alten Duperré , der 1830 Algier bombardierte , den Dey von Tunis gefangennahm und fast so vornehm war wie die Montmorencys oder die Lusignans . Glauben Sie mir , Baron , ich kenne Familien und Familiengeschichten , und mein Wort zum Pfande , wo das alte Blut nicht aufgefrischt wird , da kann sich die ganze Sippe begraben lassen . Und behufs Auffrischung gibt es nur zwei legitime Mittel : Illegitimitäten oder Mesalliancen . Und sittenstrenger Mann , der ich bin , bin ich natürlich für Mesalliancen . « Waldemar sah vor sich hin . Dann nahm er das Wort und sagte : » Wohl , ich könnte mir einen Trost und eine Hoffnung daraus nehmen und eine freundliche Aufnahme beim Onkel wenigstens als eine Möglichkeit gewärtigen . Aber muß ich Sie , lieber Baron , an den alten , unserm gesamten Adel so geläufig gewordenen Satz erinnern : Ja , Bauer , das ist was andres . Immer der andre , der andre . Was für die Schwilows gilt , gilt darum noch nicht für die Halderns . Dem andern , so denkt jeder einzelne , darf alles passieren , aber nicht ihm selbst . Es ist eine merkwürdige Erscheinung , mit welcher Gleichgültigkeit alte Familien sich gegenseitig beurteilen und welches Arsenal von Spott verschossen wird , die sich gleichdünkenden und mitbewerbenden Mächte zu ridikülisieren . Aber dieser Spott , ich muß es noch einmal sagen , ist immer nur für den andern da . Was kümmern meinen Oheim die Schwilows ? Je mehr Balletteusen , desto besser , denn mit jeder neuen Balletteuse hat er nicht bloß einen neuen Stoff für die Klubmedisance , sondern auch eine beständig erneute Veranlassung , sich mit immer wachsendem Stolze des ungeheuren Unterschiedes zwischen den verduperréten Schwilows und den oberpriesterhaft rein gebliebenen Sarastro-Haldern bewußt zu werden . Das zieht sich durch alle Adelsgeschichten , wiederholt sich bei jeder Familie : je freier in der Theorie , desto befangener in der Praxis , desto enger und ängstlicher in der Anwendung auf das eigne Ich . « » Es ist , wie Sie sagen , Waldemar , und ich mag mich nicht verbürgen , daß es mit Ihrem Onkel anders steht . Aber steh es mit ihm , wie ' s wolle , Sie müssen ihm unter allen Umständen das Wort gönnen . Es bleibt doch immer die Möglichkeit seiner Zustimmung , und versagt er sie , nun so war es am Ende bloß der Onkel , bloß eine halbe Respektsperson , der man , wenn es zu toll kommt , den Respekt auch kündigen kann . Und da liegt der Unterschied zwischen Onkel und Vater . Einem Vater gegenüber , und wenn er einem das Furchtbarste sagt , muß man sich ruhig verhalten und sich das Furchtbarste gefallen lassen , das verlangt so das vierte Gebot . Aber das vierte Gebot schneidet scharf ab und versteigt sich , soweit mir bekannt ist , nirgends zu dem Zusatzparagraphen : Du sollst Onkel und Tante ehren . Und das ist ein wahres Glück . Gott , Tante ! Ich hatte auch mal eine , eine merkwürdige Frau , die Gott weiß was von mir verlangte , nur nicht das eine , daß ich sie ehren sollte . Beinah das Gegenteil . Nein . Onkel und Tante sind hors de concours . Einem Onkel gegenüber kann man sich seiner Haut wehren , einem Onkel kann man antworten und widersprechen und steht schlimmstenfalls Mann gegen Mann , und wär es mit dem Pistol in der Hand . Also nur vorwärts , Waldemar , vorwärts . « Der junge Graf erhob sich , der Baron aber wollte von Aufbruch noch nichts wissen und drückte seinen Gast leise wieder in das Sofa zurück . » Ich bitte Sie , Waldemar , Sie werden doch nicht gehn , ohne meinen Lafitte gekostet zu haben . Ich weiß , Sie machen sich nichts draus , unter allen Umständen ist Ihnen die Stunde zu früh ; aber ich lasse Sie nicht los , und wenn Sie nicht trinken wollen , nun so nippen Sie wenigstens . Anstoßen müssen wir doch , um dem Geschäftlichen einen ungeschäftlichen und , wenn ' s sein kann , einen gemütlichen Abschluß zu geben . « Während er noch so sprach , war er an einen Wandschrank getreten , der in seinem untersten Fach zugleich sein Weinkeller war , und kam mit zwei Gläsern und einer Flasche zurück . An der Art , wie er den Kork zog , erkannte man den Frühstücker von Fach , und nun goß er ein und stieß an . » Hören Sie , wie das klingt . So harmonisch soll alles klingen . Ja , harmonisch , das ist das rechte Wort . Und nun Ihr Wohl , Waldemar . Ich halte Sie nicht mehr lange fest , aber doch fünf Minuten noch . Ich muß Ihnen nämlich eine Liebeserklärung machen , die Sie mir zugute halten wollen . Einem solchen vieux wie ich muß man was zugute halten . Sehen Sie , Sie haben ein so gutes Gesicht , ein bißchen schwermütig , aber das tut nichts , das gibt einen Charme mehr , und ich wollte mein Leben darauf verwetten , daß Sie keinem Menschen je was zuleide getan haben . Ich schloß Sie gleich in mein Herz , gleich den ersten Abend ... Und nun bring ich noch eine Gesundheit aus , aber ohne Namen . Wozu sollt ich ihn auch nennen ? Er steht ohnehin in Ihrem Herzen ... Und sehen Sie , Sie sind mir seitdem noch lieber geworden . Im ersten Augenblick bekam ich einen Schreck , ich kann es nicht leugnen , und als ich nun gar noch einen Rat geben sollte , ja , das war mir ein bißchen zuviel . Aber das Diplomatische , das Offizielle , das liegt nun hinter uns , und ich kann nun sprechen , wie mir der Schnabel gewachsen ist . Und da will ich Ihnen denn