niemals nachher vernommen hat . Die Gäule der Landsknechte heulten mit Tönen , die stundenweit ins Land dringen und rannten unaufhaltsam den Abhang hinunter durch Gestrüpp und über Felsen . Ein junger Reiter , der Sohn des Nürnberger Stadtschreibers , blieb mit seinen langen Haaren an einem Ast hängen , während das tolle Roß weitersauste zur Tiefe . Hilflos , mit stets schwächer werdenden Rufen hing er wie einst Absalom und mußte die Flammen heranschleichen sehen , die ihn beleckten bei lebendigem Leib . Unter den Juden war die Verwirrung so groß geworden , daß viele geradewegs in das Feuer hineinflüchten wollten ; die mit Pferden bespannten Wagen rollten hinter den entsetzt fliehenden Tieren davon und wurden halb zerschmettert ; schmerzliches Stöhnen drang aus allen Ecken und die Zigeuner machten sich den Wirrwarr zu nutze und stahlen , was ihnen unter die Faust kam . In der größten Ratlosigkeit erschien Zacharias Naar . Er stellte sich vor die Fliehenden , erhob die Arme und vermochte ihren Lauf zu hemmen . Er führte sie so sicher durch die Flammen , als ob ihm diese aus Ehrfurcht den Weg frei gäben und alle folgten ihm wie Lämmer dem Hirten , und ruhig zogen die Fuhrleute die Wagen nach . Im Wagen des Maier Knöcker lag ein neugeborenes Wesen auf der bloßen Diele . Rahel , durch die Häufung von Schrecknissen erschüttert , war mit einer Frühgeburt niedergekommen . Sie lag regungslos auf nacktem Stroh , während draußen der große Tumult wie Laute aus einer fernen Welt zu ihr kam . Sie hörte , wie die beiden Ochsen vor dem Gefährt angstvoll blökten ; ein feiner Lichtschein , der stärker und stärker wurde , fiel in den Raum , aber auch das vermehrte ihr Wohlbehagen . Es war ihr , als stünde der Geliebte neben ihrem Lager und streichle sie , und sie sah einen alten , gepreßten Lederdeckel vor sich schweben , den sie oft in seiner Wohnung gesehen hatte , und der etwas Fremdes und Liebliches , etwas Märchenhaftes an sich hatte . Thomas Peter hatte sie oft zum Heiland bekehren wollen , aber was war ihr der Heiland und was war ihr selbst der Gott ihrer Väter neben der Liebe , die sie empfunden ! In ihr sang und klang es stolz von alten Liedern mit einem süßen , hallenden Kehrreim , da der Abend im Mai kommt und die Blüten zart umhaucht und die stille Nacht von Erwartung schwer ist . Holpernd rollte der Wagen gleich den andern unter der Leitung von Zacharias Naar ins Tal . Wortlos kniete Maier Knöcker vor dem Neugeborenen und achtete nicht das durchdringende Quietschen des Wurms . Er war völlig zusammengebogen , der Nathan , und schien nur noch ein Haufen von Kleidern . Er hatte die Fäuste geballt wie zum Schlag und bisweilen zitterte er am ganzen Körper . Das Wesen , das vor ihm sich wand , war ein Knabe . Sonst vermochte er nichts zu denken . In seinem Innern war ein Loch und um ihn herum war es kalt und finster . Ihm gegenüber saß sein Weib . Sie hatte Hilfe geleistet bei der Geburt . Sie war durch nichts bewegt worden . Es schien , als könne sie durch nichts mehr in der Welt überrascht werden , nicht durch Reichtum und Kleinodien , nicht durch Schmerzen und die Wandlungen des blinden Schicksals . Die Bauern standen auf den Feldern und sahen hinauf in die brennende Höhe und in den glühenden Himmel . Scheu wichen sie zurück vor den Juden , die sich langsam zu sammeln begannen . Aus allen Richtungen kamen die Verstreuten und fanden sich mit Freudenrufen ein . Für die Nacht wurde ein Lager bereitet ; die Zigeuner , deren Hilfe jetzt nötig gewesen wäre , waren spurlos verschwunden . Zacharias Naar stand sinnend an einem Ginsterstrauch und lächelte trüb seinem Werk zu , dem brennenden Wald . Noch in der Nacht kam eine große Menge von Bauern , mit Sensen , Beilen und Knüppeln bewaffnet und sie konnten nur mit Mühe und unter großen Opfern an Gold und Silber auf friedlichem Weg zum Abzug bestimmt werden . Am Mittag des nächsten Tages wollte man aufbrechen und den Marsch beschleunigen , um den Feindseligkeiten der Nürnberger zu entgehen und sich zum Weiterzug in den Schutz der Markgrafen von Onolzbach zu begeben . Der Morgen sollte der Bestattung der Toten gewidmet werden . Das Kind des Wolf Batsch und die Frau des Samuel Ermreuther waren in der Eile im Wald liegen geblieben und ihre Leichen waren verbrannt . Die Familie des Elieser war die ganze Nacht an der Leiche des Greises gesessen , während die Frauen an den Sterbekleidern näheten . Auch in den andern Wagen , in denen es Verstorbene gab , blieb das Licht brennen zu den aufrichtigen Tränen der Trauernden . Oft klang der Schrei des Wildes aus der Höhe des Waldes herab , wo sich das Feuer beruhigt hatte ; über der Ruine lag eine Rauchkrone , und die noch glimmenden Stamme leuchteten herrlich in die weite Ebene hinein . Der Morgen kam . Die Gräber waren rasch gegraben , denn das geschieht bei den Juden mit Hingebung , weil sie alles für ein gutes Werk ansehen , was für einen Verstorbenen geschieht . Die Weiber mußten in der Behausung bleiben , sie durften nicht mitgehen bei Begräbnissen , außer den nächsten Blutsverwandtinnen , und denen durfte sich während dieser Zeit kein Mann nähern , weil es hieß , der Engel des Todes tanze mit dem bloßen Schwert vor den Weibern her . Bevor der Körper in den Sarg gebettet wurde , begoß man ihn dreimal mit Wasser , und ein alter Chronist sagt schon , daß dies etwas anderes bedeute , als eine äußerliche Reinigung . Feierlich erklingen dazu die Worte des Propheten : ich will rein Wasser über euch sprengen , daß ihr rein werdet von eurer Unreinigkeit , und von all euren Götzen will ich euch reinigen . Und als