empfing der Abschiedsmoment einen kleinen Beigeschmack von Verstimmung . Friederike , die natürlich mit aufgestanden war , trug den Koffer bis an den nächsten Droschkenstand , und als Leo hier gewählt und Platz genommen und dem Kutscher » Friedrichstraßenbahnhof « zugerufen hatte , drückte er Friederike etwas in die Hand , das diese - trotzdem ihr bei den Poggenpuhls eigentlich wenig Gelegenheit gegeben war , ein feines Abschätzungsvermögen für im Halbdunkel gereichte Trinkgelder auszubilden - sofort als einen richtigen preußischen Taler erkannte . Der Schreck darüber war beinahe noch größer als die Freude . » Gott , junger Herr ... « » Ja , Friederike , die Tage sind verschieden , und wenn es nach mir ginge ... « » Nein , nein ... « » ... Und wenn es nach mir ginge , so nähm ich gleich den ausgehöhlten Edamer , der doch wohl noch da ist , und schüttete ihn dir voll lauter Goldstücke . Na , nun mit Gott , vorwärts . « Und dabei gab er ihr noch die Hand , und die Droschke setzte sich in eine wilde , aber schnell nachlassende Bewegung . Auf dem Heimwege von der Potsdamerstraßenecke bis wieder nach Hause kamen Friederike allerlei Betrachtungen . » Es kann einen doch eigentlich rühren « , sagte sie . » Und wenn ich dann so an das reiche Volk denke , wo ich früher war , und gar kein Mensch nich . Und daneben nun diese Poggenpuhls ! Eigentlich haben sie ja gar nichts , un mitunter genier ich mich , wenn ich sagen muß : Ja , gnäd ' ge Frau , der Scheuerlappen geht nu nich mehr . Aber sie haben doch alle so was , auch die Therese ; sie tut wohl ein bißchen groß , aber eigentlich is es doch auch nich schlimm . Un nu das Leochen ! Ein Tunichtgut ist er und ein Flausenmacher , da hat die arme alte Frau ganz recht , un hat auch seinen Nagel , wie sie alle haben , bloß die Frau nich ... na , die hat sich zu sehr quälen müssen , un da vergeht es einem ... Aber man is doch immer ein Mensch , un darin sind sie sich alle gleich . Ich bin froh , daß ich solche Stelle habe ; satt wird man ja doch am Ende , un wenn es mitunter knapp is , denn kosten sie bloß un lassen einen alles ; aber ich mag denn auch nich ; wenn man das so sieht , da steckt es einen auch in ' n Hals un will nich runter . Ja , ja , das liebe Geld ... Un ' n Taler . Wo er ihn bloß herhat ? Na , der Onkel wird wohl ordentlich in die Tasche gegriffen haben . « Als Friederike wieder oben war , fand sie die beiden älteren Mädchen schon am Kaffeetisch , und Manon kniete vor dem Ofen , um einzuheizen . Als es zuletzt brannte , kam auch die Mutter und nahm wie gewöhnlich ihren Platz auf dem Sofa . » Na , ist er gut fortgekommen ? « » Ja , Mama « , sagte Manon , » und ich soll dir auch noch einen Kuß von ihm geben , und du wärst doch die Beste , wenn du auch keine richtige Poggenpuhl wärst ... « » Nein , das bin ich nicht . Gott , Kinder , wenn ich auch eine wäre , da wäre die Elle schon lange viel länger als der Kram . « » Ach laß doch ; es geht auch so . Nur immer Mut . Ich hatte mir schon vorgenommen , mit Flora zu sprechen , und da mit einmal kam der Onkel ... « » Ja , der hat mal wieder geholfen . Aber man muß nicht denken , daß es immer so geht ... « » Nicht immer , Mama ; aber doch beinah . « » Ja , du bist auch solch Leichtfuß , ganz wie der Bruder . Und mit dem jungen Klessentin wird es wohl auch so gewesen sein . Da seht ihr , was dabei herauskommt . Und nun heißt er Herr Manfred . Und wenn nicht ein Wunder geschieht , und ihr habt ja auch schon so was gesagt , so lesen wir auch noch mal auf dem Theaterzettel : Herr Leo . Wie fandet ihr denn den jungen Klessentin ? Und wie kam denn der Onkel mit ihm aus oder er mit dem Onkel ? Es muß doch eine rechte Verlegenheit gewesen sein . « » Nein , Mama « , sagte Sophie . » Und warum auch ? Man muß es nur immer richtig ansehen . Ich bin doch auch von Adel und eine Poggenpuhl , und ich male Teller und Tassen und gebe Klavier- und Singunterricht . Er spielt Theater . Es ist doch eigentlich dasselbe . « » Nicht so ganz , Sophie . Das Öffentliche . Da liegt es . « » Ja , was heißt öffentlich ? Wenn sie bei Bartensteins tanzen und ich spiele meine drei Tänze , weil es unfreundlich wäre , wenn ich nein sagen wollte , dann ist es auch öffentlich . Sowie wir aus unsrer Stube heraus sind , sind wir in der Öffentlichkeit und spielen unsre Rolle . « » Gut , gut , Sophie . Du sollst recht haben ; ich will es glauben . Aber der junge Klessentin . Was spielt er denn eigentlich ? Ich habe doch noch nie von ihm gelesen . « » Er hat immer nur ganz kleine Rollen und nannte auch ein paar . Aber , was einen trösten kann , er setzte gleich hinzu , das mache keinen rechten Unterschied , und die kleinen Rollen , auf die käm es mitunter auch an , geradesogut wie auf die großen . Und alles , was er sagte , klang so nett und so zufrieden und so voll guter Laune , daß Onkel Eberhard