nein ! 1. Mai . Ein wunderschöner Morgen ! Es hat über Nacht geregnet nach langer staubiger Dürre , und nun ist alles so erfrischt ! Das nasse Gras blinkt , es blinkt das weiche , saftige , milchige Grün an den Bäumen . Noch sind Millionen von Knospen unerschlossen , aber sie harren - sie warten - - Nur die kleinsten Obstbäume und die Spaliere blühn ; die Apfelspaliere ziehen blühende , rosige Guirlanden , Vorläufer der Rosen . Auf den Wiesen leuchtet ' s von Sonnentupfen , vom goldgelben Löwenzahn . Leichter , bläulicher Nebel , lauter süße Verheißung umflort die Ferne , den Horizontrand nehmen zarte , weiße Wolken ein . Sanft blau ist der Himmel , holdes Gezwitscher auf allen Zweigen . Und der feuchte Duft , der vom Boden aufsteigt ! Ein solcher Morgen müßte es sein - solch ein lächelnd heraufgezogener Morgen ! Oh , ich sehe sie kommen , in blonden Flechten und braunen Locken maigrüne Kränze , rosige Wangen , brennend , voll Eifer , voll Lebensglut , Augen , aus denen es strahlt von gutem , heiterem Willen ! In weißen Kleidern die Jungen und die Alten , Rosengewinde tragen sie und Geigen und Flöten , und mit frohen Lauten singen sie das Lied : » Wir sind erwacht ! erwacht ! Wir sind eins , alle miteinander , selige Schwestern . Gebt uns freie Bahn ! Wir wollen unsern Menschenanteil an Eurer Pflicht und an Eurem Recht ! « - » Was wollt Ihr ? « ruft es uns entgegen , » wir verstehn Euch nicht ! « - » Was wir wollen ? wir schreiten an die Wahl , zur ersten Wahl , zur ersten Wahl schreiten wir , - Ihr begreift , daß dieser Tag ein Fest für uns ist ! « - » Das ist Unordnung ! das ist Aufruhr ! « ruft die Polizei . » Nein , das ist Frühling ! das ist ein Fest ! « rufen wir , und wir schreiten vorwärts . Auch Soldaten kommen , auch Soldaten ! » Wir werden auf Euch schießen , « sagen sie , » geht heim , oder wir schießen ! « Wir schwenken die Rosengewinde und werfen nach ihnen mit grünen Zweigen , unablässig tönen die Flöten und Geigen , unerschrocken strahlen die Augen , die rosigen Wangen . Der gute Wille strahlt ! » Ihr werdet nicht schießen , wir sind ja Eure Schwestern ! Und hier sind Eure Frauen , Eure Töchter , Eure Mütter sogar sind mit uns herausgezogen ! Dies ist kein Aufruhr , dies ist ein Fest ! « Sie blicken einander an , - sie zaudern , - sie staunen - sie sehn , da sind ihre Schwestern , ihre Töchter , ihre Frauen , ihre Bräute - sie fangen an zu lächeln . » Was ist das ? was ist das ? « Und langsam lassen sie die Waffen sinken und zielen nicht auf die Wehrlosen , die mit den grünen Zweigen winken ! - Nein , sie schießen nicht . Ich weiß es , ich sehe alles so groß und klar und deutlich vor mir . Schon erhebt da und dort einer die Stimme , um mitzusingen . Aus dem Gliede ist er herausgetreten , um der Braut die Hand zu drücken . So schön hat er sie nie vorher gesehn ! » Meine süße Rebellin ! « ruft er , und ergreift das Rosengewinde , das lässig nachschleift . Hand in Hand gehn sie schon , immer mehr treten aus dem Gliede , folgen dem Beispiel des Ersten . » Mutter ? auch du ? « ruft ein liebevoller Sohn , zögernd , zweifelnd . - - Liebevoll trifft ihn der Blick aus Mutteraugen : » Geleite mich ! « - » Nun in Gottes Namen ! wenn du dabei bist , kann es nichts Schlechtes , nchts Thörichtes sein , ich geleite dich , Mutter ! « - - Oh , schöner , oh wunderschöner Zukunftsmorgen ! Ich jubele und weine und falte die Hände und bete , daß es geschehe und daß ich ' s noch sehe ! Achtzigjährig und auf Krücken , mit wackelndem Kopf - meinetwegen ! Ich würde dennoch jauchzen , jauchzend meine Krücken schwingen und vor dem ewigen Einschlafen mitsingen das Lied : » Wir sind erwacht ! erwacht ! Wir sind eins , alle miteinander , selige Schwestern ! « 4. Juni . So lang nichts aufgeschrieben hier ! Es geht ja nicht , man muß seine Gedanken straff und stät auf die Arbeit richten . Es geht vorwärts , mir gehn immer mehr Lichter auf . Das eilige Fräulein fragte mich neulich in scharfem Ton , wie mir schien , weshalb ich ihren Rat nicht befolge und mich ausschließlich an die Vorbereitung zur Matura halte . Ich konnte ihr die Versicherung geben , daß ich trotzdem noch Zeit habe , einige Kollegien zu besuchen . » Sie haben also jedenfalls viel Arbeitskraft , « sagte sie achselzuckend . Sie schien mir beleidigt , weil ich ihren Rat nicht genau befolgt . Hoffentlich wird sie mir wieder gut , wenn ich bald ein ordentliches Examen mache . Sie sagte mir , sie halte keine Studentin für voll , bevor sie nicht die Matura gemacht , ja sie halte diese , ohne Matura , sogar für gefährlich , für schädlich , gemeinschädlich . » Die Professoren scheren uns dann alle über einen Kamm , halten uns alle für gleich schlecht vorbereitet , « meinte sie . Das schien mir nun überängstlich . Ich möchte sie gern fragen , ob man denn für die abgelegte Prüfung eine Kokarde bekommt