d ' Leut über dös Mädl alles reden ! A solchene Unmoreulidätt , wie dös Mädl hat ! Wirst sehen , es dauert net lang , und es kommt einer daher , so a städtischer Heuschniggl , mit dem sie sich a Ranzewuh geben hat ! « Franzl wurde verdrießlich . » Laß mich in Ruh , du alte Ratschen ! « » No ja , hab ich net recht ? Und allweil muß sie ' s mit die Fremden haben . Es taugt ihr keiner von unsere Buben mehr , seit im letzten Sommer der junge Herr Graf a bißl mit ihr scharmiert hat . Dös Gansl , dös dumme , hat dran glaubt ! Als ob die Herren Grafen fürs Zauner-Lieserl gwachsen wären ! « » Du ! « Franzl wurde grob . » Mei ' Herrschaft laß in Ruh ! « » Hab ich denn was über d ' Herrschaft gsagt ? « staunte die Alte unschuldig . » Ich red vom Zauner-Lieserl . Sie is ihm nachgelaufen wie ' s Hundl dem Jager . Und glaubst mir ' s net , so schau , da kommt der alte Herr Moser , den kannst ja fragen . « Aus einer Senkung des Almfeldes tauchte ein bejahrter Mann hervor , in abgetragener Jägerlivree , mit weißem Schnauzbart im roten Gesicht . Franzl ging dem Alten entgegen . » Hat er ihn schon ? « Verschnaufend schüttelte Moser den Kopf und nahm den Hut ab ; seine mit Schweißperlen besäte Glatze schimmerte in der Sonne . » Nix hat er ! Und fuchsteufelswild is er , weil ihn der Gamsbock zum Narren hat . Hätt er mir gfolgt , er hätt ihn schon lang ! Aber natürlich , jetzt is der Schipper in Gnaden , und der alte Moser kann Brieferln tragen . Der Schipper ! Ja , der Herr Schipper ! « Franzl wurde ernst , als er diesen Namen hörte . Nur um etwas zu sagen , fragte er : » Gehst heim ? « » Der Konteß muß ich a Brieferl nunterbringen , weil der Herr Graf net fort mag von der Hütten . Ich kann ' s ihm net verdenken . So a Trumm Bock mit solche Krucken hab ich meiner Lebtag noch net gsehen ! « Der Alte wandte sich gegen die Berge . » Ich sag , er kriegt ihn net . Hätt er mir gfolgt ! Aber der Herr Schipper natürlich ! Der is der gscheitere . Und der alte Moser wird ausglacht . Es gibt kei ' Grechtigkeit mehr auf der Welt ! « Die Stimme des Alten zitterte . » Tu dich net kränken ! « tröstete Franzl . » Gnau hinschauen muß man , nachher kommt man drauf , daß alles mit Grechtigkeit verteilt is . Schau uns zwei an : ich bin der jünger , dafür bist du der gscheiter , ich hab die mehreren Haar , dafür hast du die schönere Glatzen . « Der Alte lachte . » Ja , Franzl , du haltst noch zu mir ! Aber der Schipper - lassen wir ' s gut sein , ich will nix reden ! Und tu dich nimmer verhalten , Franzl ! Der Herr Graf hat eh schon gscholten , weil so lang ausbleibst . « Franzl erschrak . » Bhüt dich Gott , Moser ! « Er fing zu rennen an . Die Sennerin , die den Schatten des Hüttendaches nicht verlassen hatte , machte vor dem alten Büchsenspanner einen Bückling . » Hab die Ehre , Herr Moser ! Freuen tut ' s mich , daß der Herr Moser wieder amal zuspricht . « Zwinkernd deutete sie mit dem Daumen über die Schulter . » Gsellschaft haben wir , ' s feine Lieserl ist da . « » Was ? Unser Lieserl ? Ah , dös is aber lieb ! « Der Alte trabte zur Hüttentür . Die Sennerin kicherte . » Net schlecht ! So an alter Stieglitz ! Und geht auch noch auf d ' süße Leimruten ! « Inzwischen hatte Franzl den Rücken des Almfeldes überstiegen und erreichte einen Lärchenwald . Der Weg war rauh , so daß dem Jäger bei seiner treibenden Eile der Atem in hastigen Zügen ging . Die Gedanken , die ihn drückten , sprachen aus seinen Augen . » Wie därf er denn schelten ? Ich kann doch net fliegen ! « Die kurze Rast in der Sennhütte war ihm doch nicht zu verdenken ? Man wird sich auf einem fünfstündigen Marsch auch einmal niedersetzen dürfen ? Und drunten hatte er doch den letzten Treiber besorgen müssen . Und es war nicht seine Schuld , daß er den Gang zum Bruckner umsonst getan . Umsonst ? Als Franzl zu diesem Gedanken kam , begannen seine Augen sich aufzuhellen . Jetzt hatte er an was anderes zu denken als an das Gewitter , das ihn in der Jagdhütte erwarten mochte . Zerklüftetes Gestein begann sich über den Wald zu erheben , und der Fußpfad lenkte in eine enge Schlucht . Bald traten die Wände wieder auseinander , und vor dem Jäger lag ein breites Hochtal , in dessen Mitte zwischen Latschengebüsch und Zirbelkiefern das silbergraue Schindeldach der Jagdhütte leuchtete . Auf drei Seiten war das Tal umgeben von steilen Bergzinnen , während gegen die Seite , von welcher Franzl kam , sich ein Ausblick ins Weite öffnete ; dort unten , in unsichtbarer Tiefe , lag der See , und drüben stiegen die Berge wieder auf , Gipfel hinter Gipfel , in immer zarterem Blau . Als Franzl sich der Jagdhütte näherte , sah er zwischen den Latschen etwas blinken wie Goldschimmer . Einen Augenblick zögerte er , dann bahnte er sich durch die wirren Äste einen Weg und kam zu einer kleinen Blöße , auf der ein hohes Rohrstativ mit ausgezogenem Tubus stand . Vor dem großen Fernrohr , das gegen die Mitte einer rauhgeklüfteten Felswand gerichtet war , saß auf niederem Stein ein Jäger :