sich hin und schien schwankend , ob er auf all das antworten solle . Schließlich entschied er sich für Schweigen . » Du hast ganz recht , Effi , wir wollen die langen Gardinen oben kürzer machen . Aber es eilt nicht damit , um so weniger , als es nicht sicher ist , ob es hilft . Es kann auch was anderes sein , im Rauchfang oder der Wurm im Holz oder ein Iltis . Wir haben nämlich hier Iltisse . Jedenfalls aber , eh wir Änderungen vornehmen , mußt du dich in unserem Hauswesen erst umsehen , natürlich unter meiner Führung ; in einer Viertelstunde zwingen wir ' s. Und dann machst du Toilette , nur ein ganz klein wenig , denn eigentlich bist du so am reizendsten - Toilette für unseren Freund Gieshübler ; es ist jetzt zehn vorüber , und ich müßte mich sehr in ihm irren , wenn er nicht um elf oder doch spätestens um die Mittagsstunde hier antreten und dir seinen Respekt devotest zu Füßen legen sollte . Das ist nämlich die Sprache , drin er sich ergeht . Übrigens , wie ich dir schon sagte , ein kapitaler Mann , der dein Freund werden wird , wenn ich ihn und dich recht kenne . « Achtes Kapitel Elf war es längst vorüber ; aber Gieshübler hatte sich noch immer nicht sehen lassen . » Ich kann nicht länger warten « , hatte Geert gesagt , den der Dienst abrief . » Wenn Gieshübler noch erscheint , so sei möglichst entgegenkommend , dann wird es vorzüglich gehen ; er darf nicht verlegen werden ; ist er befangen , so kann er kein Wort finden oder sagt die sonderbarsten Dinge ; weißt du ihn aber in Zutrauen und gute Laune zu bringen , dann redet er wie ein Buch . Nun , du wirst es schon machen . Erwarte mich nicht vor drei ; es gibt drüben allerlei zu tun . Und das mit dem Saal oben wollen wir noch überlegen ; es wird aber wohl am besten sein , wir lassen es beim alten . « Damit ging Innstetten und ließ seine junge Frau allein . Diese saß , etwas zurückgelehnt , in einem lauschigen Winkel am Fenster und stützte sich , während sie hinaussah , mit ihrem linken Arm auf ein kleines Seitenbrett , das aus dem Zylinderbureau herausgezogen war . Die Straße war die Hauptverkehrsstraße nach dem Strande hin , weshalb denn auch in Sommerzeit ein reges Leben hier herrschte , jetzt aber , um Mitte November , war alles leer und still , und nur ein paar arme Kinder , deren Eltern in etlichen ganz am äußersten Rande der » Plantage « gelegenen Strohdachhäusern wohnten , klappten in ihren Holzpantinen an dem Innstettenschen Hause vorüber . Effi empfand aber nichts von dieser Einsamkeit , denn ihre Phantasie war noch immer bei den wunderlichen Dingen , die sie , kurz vorher , während ihrer Umschau haltenden Musterung im Hause gesehen hatte . Diese Musterung hatte mit der Küche begonnen , deren Herd eine moderne Konstruktion aufwies , während an der Decke hin , und zwar bis in die Mädchenstube hinein , ein elektrischer Draht lief - beides vor kurzem erst hergerichtet . Effi war erfreut gewesen , als ihr Innstetten davon erzählt hatte , dann aber waren sie von der Küche wieder in den Flur zurück- und von diesem in den Hof hinausgetreten , der in seiner ersten Hälfte nicht viel mehr als ein zwischen zwei Seitenflügeln hinlaufender ziemlich schmaler Gang war . In diesen Flügeln war alles untergebracht , was sonst noch zu Haushalt und Wirtschaftsführung gehörte , rechts Mädchenstube , Bedientenstube , Rollkammer , links eine zwischen Pferdestall und Wagenremise gelegene , von der Familie Kruse bewohnte Kutscherwohnung . Über dieser , in einem Verschlage , waren die Hühner einlogiert , und eine Dachklappe über dem Pferdestall bildete den Aus- und Einschlupf für die Tauben . All dies hatte sich Effi mit vielem Interesse angesehen , aber dies Interesse sah sich doch weit überholt , als sie , nach ihrer Rückkehr vom Hof ins Vorderhaus , unter Innstettens Führung die nach oben führende Treppe hinaufgestiegen war . Diese war schief , baufällig , dunkel ; der Flur dagegen , auf den sie mündete , wirkte beinah heiter , weil er viel Licht und einen guten landschaftlichen Ausblick hatte : nach der einen Seite hin , über die Dächer des Stadtrandes und die » Plantage « fort , auf eine hoch auf einer Düne stehende holländische Windmühle , nach der anderen Seite hin auf die Kessine , die hier , unmittelbar vor ihrer Einmündung , ziemlich breit war und einen stattlichen Eindruck machte . Diesem Eindruck konnte man sich unmöglich entziehen , und Effi hatte denn auch nicht gesäumt , ihrer Freude lebhaften Ausdruck zu geben . » Ja , sehr schön , sehr malerisch « , hatte Innstetten , ohne weiter darauf einzugehen , geantwortet und dann eine mit ihren Flügeln etwas schief hängende Doppeltür geöffnet , die nach rechts hin in den sogenannten Saal führte . Dieser lief durch die ganze Etage ; Vorder- und Hinterfenster standen auf , und die mehrerwähnten langen Gardinen bewegten sich in dem starken Luftzuge hin und her . In der Mitte der einen Längswand sprang ein Kamin vor mit einer großen Steinplatte , während an der Wand gegenüber ein paar blecherne Leuchter hingen , jeder mit zwei Lichtöffnungen , ganz so wie unten im Flur , aber alles stumpf und ungepflegt . Effi war einigermaßen enttäuscht , sprach es auch aus und erklärte , statt des öden und ärmlichen Saals , doch lieber die Zimmer an der gegenübergelegenen Flurseite sehen zu wollen . » Da ist nun eigentlich vollends nichts « , hatte Innstetten geantwortet , aber doch die Türen geöffnet . Es befanden sich hier vier einfenstrige Zimmer , alle gelb getüncht , gerade wie der Saal , und ebenfalls ganz leer . Nur in einem standen drei Binsenstühle , die